Interview mit dem Sportdirektor des DSV: "Haben erheblichen Boden zu verteidigen"
zuletzt aktualisiert: 21.11.2000 - 12:27Frage: "Mit welchen Erwartungen starten die DSV-Mannschaften in die Saison vor den Olympischen Spielen 2002?"
Thomas Pfüller: "Wir stehen vor einer richtungweisenden WM-Saison im Biathlon und im Nordischen Skisport, wo unsere Mannschaften auf breiter Front Spitzenleistungen abliefern sollen. Die Statistiken der letzten Jahre sind eindeutig: Nur wer in der Saison vor den Olympischen Spielen im Vorderfeld dabei ist, kann sich auch in Salt Lake City ernsthafte Medaillenchancen ausrechnen. Außerdem geht das WM-Abschneiden in der vorolympischen Saison bekanntlich voll in das Förderkonzept des deutschen Sports für die Jahre 2003 bis 2006 ein. Und da haben wir erheblichen Boden zu verteidigen."
Frage: "Welche Ziele sollen die DSV-Teams erreichen?"
Pfüller: "Wir setzen natürlich wieder auf die Biathleten und die Skispringer. Beide Teams sollten bei ihren WM-Höhepunkten in der Lage sein, Medaillen in Einzel- und Mannschaftswettbewerben zu erkämpfen. Die Skispringer haben in den letzten beiden Jahren dank Martin Schmitt und Sven Hannawald fast 50 Podestplätze im Weltcup erobert, das kann man nicht in jedem Jahr erwarten. Ich denke aber, dass unsere Skispringer insgesamt wieder weit vorne dabei sind. In der Nordischen Kombination werden wir unseren Rückstand zur Weltspitze weiter verringern. Da gibt es sehr positive Signale, die zumindest eine Staffel-Medaille bei der WM in Lahti als realistisch erscheinen lassen. Unser Sorgenkind bleibt der Langlauf. Hier können wir keine Wunderdinge erwarten. Aber zumindest die erfahrenen Andreas Schlütter und Rene Sommerfeldt sollten permanent unter die weltbesten 20 laufen können."
Frage: "In dieser Saison wird es erstmals Weltmeister im Langlauf-Sprint geben. Wie ist da die Planung?"
Pfüller: "Wir werden auch aus finanziellen Gründen zunächst keine spezielle Sprintmannschaft aufstellen. Unserem neuen Weltcup-Koordinator Jochen Behle, der bislang ausgezeichnete Arbeit leistet, obliegt es, Aktive mit Sprint-Qualitäten wie Peter Schlickenrieder zielgerichtet aufzubauen und einzusetzen. Nach wie vor gibt es bei der Behandlung des Sprints im Rahmen des Gesamtweltcups noch viele Ungereimtheiten. Hier ist der Weltverband gefordert."
Frage: "Im deutschen Sport wird derzeit über die Nachwuchsförderung diskutiert. Der DSV hat da bereits Erfolge aufzuweisen ..."
Pfüller: "Wenn jetzt darüber gesprochen wird, die 19- bis 24-Jährigen besser zu fördern, dann ist das für uns ein alter Hut. Wir verfolgen seit Jahren ein gezieltes Nachwuchskonzept und haben dafür wahrlich nicht immer Lob erhalten. Vor allem, wenn eigentlich Etablierte zugunsten des Nachwuchs zurückstecken mussten. Aber wir werden in Salt Lake City eine gesunde Mischung aus jungen und älteren Sportlern an den Start bringen und haben prinzipiell kein Generationsproblem. Auch wenn gerade in Sportarten wie Biathlon oder Langlauf für Junioren der Weg in die Weltspitze sehr weit ist und das beste Leistungsalter zumeist jenseits von 25 Jahren liegt."
Frage: "Der einst heftig umstrittene TV-Vertrag, der innerhalb von drei Jahren 45 Millionen Mark in die DSV-Kassen bringt, läuft 2002 aus. Wie ist die Situation?"
Pfüller: "Ob der Vertrag verlängert wird, wie und wann die Verhandlungen laufen, liegt in der Verantwortung des DSV-Vorstandes. Unsere Sportler, die immerhin in der letzten Saison drei Millionen Mark an Prämien aus diesem Topf erhalten haben, können mit Topleistungen unsere Verhandlungsposition verbessern. Unser Verband bestreitet derzeit 75 Prozent des Leistungssport-Etats aus den TV-Geldern. Im Prinzip trägt sich der nordische Leistungssport damit selbst. Im Biathlon dagegen schießen wir zu. Hier erhält der DSV keine TV-Gelder. Dennoch profitieren auch unsere im Weltcup erfolgreichen Biathleten vom Prämientopf. Das Solidarsystem im DSV funktioniert."
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