Marlene Weingärtner scheitert in Runde zwei: Haas, Popp, Prinosil und Schüttler siegten
zuletzt aktualisiert: 29.06.2000 - 17:31London (dpa) - Überraschend kämpft ein deutsches Tennis-Sextett beim ersten Wimbledon-Turnier ohne Boris Becker und Steffi Graf um den Einzug ins Achtelfinale. Einen Tag nach Anke Huber und Christian Vinck gelangen Thomas Haas, Rainer Schüttler, Alexander Popp sowie David Prinosil im Tennis-Mekka vier feine Zweitrunden-Siege. "Es sieht gut aus für die Deutschen", freute sich Daviscup-Leitwolf Haas über das "Frühlingserwachen" bei den 114. All England Championships in London.
Pete Sampras dagegen hatte einen schweren Donnerstag: Der Titelverteidiger bangt wegen einer Sehnenentzündung im Fuß um die Fortsetzung seiner Auftritte. Vorjahresgewinnerin Lindsay Davenport, die im Finale vor zwölf Monaten Steffi Graf besiegt hatte, zog mit einem 3:6, 6:3, 6:3 über Elena Lichowtschew (Russland) den Kopf gerade noch einmal aus der Schlinge.
Der in Florida lebende Haas, der wieder einmal von seinem obligatorischen Wimbledon-Heuschnupfen gequält wird, spielte zwei Tage nach seinem Prestigeerfolg über Nicolas Kiefer beim 6:3, 7:6 (7:3), 6:3 über den Andreas Vinciguerra (Schweden) auf dem ungeliebten Gras wie befreit auf.
"Ich bin zufrieden, habe gut gespielt", sagte der Bad Homburger Schüttler nach seinem unerwartet sicheren 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:5) über den Franzosen Nicolas Escude. Seinen ersten Fünfsatz-Erfolg feierte der 2,01 Meter große Münchner Popp beim 7:6 (7:5), 4:6, 6:7 (3:7), 6:3, 8:6 über den 26 Zentimeter kleineren Michael Chang (USA). In der aus deutscher Sicht spannendsten Begegnung des Tages zeigte der Außenseiter eine tadellose kämpferische Leistung. Auch Qualifikant Prinosil trumpfte auf dem geliebten Gras weiter auf. Der Sieger des Rasen-Turniers in Halle/Westfalen setzte sich mit 6:4, 2:6, 6:1, 6:2 gegen Stephane Huet (Frankreich) durch.
Haas hatte mit Vinciguerra überhaupt keine Mühe. "Mein Aufschlag kommt besser als in den letzten Wochen. Ich bin ganz zufrieden, wie ich gespielt habe", sagte er. Der Weltranglisten-33. trifft bei dem mirt 12,5 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier am Samstag auf Marc Rosset (Schweiz). "Das ist zwar ein gefährliche Gegner, aber es wäre schön, wenn ich in Wimbledon einmal die vierte Runde erreichen würde." Weitaus schwerere Prüfungen warten auf Schüttler und Popp: Patrick Rafter (Australien) und Gustavo Kuerten (Brasilien) sind ihre nächsten Gegner. Lösbar ist die Aufgabe für Prinosil, der es mit Safin-Bezwinger Martin Damm (Tschechien) zu tun bekommt.
Nachdem mit Marlene Weingärtner (Heidelberg) die vierte deutsche Spielerin am vierten Turniertag scheiterte, ist Anke Huber im Damenfeld die Alleinunterhalterin. Die deutsche Nummer 1 kann bereits an diesem Freitag gegen Tina Pisnik (Slowenien) das Achtfinal-Ticket lösen. "Das ist drin", gab sie sich optimistisch. Auch Qualifikant Vinck ist dann wieder im Einsatz: "Gegen Enqvist bin ich wieder ein Nobody auf dem Platz."
Sampras hatte mit Schmerzen im Fuß seinen Zweitrundensieg über Karol Kucera (Slowakei) geschafft. "Er ist hart im Nehmen, aber er wird heute sicher nicht den Weltrekord über 100 Meter brechen", sagte sein Trainer Paul Annacone nach der Röntgenuntersuchung in einem Londoner Krankenhaus. Um ein Abklingen der Entzündung zu erreichen, wurde der Amerikaner mit Eis, Elektrotherapie und Medikamenten behandeln.
"Pete erwartet, dass er gegen Justin Gimelstob antreten kann", gab sich Annacone optimistisch. Schließlich kann sein Schützling in Wimbledon den Rekord von Roy Emerson (Australien) mit 13 Grand-Slam- Siegen knacken. Und erstmals wollen seine Eltern nach London kommen, um ihren Sohn auf dem "heiligen Rasen" spielen zu sehen.
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