Abe verpasste Sensation: Haas zog Kopf aus der Schlinge
zuletzt aktualisiert: 02.06.2000 - 09:50Paris (dpa). Auf Thomas Haas und Anke Huber ist bei den French Open zitternd Verlass - Graf-Freund Andre Agassi hat dagegen die Titelverteidigung verpatzt. Der über weite Strecken von allen guten Geistern verlassene Hamburger bog am Donnerstag ein völlig verkorkstes Match gegen den Italiener Andrea Gaudenzi noch um und zog nach einem 4:6, 3:6, 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 6:1-Kraftakt in 4:12 Stunden doch noch in die dritte Runde ein. Mit Blasen an den Händen und reichlich Ärger im Bauch schaffte Haas den kaum noch erwarteten Verbleib in dem mit 9,9 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam- Turnier, in dem am Samstag der Russe Marat Safin ein mächtiger Gegner sein wird.
Eine Zitterpartie bot eine knappe Stunde lang auch Anke Huber. "Der erste Satz war eine Katastrophe", urteilte die 25-Jährige, die mit einer gehörigen Portion Kampfgeist den 7:6 (7:5), 6:1-Sieg perfekt machte. Tags zuvor hatte sie im Auftaktmatch gegen Nadeschda Petrowa aus Russland noch mehr kämpfen müssen, ehe sie die Partie mit 3:6, 6:4, 7:5 für sich entschieden hatte. Huber: "Ich bin froh, dass ich durchgekommen bin."
Frust pur erlebte Andre Agassi. Expo-Botschafterin Steffi Graf, die statt bei der Eröffnungspartie der Weltausstellung in Hannover auf der Tribüne die Daumen drückte, sah mit Schrecken, wie sich ihr erschöpfter und zunehmend demoralisierter Freund mit Blasen an den Füßen über den Center Court schleppte und den Kampf gegen den Slowaken Karol Kucera mit 6:2, 5:7, 1:6, 0:6 in zwei Stunden verlor. Stinksauer flüchtete Agassi wortlos von der Anlage in Roland Garros und muss dafür mit einer Strafe des Weltverbandes ITF rechnen.
Ohne Plan und Fortune spielte Haas bis zum ersten Tie-Break. Der Italiener war glänzend vom Trainer des früheren French-Open-Siegers Thomas Muster, Ronald Leitgeb, eingestellt. Bei langen Ballwechseln zog Haas den Kürzeren, und seine Fehlerquote lag meilenweit über der seines Kontrahenten, der in der Weltrangliste als Nummer 143 um 112 Plätze schlechter eingestuft ist. Doch in Paris war er zunächst klar der Bessere - bis das Match kippte und der München-Finalist mit dem Mut der Verzweiflung den Kopf doch noch aus der Schlinge zog.
Der "Sonnyboy" aus Florida, der tags zuvor gegen den verletzten Chilenen Marcelo Rios einen 6:3, 6:2-Abbruchsieg errungen hatte, bleibt bei den Herren der deutsche Alleinunterhalter in Paris. Nach großem Kampf musste sich auch Markus Hantschk verabschieden. Der Münchner musste nach fünf hochspannenden Sätzen gegen Australiens Nachwuchs-Star Lleyton Hewitt mit 6:2, 3:6, 6:3, 2:6, 3:6 die Segel streichen. Gegen den aufstrebenden Safin kommt es für Haas nun knüppeldick. Der 20 Jahre alte Hamburg-Finalist verlor die beiden Vergleiche im Vorjahr zwar, doch seither ist der einstige Tennis- Rüpel ruhiger und konzentrierter geworden.
Nach zwei Jahren Paris-Pause durfte sich Anke Huber über den Einzug in Runde drei freuen, in der sie auf die Polin Magdalena Grzybowska trifft. "Sie ist eine unangenehme Gegnerin. Hoffentlich spiele ich besser als in Rom", sagte Huber. Vor vier Wochen erst hatte sie dort gegen die Weltranglisten-118. den einzigen Vergleich verloren. Mit Willenskraft und Glück kam die an Nummer elf gesetzte Wahl-Österreicherin durch: "Ich bin froh, durchgehalten zu haben."
"Das beste Tennis meines Lebens", hatte zuvor eine "Namenlose" aus dem deutschen Team geboten. Julia Abe schrammte nur ganz knapp an einer Sensation vorbei. Mit mutigem Angriffstennis hatte sie Martina Hingis beim 4:6, 5:7 am Rande einer Niederlage. "Man hat gemerkt, wie ihr nach dem Matchball ein Stein vom Herzen geplumpst ist", sagte die trotz der Niederlage glückliche Leverkusenerin. Mit 13 922 Dollar Preisgeld als stattliches Trostpflaster ging die in der Rangliste um 156 Plätze schlechter eingestufte Julia Abe mit einem Lächeln.
Grund zum Strahlen hatte auch Vorjahresfinalist Andrej Medwedew aus der Ukraine beim 6:1, 6:2, 6:2 gegen den Schweizer Marc Rosset. Ausgeschieden ist dagegen Anna Kurnikowa. Die schöne Russin meldete sich mit einer Drei-Satz-Pleite gegen Sylvia Plischke aus Österreich ab. Sie teilte ihr Leid mit Meike Babel (Frankfurt/Main), Marlene Weingärtner (Heidelberg) und Barbara Rittner (Leverkusen), die Anke Huber und Thomas Haas als "Alleinunterhalter" zurückließen.
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