Hewitt freigesprochen: Haas nach Huber-Aus letzter Hoffnungsträger
zuletzt aktualisiert: 02.09.2001 - 11:44New York (rpo). Thomas Haas verbleibt als letzter deutscher Hoffnungsträger bei den US Open in New York. Anke Huber (Foto) war am Samstag sang- und klanglos ausgeschieden, erst im Doppel, dann auch im Einzel.
Haas ist als letzter von 16 gestarteten deutschen Tennisprofis noch im Wettbewerb um das Rekordpreisgeld von 15,8 Millionen Dollar. Anke Huber war am Samstag mit 3:6, 5:7 an der Russin Elena Dementiewa gescheitert.
Die Top-Favoriten hielten sich vor der Rekord-Zuschauerzahl von 55 111 Zuschauern in Flushing Meadows weiter schadlos. Der russische Titelverteidiger Marat Safin schaltete den marokkanischen Linkshänder Hicham Arazi 7:5, 6:4, 7:6 (7:5) aus und trifft im Achtelfinale auf den Schweden Thomas Johansson. Der von Mats Wilander betreute Safin strahlt immer mehr Selbstvertrauen nach seinen lange Zeit schwankenden Leistungen aus: "Jetzt merke ich langsam, dass ich hier wieder gewinnen kann. Wenn ich nur die kleinste Chance habe, werde ich sie ganz sicher nutzen."
Der Weltranglisten-Zweite Andre Agassi (Foto) gewann 7:5, 7:6 (7:5), 6:3 gegen Ramon Delgado aus Paraguay und hat schon jetzt gewaltigen Respekt vor Roger Federer. "Dieser Bursche kann einfach alles gut", lobte Agassi den 20-jährigen Schweizer, der nach seiner verletzungsbedingten siebenwöchigen Wettkampfpause groß aufspielt. Im Fall eines Erfolges spielt Agassi im Viertelfinale gegen den Sieger des Achtelfinal-Knüllers zwischen dem immer besser in Schwung kommenden Grand-Slam-Rekordsieger Pete Sampras und dem zweimaligen US Open-Gewinner Patrick Rafter. Der Australier ließ gegen Nicolas Lapentti aus Ecuador beim 7:6 (7:3), 6:2, 6:2 nichts anbrennen. "Pat ist im Moment wohl von allen am besten in Form", lobte Sampras.
Als einziger aus den Top Ten flog am Samstag Tim Henman aus dem Wettbewerb. Der an Nummer neun gesetzte dreimalige Wimbledon- Halbfinalist unterlag dem Belgier Xavier Malisse 7:6 (8:6), 3:6, 5:7, 6:4, 4:6. Auch Henmans Landsmann Greg Rusedski scheiterte, doch angesichts des 5:1-Triumphes ihrer Fußball-Nationalmannschaft in München hielt sich die Trauer über das Ausscheiden der letzten beiden Briten in engen Grenzen. "Wirklich?" fragte Henman erstaunt, als ihm mitgereiste Journalisten begeistert das Ergebnis mitteilten. "Es gibt also doch einen Silberstreif am Horizont."
Entschuldigung für rassistische Äußerungen
Bei den Damen gab es Zwei-Satz-Siege für Titelverteidigerin Venus Williams, Australian sowie French Open-Gewinnerin Jennifer Capriati (Foto) und ihre Pariser Finalgegnerin Kim Clijsters, dessen Verlobter Lleyton Hewitt am Wochenende für die meisten Schlagzeilen sorgte. Einen Tag nach seinen als rassistisch aufgefassten Äußerungen beim Erfolg über James Blake entschuldigte sich der potenzielle Achtelfinal-Gegner von Haas bei dem farbigen Amerikaner.
Hewitt sprach von einem "unbeabsichtigten Zwischenfall, der aus einem umkämpften Match und Blakes außergewöhnlicher Leistung" resultiere. Der Hitzkopf hatte sich nach zwei Fußfehler-Rufen eines ebenfalls dunkelhäutigen Linienrichters beim Stuhl-Schiedsrichter mit den Worten beschwert: "Schauen Sie ihn, schauen Sie ihn an, und sagen Sie mir, worin die Ähnlichkeit besteht."
Der Internationale Tennis-Verband (ITF) schloss sich nach Gesprächen mit beiden Profis der Version des Australiers an, er habe keinen Vergleich zwischen dem Linienrichter und Blake ziehen wollen und damit eine bewusste Benachteiligung unterstellt. Die ITF verzichtete auf eine Strafe, weil Hewitt während seiner Tirade seinen Gegner nicht angesehen oder seinen Namen erwähnt hatte.
Der Verweis auf die Ähnlichkeit habe sich nur auf die beiden Fußfehler- Entscheidungen bezogen. "Es kann andere Interpretationen geben", räumte Blake ein, "aber ich halte mich an das, was Lleyton mir gesagt hat. Ihr Journalisten versucht, mehr als Tennis daraus zu machen." Für ihn sei der Vorfall jetzt erledigt.
Hewitts belgische Lebensgefährtin bekräftigte, dass weder sie noch er Rassisten seien. "Wir haben so viele Freunde, die verschiedener Hautfarbe sind, solch ein Denken gibt es bei uns nicht", betonte Kim Clijsters. Auch Pete Sampras ergriff Partei für den "Sündenbock": "Lleyton war immer höflich, wenn ich ihn getroffen habe". Zugleich räumte der US-Superstar aber ein: "Auf dem Platz ist er ein Anderer. Als er heute aufgewacht ist, hat es ihm sicher Leid getan."
Nach seiner wenig überzeugenden Erklärung dürfte es Hewitt bei den Fans noch schwerer haben. Bereits bei den diesjährigen French Open hatte der 20-Jährige für Aufregung gesorgt, weil er einen Linienrichter als "Spastiker" beschimpft hatte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











