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EM-Qualifikation
Hakenkreuz auf Rasen in Kroatien

Kroatische Fans schmieren Hakenkreuz auf den Rasen
Kroatische Fans schmieren Hakenkreuz auf den Rasen FOTO: afp, ai/rix
Split. Im Spiel gegen Italien wird das mit Chemikalien erzeugte NS-Symbol sichtbar.

Nach dem Nazi-Skandal beim Geisterspiel gegen Italien bangt Kroatien vor möglichen Sanktionen der Uefa. Nicht ein Wort hat der europäische Fußballverband bisher über das in den Rasen gebrannte Hakenkreuz beim EM-Qualifikationsspiel in Split verloren. Das lässt den kroatischen Verband HNS zittern - und mit dem Schlimmsten rechnen. Trotz sportlich überzeugender Leistungen könnte dem Tabellenführer der Gruppe H das EM-Aus drohen.

Auf der Suche nach den Tätern fehlt der Polizei jede Spur. Ohnehin stellen sich die Ermittler die Frage, ob tatsächlich Fans hinter der Tat stehen. Schließlich war das Spiel gegen Italien (1:1) wegen ähnlicher Vorfälle ohne Zuschauer ausgetragen worden. Wer hatte also vor der Partie Zugang zum Spielfeld? Sogar der Chef des Unternehmens, das in Split für die Rasenpflege zuständig ist, meldete sich nun zu Wort. "Das Hakenkreuz hätte nicht mit unserem Equipment in den Rasen gebrannt werden können. Ich bin mir sicher, dass meine Mitarbeiter nichts damit zu tun haben", sagte Ante Maslov der Zeitung "Vecernji List". Die Polizei gehe mittlerweile davon aus, dass das Nazi-Symbol ursprünglich in der Mitte des Spielfeldes in den Rasen gebrannt werden sollte, schreibt das Blatt. Auch dort seien Brandspuren zu sehen.

HNS-Präsident Davor Suker kündigte für heute eine außerordentliche Sitzung an. Wie der staatliche Fernsehsender HRT berichtete, könnte Split die Austragung des EM-Qualifikationsspiels gegen Bulgarien im Oktober entzogen werden. Wegen rassistischer Angriffe ihrer Fans im Spiel gegen Norwegen mussten die Kroaten vor leeren Rängen spielen. Laut der Zeitung "Jutarnji" hat der Verband seit 2005 mehr als 700 000 Euro an Strafen für Fan-Ausschreitungen zahlen müssen. Bereits 2011 beim Spiel gegen Georgien sei im Stadion in Split ein Hakenkreuz auf einem Banner im Fanblock zu sehen gewesen. Damals sei der Verband mit einer Geldstrafe (75 000 Euro) belegt worden. Jetzt drohen härtere Sanktionen.

"Wir waren in der Früh auf dem Platz, und es war nichts zu sehen", betonte HNS-Generalsekretär Damir Vrbanovicl. Er bot den Rücktritt der Verbandsspitze an, "falls sich unsere Probleme damit lösen". Auch Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hatte den erneuten Skandal verurteilt.

Kaum ein Länderspiel vergeht, ohne dass es zu rechtsradikalen oder rassistischen Vorfällen kommt. Vor der WM in Brasilien hatte der ehemalige Bundesliga-Profi Josip Simunic nach der geglückten Qualifikation über das Stadionmikrofon eine faschistische Parole gerufen. Er wurde von der Fifa für zehn Spiele gesperrt. Auch die vielen weiteren Strafen, die Uefa und Fifa wegen ähnlicher Vorfälle verhängten, brachten offenbar keine Lösung.

(dpa)
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