7:5, 3:6 und 6:3-Sieg gegen Ulihrach: Haas nach Arbeitssieg im Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 04.05.2000 - 16:49München (dpa). Auch ohne "Motivator" Boris Becker an seiner Seite hat Thomas Haas seinen zarten Aufwärtstrend auf der roten Asche von München fortgesetzt. Allerdings tat sich der 22-jährige Hamburger bei seinem 7:5, 3:6, 6:3-Erfolg über Bohdan Ulihrach (Tschechien) im Achtelfinale der 85. Bayerischen Tennis- Meisterschaften lange Zeit schwer, ehe der Viertelfinaleinzug wie in der Vorwoche in Barcelona unter Dach und Fach gebracht war.
Vergeblich hatte Haas am Donnerstag auf das Erscheinen seines "Mentors" Becker auf der Anlage von Iphitos München gehofft. "Er motiviert mich", erklärte der Hamburger zuvor, doch der dreimalige Wimbledonsieger mochte sich am Donnerstag nach der Reise mit Bayern München nach Madrid nicht unter die nur rund 500 Zuschauer bei der 400 000 Dollar Verantaltung mischen.
Auch in Zukunft wird er sich trotz der Bitte von Haas, doch öfter bei den großen Turnieren an der Platzseite aufzutauchen, nicht drängen lassen. "Boris ist Geschäftsmann. Er wird nicht in den Flieger steigen, um Tommy bei einem bestimmten Turnier zu betreuen", erklärte Beckers PR-Manager Robert Lübenoff. Beckers Rolle als Geschäftsmann und ein anderer Vermarktungspartner von Haas (IMG) stünden dem Unterfangen im Wege. "Wenn jemand im Team von Boris Becker steht, dann muss er auch dessen Vertrauen haben", erklärte Lübenoff weiter. Beide blieben aber "immer Freunde".
Ob das neue Verwaltungsratsmitglied Becker bei Bayern München überhaupt noch auf der kaum besuchten Anlage zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Damit muss Haas auch im Viertelfinale - in das er im dritten Anlauf erstmals einzog - gegen Frederico Browne (Argentinien) oder Jonas Björkman (Schweden) wohl wieder "allein" seinen Mann stehen.
Schwer tat sich Haas während der gesamten Achtelfinal-Partie mit seinem unscheinbar, aber solide agierenden Kontrahenten. Erst beim Stand von 6:5 im ersten Satz glückte das entscheidende Break. Mit einem krachenden Rückhand-Cross verwandelte der ehemalige Bollettieri-Schützling den dritten Satzball, ohne allerdings vollends zu überzeugen. Vor allem im läuferischen Bereich offenbarte Haas rund vier Wochen vor dem zweiten Grand-Slam-Turnier in Paris nach seinen Hüftproblemen noch Schwächen, wirkte nicht vollends austrainiert. In Schnelligkeit wie Ausdauer dokumentierte er Nachholbedarf.
Zwei Breaks im zweiten Durchgang sicherten dem 25-jährigen Tschechen schließlich den 1:1-Satzausgleich, bevor Haas mit einem schnellen Break und aggressivem Spiel gleich zu Beginn des Entscheidungssatzes die Weichen auf Sieg stellte. Immer wieder hatte er zuvor mit seiner Hand auf die Seiten geschlagen und dokumentierte damit, dass er nicht nur mit der Fitness zu kämpfen hat. Bis zu zwei Kilogramm betrug der Unterschied in der Bespannungshärte auf den Schlägern. Normalerweise legt die Weltklasse kaum mehr als einige Gramm Unterschied auf. Selbst Coach David Ayme schüttelte mehrmals ratlos den Kopf. Nach knapp zwei Stunden verwandelte Haas dann aber den sechsten Matchball.
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