Sieg über Landsmann Popp: Halle: Kiefer erreicht Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 14.06.2002 - 17:24Halle/Westfalen (rpo). Nicolas Kiefer ist weiter im Aufwind. Beim ATP-Turnier im westfälischen Halle zog er nach einem 7:5, 6:4-Sieg über seinen Landsmann Alexander Popp ins Halbfinale des mit 736. 000 Dollar dotierten Rasenturniers ein.
Dort trifft er auf den an Nummer zwei Schweizer Roger Federer, der 6:3, 6:4 gegen den Russen Michael Juschnij gewann. Für Kiefer ist es das erste Halbfinale seit er letzten Oktober in Moskau das Endspiel erreichte.
Zuvor war bereits der Russe Jewgeni Kafelnikow in die Vorschlussrunde eingezogen. Der topgesetzte zweimalige Halle-Champion bezwang Bohdan Ulihrach (Tschechien) mit 5:7, 6:3, 6: 4 und trifft am Samstag auf den Dänen Kenneth Carlsen, der gegen Titelverteidiger Thomas Johansson (Schweden/Nr. 3) 7:6 (7:3), 6:3 gewann.
Kiefer knüpfte in der Partie gegen Popp an seine gute Form der letzten Woche an. "Ich habe mir viel Selbstvertrauen erarbeitet", sagte der 24-Jährige, der nun hofft, endgültig aus seinem monatelangen Formtief raus zu sein: "Ich wusste, dass mein Tennis irgendwann zurückkommen musste." Nur vier von 21 Matches hatte Kiefer vor dem Turnier in Halle in diesem Jahr gewonnen, jetzt könnte er die Wende geschafft haben. "Vielleicht kann ich ja hier den ganzen Weg gehen", meinte er.
Auch für Alexander Popp waren die Haller Tage auf jeden Fall sowas wie ein zweiter Durchbruch. "Ich hatte mir nach der Schule vorgenommen, unter die Top 100 zu kommen", sagte der blonde Schlaks: "Dieses Ziel habe ich jetzt schon zum zweiten Mal erreicht. " Mit dem Viertelfinaleinzug ist er wieder in den zweistelligen Bereich der "entry list" vorgedrungen: "Das ist für mich das Wichtigste, dadurch habe ich den Sprung ins Hauptfeld bei den US-Open sicher."
Ob er in einer Woche an die Stätte seines bislang größten Erfolges zurückkehren kann, ist noch unsicher. Für den direkten Sprung ins Hauptfeld von Wimbledon reichte die Weltranglisten-Platzierung beim Meldeschluss noch nicht, und seine Anmeldung für die Qualifikation ist verlorengegangen. "Ich habe noch die Hoffnung auf eine Wildcard", sagte er: "Aber wenn es nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter." 2000 hatte Popp in Wimbledon das Viertelfinale erreicht.
Und den "Weltuntergang" hat er bereits hinter sich. Der aufstrebende Tennisprofi Alexander Popp war im letzten Jahr völlig aus dem Verkehr gezogen, Pfeiffersches Drüsenfieber lautete die Diagnose. "Vier Monate lang konnte ich überhaupt keinen Sport machen. Und als ich wieder mit dem Training begonnen habe, war mein Puls nach fünf Minuten schon auf 180", erinnert er sich. Sportler wie der ehemalige Fußballprofi Olaf Bodden oder Tennisspielerin Andrea Glass kamen nach der Krankheit nicht mehr richtig auf die Füße, Popp könnte eine Ausnahme sein: "Es war für mich ein völliger Neubeginn. Ich habe hart dafür gearbeitet."
Das hat er in Mannheim in einer vertrauten Umgebung gemacht. Die ganze Hype um seine Person nach Wimbledon 2000 war ihm ohnehin lästig: "Ich habe gelernt, dass in der Öffentlichkeit weniger die eigentliche Leistung zählt, sondern nur auf die Resultate geachtet wird." Dass er seinem Umfeld in Mannheim stets treu geblieben ist, war eine goldrichtige Entscheidung: "Man soll bei seinen Wurzeln bleiben. Gerade in der schweren Zeit beim Neuanfang hat sich das ausgezahlt."
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