Flatterhafter Popp konnte Kafelnikow nur kitzeln: Haas unterlag Schüttler - Agassi ist ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 01.09.2000 - 09:08New York (dpa). New York (dpa) - Thomas Haas ist bei den US Open in New York bereits in der zweiten Runde ausgeschieden. Der 22-jährige gebürtige Hamburger verlor am Donnerstag gegen Daviscup-Teamkollegen Rainer Schüttler aus Bad Homburg überraschend klar mit 6:7, 2:6, 4:6. Auch Titelverteidiger Andre Agassi ist bei dem mit 15 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Tennisturnier nicht mehr im Wettbewerb. Der 30 Jahre alte US-Amerikaner unterlag gegen den ungesetzten Franzosen Arnaud Clement in drei Sätzen mit 3:6, 2:6, 4:6.
Alexander Popp kann die Tennis-Welt noch nicht auf Bestellung auf den Kopf stellen. Der 23 Jahre alte Mannheimer brachte den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Jewgeni Kafelnikow am Donnerstag bei den US Open zwar ganz gehörig in Bedrängnis, aber am Ende kam der Russe bei seinem 6:7 (3:7), 6:4, 6:4, 6:4-Sieg doch mit dem Schrecken davon. Bei seiner Premiere in New York demonstrierte Popp trotz des Ausscheidens in Runde zwei, dass sein sensationeller Einzug ins Viertelfinale von Wimbledon kein Einzelfall bleiben muss.
Vor rund 7 000 Zuschauern im Louis Armstrong Stadion zeigte Popp leider zwei Gesichter: Sein Spiel pendelte zwischen Welt- und Kreisklasse. Auf brillante Schläge folgten einfachste Fehler. So zog er im kuriosen und dramatischen ersten Satz wie entfesselt zunächst auf 5:1, 40:0 davon, brach dann einen Punkt vor dem Satzgewinn fürchterlich ein und verwandelte im Tie-Break schließlich doch den insgesamt siebten Satzball. Schon da hatte er gerade beim Aufschlag keine Konstanz. Im vierten Satz ging er noch einmal nach einem Break mit 2:0 in Führung, verlor es aber postwendend und anschließend nach fast drei Stunden Spielzeit auch das gesamte Match.
Das anfängliche Hoch der deutschen Spieler war mit Niederlagen von David Prinosil (Amberg), Lars Burgsmüller (Essen) und Jana Kandarr (Heidelberg) bereits am Mittwoch in ein Tief umgeschlagen. Allerdings stand Kandarr beim 6:2, 4:6, 2:6 gegen die an Nummer zwölf gesetzte Südafrikanerin Amanda Coetzer (Südafrika) vor einer Überraschung. Im zweiten Satz hatte sie nach einer bis dahin blendenden Leistung im achten Spiel vier Breakchancen zum 5:3. "Wenn ich das Spiel mache, denke ich, dass ich es auch nach Hause bringe", ärgerte sie sich.
David Prinosil hatte beim 5:7, 4:6, 4:6 im Erstrunden-Match gegen den belgischen Qualifikanten Xavier Malisse seine Chancen im ersten Satz. Danach bekam der Daviscup-Spieler Kreislaufprobleme ("mir ist schwindlig geworden") und konnte so das Spiel nicht kippen. "Mir fehlte die Energie." Daheim in Deutschland will er sich gründlich untersuchen lassen und dann bei den Olympischen Spielen angreifen: "Ich werde versuchen, im Einzel und Doppel eine Medaille zu holen."
Rekordjäger Pete Sampras bleibt in New York der ungeschlagene "König der Nacht". Der siebenmalige Wimbledonsieger aus den USA besiegte am Mittwoch seinen Landsmann Justin Gimelstob in der zweiten Runde nach einer tadellosen Vorstellung mit 6:3, 6:1, 6:3. Damit schraubte Sampras seine Bilanz bei Spielen in der "Night Session" auf 14:0 Siege. Das ist die beste Quote aller Spieler seit Einführung der Flutlicht-Begegnungen bei den US Open vor 25 Jahren. "Abendspiele hier in New York sind etwas ganz spezielles. Die Atmosphäre im Stadion ist einfach großartig", meinte Sampras, der in Flushing Meadows zum fünften Mal triumphieren will. John McEnroe legte sich nach dem Match fest: "Pete ist derjenige, den es zu schlagen gilt."
Martina Hingis und Venus Williams eilten mit Kantersiegen dem programmierten Duell im Halbfinale entgegen. Die Weltranglisten-Erste aus der Schweiz besiegte Kristina Brandi (USA) in 44 Minuten mit 6:1, 6:1. Wimbledonsiegerin Venus Williams (USA) benötigte für das gleiche Resultat bei ihrem nun 21. Sieg Sieg in Serie gegen die Tschechin Kveta Hrdlickova nur vier Minuten mehr. "Meine Gegnerinnen geben ihr Bestes. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie wirklich daran glauben, mich schlagen zu können", tönte Venus Williams.
Anke Huber hat in New York die dritte Runde erreicht. Die Weltranglisten-Zehnte aus Karlsdorf besiegte am Donnerstag (Ortszeit) in ihrem zweiten Spiel bei dem mit 15 Millionen Dollar dotierten Grand Grand-Slam-Tennisturnier die Russin Tatjana Panowa mit 6:2, 6:3.
Für einen Eklat am Rande sorgte einmal mehr der Vater der australischen Wimbledon-Halbfinalistin Jelena Dokic (16). Damir Dokic, der schon bei den Australian Open und in Wimbledon mit seinem schlechten Benehmen für Skandale sorgte, hatte sich am Mittwoch im Spieler-Restaurant lautstark über den angeblich zu hohen Preis von zehn Dollar für einen Fisch aufgeregt. In der Folge davon kam es zu Zusammenstößen mit Vertretern der Damen-Tour (WTA) und einem Sicherheitsbeamten. "Er darf für den Rest des Turniers nicht mehr die Anlage betreten", entschied Turnierdirektor Jay Snyder.
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