Marktwert des deutschen Tennis-Stars im Sinkflug: Haas ohne Ausrüstervertrag
zuletzt aktualisiert: 20.06.2001 - 15:24Hamburg (rpo). Dort, wo jahrelang das Markenzeichen des großen, amerikanischen Sportartikelherstellers direkt über der Stirn auf der verkehrt herum aufgesetzten Mütze ins Auge stach, dort ist jetzt nur noch strahlendes Weiß. Seine Kappe setzt Tommy Haas zu seinen Matches natürlich weiterhin auf, auch die T-Shirts sind so überschnitten wie zuvor, nur gesponsert sind seine Klamotten schon seit Wochen nicht mehr.
Zum wichtigsten Turnier des Jahres tritt Deutschlands bester Tennisspieler ab Montag in Wimbledon an wie Heinz Müller zu den Medenspielen seines Breitensportvereins: In gekaufter Kleidung.
Seit Beginn seiner sportlichen Karriere stand der Hamburger beim amerikanischen Sportschuh-Multi Nike unter Vertrag, wo Haas spielte, prangte der "Swoosh" genannte typische Haken des US-Kultunternehmens. Bis vor etwa sechs Wochen. Der glänzend dotierte Vertrag lief aus und Nike hat nicht verlängert. Die alten Konditionen waren den Amerikanern zu hoch: Tommy Haas hat für sie an Wert verloren.
"Nike hat Konditionen geboten, die uns nicht so angenehm waren", räumt Haas-Manager Stefan Füg vom Vermarkter IMG ein: "Es würde mich aber schon überraschen, wenn Nike komplett den wichtigen deutschen Markt preisgeben würde." Es zeigt aber auch, wie die Amerikaner den deutschen Markt einschätzen. Haas gilt als Repräsentant um jeden Preis offenbar als untauglich.
Das ist irgendwie typisch für die Situation des 23-Jährigen im Frühjahr 2001. Es läuft alles nicht so, wie es sollte, und zuletzt musste sich Haas sowohl beim Rasenturnier in Halle als auch beim Mastersturnier in Hamburg nach enttäuschenden Niederlagen Pfiffe und Buhrufe der Zuschauer anhören. Auch die stets nach Niederlagen folgenden Sprechblasen der Uneinsichtigkeit nimmt ihm kaum noch jemand ab: "Ich werde mich weiter verbessern, lernen und irgendwann mal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen."
Man wartet - als Daviscup-Held mit erst einer Niederlage "in nationaler Mission" hat er sich einen Nimbus erspielt, den er langsam aber sicher zu zerstören scheint. Die Kritik an Haas wächst auch in Reihen der Experten. Zuletzt vermisste Carl-Uwe Steeb in Halle Kampfgeist. Der ehemalige Daviscup-Spieler Karsten Braasch spöttelte: "Haas hat nur zwei Spielweisen. Schnell, dann macht er viele Fehler. Und sehr schnell, dann macht er sehr viele Fehler."
Das einzig Konstante beim Tommy Haas der letzten zwölf Monate ist das Unkonstante. Glänzende Leistungen wechseln mit unerklärlich schwachen Leistungen. Seine Trainer hat er seit der Trennung vom Bollettieri-Camp vor einem Dreivierteljahr so schnell gewechselt, wie sonst nur Eintracht Frankfurt in der Fußball-Bundesliga. Zur Zeit darf sich der Holländer Sven Groenveld versuchen, der nach einem Dreivierteljahr im März von Nicolas Kiefer gefeuert wurde.
Der Hannoveraner nutzt Haas Schwäche seinerseits zu einer Sympathie-Offensive. Er gewinnt zwar auch nicht öfter, aber er ist dabei, den deutschen Fans seinen Charakter als Sympatikus zu vermitteln, der kämpft und Emotionen zeigt. Kiefer gilt auf der ATP-Tour unter den Kollegen als einer der beliebtesten Spieler, von Haas ist das nicht bekannt.
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