Silber für die 400 Meter-Läuferin Claudia Marx: Hallen-EM: Weltrekorde zum Abschluss
zuletzt aktualisiert: 03.03.2002 - 20:54Wien (rpo). Dritter und letzter Wettkampftag bei der Leichtathletik-Hallen-EM in Wien. Und prompt schon wieder eine Medaille, diesmal für die 400-m-Läuferin Claudia Marx.
Das Beste hatten sich Europas Leichtathleten für den Schluss aufgehoben: Bei der 27. Hallen-Europameisterschaft in Wien fielen am Sonntag durch die Slowenin Jolanda Ceplak über 800 m und die Russin Swetlana Feofanowa im Stabhochsprung zwei Weltrekorde. Die deutschen Athleten schlossen die Titelkämpfe mit sechs Medaillen im Soll ab. Der Frankfurter Tim Lobinger sorgte mit seinem zweiten Titelgewinn nach 1998 sogar für einen vorher kaum erwarteten Sieg im Stabhochsprung. Dagegen reichte Yvonne Buschbaum (Stuttgart) der deutsche Rekord von 4,65 m nur zu Platz zwei. Silber gewann auch Claudia Marx (Berlin) über 400 m. Lars Börgeling (Leverkusen) ebenfalls mit dem Stab, Birgit Rockmeier über 200 m und Hürdensprinterin Kirsten Bolm (Köln) steuerten Bronzemedaillen bei.
Die Glanzlichter dreitägigen Veranstaltung aber setzten Jolanda Ceplak und Swetlana Feofanowa. Mit 1:55,82 Minuten verbesserte die Slowenin über 800 m den Hallen-Weltrekord von Christine Wachtel gleich um 58/100 Sekunden. Die Neubrandenburgerin war 1988 ebenfalls in Wien 1:56,40 gelaufen. Lokalmatadorin Stefanie Graf, im Schlussspurt geschlagen, blieb in 1:55,85 Minuten ebenfalls noch klar unter der Wachtel-Bestmarke. Die Russin blieb im Stabhochsprung bei ihrer "Salami"-Taktik und verbesserte zum fünften Mal den Hallen- Weltrekord um einen Zentimeter auf nun 4,75 m. Yvonne Buschbaum lieferte der Favoritin einen großen Kampf und gab sich erst mit einem missglückten Versuch über die Weltrekordhöhe von 4,75 m geschlagen. Dafür steigerte sie den vor neun Tagen in Chemnitz gemeinsam mit Annika Becker (Rotenburg/Bebra) aufgestellten deutschen Rekord (4,62) um drei Zentimeter.
Das ersatzgeschwächte Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) erreichte die Vorgabe von vier bis sechs Medaillen. "Die Mannschaft, die hier war, hat meine Erwartungen voll erfüllt", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop, "es ist uns aber nicht gelungen, die Lücken der fehlenden Tops zu schließen." Dies sei für ihn ein "beängstigender Zustand, wenn ich beispielsweise an das Kugelstoßen der Frauen denke, wo wir gar nicht vertreten waren".
Auch deshalb blieb unter dem Strich die schwächste EM-Bilanz seit der Teilnahme einer vereinten deutschen Mannschaft im Jahr 1992. Ein ähnlich schlechtes Abschneiden wie im Vorjahr bei der Hallen-WM in Lissabon (2 Bronzemedaillen) konnte jedoch verhindert werden.
Sechs Jahresweltbestleistungen waren vor 3600 Zuschauern am Samstag und Sonntag im ausverkauften Dusika-Hallenstadion die weiteren Spitzenergebnisse der dreitägigen Meisterschaften mit der Rekordbeteiligung von rund 600 Athleten aus 46 Ländern. Edmonton- Weltmeisterin Jelena Prochorowa im Fünfkampf (4622 Punkte), Marina Kuptsowa (beide Russland) im Hochsprung (2,03), Dreisprung- Olympiasiegerin Teresa Marinowa (Bulgarien/14,81) sowie im Hürdensprint der unverwüstliche Colin Jackson (Großbritannien/7,40)) und die nun für Spanien startende Nigerianerin Glory Alozie (7,84), Olympia-Zweite von Sydney, sorgten für diese Höhepunkte ebenso wie der Pole Pawel Czapieski, der über 800 m in 1:44,78 Minuten Weltmeister Andre Bucher (Schweiz/1:44,93) überraschend bezwang.
Der 29-jährige Lobinger hatte diesmal das Glück des Tüchtigen. Wie Patrik Kristiansson (Schweden) und Börgeling überquerte er 5,75 m, meisterte diese Höhe aber im Gegensatz zu den Mitkonkurrenten im ersten Anlauf. "Ich bin in einer Form wie 1997 und 1999, als ich sechs Meter gesprungen bin und wollte gewinnen. Der Erfolg war diesmal viel schwieriger, darum schätze ich die Wertigkeit sehr hoch ein", sagte Lobinger. Er hatte sich in der vergangenen Woche erst in einem Stechen das dritte Ticket für Wien gegen Danny Ecker (Leverkusen) gesichert.
Der deutsche Rekord von Yvonne Buschbaum und die Bronzemedaille Börgelings rundeten das gute Abschneiden der "Stabis" ab. Der deutsche Meister Richard Spiegelburg allerdings kam nur über die Anfangshöhe von 5,40 m und wurde Achter. Die Medaillen-Hoffnungen erfüllten Gabi Rockmeier und Kirsten Bolm. Im 200-m-Rennen rettete Rockmeier mit letztem Einsatz ihren dritten Platz. Claudia Marx musste sich in 52,15 Sekunden nur der Russin Natalja Antjuch (51,65) beugen.
Von den 27 deutschen Athleten standen 17 im Finale. Acht Athleten mussten in Vorläufen oder Qualifikationen vorzeitig die Segel streichen. Die Kugelstoßer blieben gleich zu dritt auf der Strecke, die Weitspringer zu zweit. Die Abstinenz vieler Top-Athleten kritisierte Lobinger: "Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass es nicht kaputt macht, wenn man noch eine Woche dranhängt. Ein Athlet soll auch die Chance nutzen, den Marktwert zu steigern, und Teamgeist zeigen."
Ergebnisse Frauen:
400 m: 1. Natalja Antjuch (Russland) 51,65 Sekunden; 2. Claudia Marx (Berlin) 52,15; 3. Karen Shinkins (Irland) 52,17; 4. Natalja Iwanowa 52,23; 5. Julja Pechonkina (beide Russland) 52,91; 6. Catherine Murphy (Großbritannien) 52,98
60 m: 1. Kim Gevaert (Belgien) 7,16 Sekunden; 2. Marina Kislowa (Russland) 7,18; 3. Georgia Kokloni (Griechenland) 7,22; 4. Karin Mayr (Österreich) 7,22; 5. Marion Wagner (Mainz) 7,23; 6. Larissa Kruglowa (Russland) 7,25; 7. Andrea Philipp (Dortmund) 7,27; 8. Sasa Prokofjew (Slowenien) 7,37
800 m: 1. Jolanda Ceplak (Slowenien) 1:55,82 Minuten (Weltrekord); 2. Stephanie Graf (Österreich) 1:55,85; 3. Elisabeth Grusselle (Frankreich) 2:01,46; 4. Mayte Martinez (Spanien) 2:01,50; 5. Swetlana Tscherkasowa (Russland) 2:02,80; 6. Sandra Stals (Belgien) 2:07,33; ohne deutsche Beteiligung
1500 m: 1. Jekaterina Pusanowa (Russland) 4:06,30 Minuten; 2. Elena Iagar (Rumänien) 4:06,90; 3. Alesja Turowa (Weißrussland) 4:07,69; 4. Julja Kosenkowa (Russland) 4:08,63; 5. Daniela Jordanowa (Bulgarien) 4:10,47; 6. Olga Komjagina (Russland) 4:11,97
3000 m: 1. Marta Dominguez (Spanien) 8:53,87 Minuten; 2. Carla Sacramento (Portugal) 8:53,96; 3. Jelena Sadoroschnaja (Russland) 8:58,36; 4. Susanne Pumper (Österreich) 8:59,93; 5. Lilja Wolkowa (Russland) 9:02,48; 6. Cristina Grosu (Rumänien) 9:02,99; 7. Luisa Larraga (Spanien) 9:03,45; 8. Sabrina Mockenhaupt (Sieg) 9:03,82
Weitsprung: 1. Niki Xanthou (Griechenland) 6,74 Meter; 2. Olga Rubljowa 6,74; 3. Ludmilla Galkina 6,68; 4. Irina Simagina (alle Russland) 6,64; 5. Stiliani Pilatou (Griechenland) 6,57; 6. Zita Ajkler (Ungarn) 6,48; ohne deutsche Beteiligung
Stabhochsprung: 1. Swetlana Feofanowa (Russland) 4,75 Meter (Weltrekord); 2. Yvonne Buschbaum (Stuttgart) 4,65 (deutscher Rekord); 3. Monika Pyrek (Polen) 4,60; 4. Annika Becker (Rotenburg-Bibra) 4,55; 5. Christine Adams (Leverkusen) 4,50; 6. Pavla Hamackova (Tschechien) 4,35
4 x 400 m: 1. Weißrussland 3:32,24 Minuten; 2. Polen 3:42,45; 3. Italien 3:36,49; 4. Österreich 3:42,24; ohne deutsche Beteiligung
Ergebnisse Männer:
400 m: 1. Marek Plawgo (Polen) 45,39 Sekunden (europäische Jahresbestleistung); 2. Jimisola Laursen (Schweden) 45,59; 3. Ioan Vieru (Rumänien) 46,17; 4. Piotr Rysiukiewicz (Polen) 46,32; 5. Jiri Muzik (Tschechien) 46,36; 6. Marc Foucan (Frankreich) 47,40;...im Halbfinale ausgeschieden: 8. Bastian Swillims (Wattenscheid) 46,54
800 m: 1. Pawel Czapiewski (Polen) 1:44,78 Minuten (Jahresweltbestleistung); 2. Andre Bucher (Schweiz) 1:44,93; 3. Antonio Reina (Spanien) 1:45,25; 4. Dmitri Bogdanow (Russland) 1:45,84; 5. Sergej Koshewnikow (Russland) 1:46,13; 6. David Fiegen (Luxemburg); ohne deutsche Beteiligung
60 m: 1. Jason Gardener (Großbritannien) 6,49 Sekunden (europäische Jahresbestleistung); 2. Mark Lewis-Francis (Großbritannien) 6,55; 3. Anatoli Dovgal (Ukraine) 6,62; 4. Bongelemba Bongelo (Beelgien) 6,67; 5. Francesco Scuderi (Italien) 6,69; 6. Patrik Lövgren (Schweden) 6,70; im Halfinale ausgeschieden: 12. Marc Blume (Wattenscheid) 6,70
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