Rosenheimer Lizenz als Ziel: Hamburg Crocodiles wollen in die DEL
zuletzt aktualisiert: 09.04.2000 - 19:12München (dpa). Zwischen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bahnt sich ein neuer Konflikt an. Die Hamburg Crocodiles, Club der vom DEB organisierten 2. Bundesliga, wollen die Lizenz des finanziell angeschlagenen DEL-Vereins Starbulls Rosenheim kaufen und in der kommenden Saison in der höchsten deutschen Liga spielen. Nach Meldungen von "Welt" und "Bild" will Crocodiles-Eigner Klaus-Peter Jebens für 2,3 Millionen Mark die Lizenz der Oberbayern erwerben, deren Ausstieg aus der DEL allerdings noch nicht perfekt ist. "Wir haben Probleme, planen aber noch für die DEL", sagte Starbulls-Geschäftsführer Peter Lutz.
Wegen steigender Beiträge für die Berufsgenossenschaft und Einbußen bei den Fernsehgeldern rechnet der dreifache deutsche Meister aus Rosenheim in der kommenden Saison mit einem Finanzloch in Höhe von zwei Millionen Mark. Bereits im Januar hatten die Rosenheimer ihre Probleme auf den Tisch gelegt und einen möglichen DEL-Rückzug erwogen. Spekulationen, Hauptgesellschafter Anton Kathrein habe mit der Firma Siemens zur Rettung des Clubs einen weiteren Sponsor engagieren können, wurden in Rosenheim nicht bestätigt.
Die Hamburg Crocodiles, im Playoff der 2. Bundesliga bereits ausgeschieden, sollen mit Hilfe einer Sondergenehmigung in der Spielzeit 2000/2001 in ihrer Halle spielen können, obwohl sie mit einem Fassungsvermögen von nur 2 450 Zuschauern den DEL-Anforderungen nicht genügt. Pläne für eine 10 000 Zuschauer fassende Halle, die ab der Saison 2001/2002 genutzt werden könnte, sollen bereits vorliegen. Bei der Finanzierung des Stadions soll auch US-Milliardär Philip Anschütz eingebunden werden. Der amerikanische Multi-Unternehmer ist bereits Eigner bei den DEL-Clubs München Barons und Eisbären Berlin.
Nachdem das DEL-Schiedsgericht am vergangenen Dienstag den DEL- Verbleib der sportlich abgestiegenen Moskitos Essen bestätigte und den vereinbarten Auf- und Abstieg für nichtig erklärte, liefert ein möglicher Aufstieg der Hamburger weiteren Zündstoff zwischen DEB und DEL. "Das deutsche Eishockey verliert immer mehr an Glaubwürdigkeit", wetterte zuletzt DEB-Sportdirektor Franz Reindl.
DEL-Geschäftsführer Bernd Schäfer macht keinen Hehl daraus, dass er einen DEL-Standort Hamburg begrüßen würde. Gleichzeitig denkt der Kölner Rechtsanwalt aber laut über eine Verkleinerung der DEL und die Einführung einer zweiten Profiliga unter DEL-Regie laut nach. "Sinnvoll wären zwei Ligen mit zwölf Teams. Das Urteil des Schiedsgerichts zeigt ja, dass das zwischen einer Profiliga in einer Rechtsform der GmbH, also der DEL, und einer Verbandsliga in Rechtsform eines eingetragenen Vereins, also der zweiten Bundesliga, nicht geht", sagte Schäfer im Kölner "Express".
Mit Hamburg und Essen würde in der neuen Saison die DEL mit 17 statt bisher 15 Clubs spielen. Ergänzt wird das Teilnehmerfeld vom Meister der zweiten Bundesliga. Ob die Düsseldorfer EG, wenn sie sich sportlich qualifiziert, in die Eliteliga zurück kehrt, ist noch fraglich. "Das ist eine Entscheidung der Gesellschafter. Bisher liegt kein Antrag einer Düsseldorfer GmbH vor", sagte Schäfer.
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