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Handballer noch nicht in Form
Gedämpfte Vorfreude statt olympischer Euphorie

30:27 gegen Ägypten: Handballer noch nicht in Olympia-Form
Keeper Andreas Wolff hatte nach der Niederlage gegen Dänemark deutliche Worte gesprochen FOTO: dpa, jew hpl
Straßburg. Eine Niederlage, ein Sieg: Die deutschen Handballer haben Platz drei beim Turnier in Straßburg belegt, aber ihre olympische Generalprobe vor dem Abflug nach Rio nicht bestanden.

Gedämpfte Vorfreude statt olympischer Euphorie: Die deutschen Handball-Europameister suchen knapp zwei Wochen vor Beginn ihrer Medaillen-Mission in Rio nach ihrer Olympia-Form. Zwar gewann die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson ihre Generalprobe vor dem Abflug nach Brasilien am 1. August mit 30:27 (13:11) gegen Ägypten. Doch der Sieg im kleinen Finale des Vierländerturniers in Straßburg konnte die 19:25 (8:12)-Pleite zwei Tage zuvor gegen Dänemark nicht vergessen machen. "Mit einem Bein stehen wir im kalten Wasser, mit einem im warmen. Aber ich will immer ganz im warmen Wasser stehen", bilanzierte Sigurdsson mit Blick auf die durchwachsenen Leistungen.

Besonders EM-Held und Keeper Andreas Wolff hatte nach dem verpassten Finale deutliche Worte gesprochen. "Man kann sich nicht für die Größten halten und denken, dass wir spielerisch mit allen mithalten können. Das war nicht so, wie wir es als Bad Boys bei der Euro gezeigt haben", schimpfte Wolff und sagte: "Es kommt nicht darauf an, wie man sich nennt, sondern darauf, dass man Leidenschaft, Herz und Kampf an den Tag legt."

Die harsche Kritik an der Einstellung fruchtete: Im Duell mit dem olympischen Vorrundengegner Ägypten am Sonntag zeigte die deutsche Mannschaft vor 4000 Zuschauern eine Leistungssteigerung. "Es war ein guter Sieg", meinte Sigurdsson. Die erste Führung gelang dem Favoriten allerdings erst in der 29. Minute, als Kapitän Uwe Gensheimer einen Siebenmeter zum 12:11 verwandelte. Nach dem Wechsel hielt die DHB-Mannschaft ihren Drei-Tore-Vorsprung relativ stabil und holte sich durch gute Abwehr-Aktionen Selbstvertrauen.

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Zuvor hatte besonders der Angriff wie schon gegen Dänemark enttäuscht und sich alles andere als durchschlagskräftig präsentiert. Selbst Weltklasse-Linksaußen Gensheimer, in beiden Spielen mit insgesamt 13/9 Treffern bester deutscher Turnierwerfer, ließ sich kurzzeitig von der Nervosität anstecken. "Was wir gegen die Dänen gezeigt haben, ist nicht unser Anspruch. Jeder muss sich Gedanken machen", sagte Gensheimer und forderte: "Wir müssen unsere Fehlerquote gering halten. Das wird bei Olympia richtig wichtig sein." Das Finale von Straßburg gewann Gastgeber Frankreich gegen Dänemark mit 29:25 (17:12).

Das Kräftemessen in Straßburg war für den Europameister der letzte Test vor der Abreise nach Rio am 1. August. Am 3. August findet vor Ort noch ein Länderspiel gegen Kroatien statt, ehe zum Auftakt ins Olympia-Turnier am 7. August Schweden wartet. Weitere Vorrundengegner sind Polen, Brasilien, Slowenien und zum Abschluss Ägypten.

Die Gewitter im Elsass waren harmlos gegen das Donnerwetter von Sigurdsson nach der Pleite im Auftaktspiel. "Es gab keinen Lichtblick, der Gegner war in allen Belangen besser: Angriff, Abwehr, Tor", sagte Sigurdsson nach einer 15-minütigen Gardinenpredigt noch sichtlich angesäuert: "Die Wurfquote war unterirdisch."

Gefehlt hatten in Straßburg die als potenzielle Nachrücker für den Olympiakader (14 Spieler) vorgesehenen Steffen Fäth (Mittelhandbruch) und Steffen Weinhold (Muskelfaserriss). Beide fliegen ebenso wie der dritte Torhüter Carsten Lichtlein auf Kosten des Verbandes mit nach Rio. Das Trio darf allerdings wohl nicht im Olympischen Dorf wohnen.

Wie wichtig ein guter Teamgeist in Brasilien sein wird, hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning jüngst herausgestrichen. "Es wird darauf ankommen, dass es uns wie bei der EM gelingt, dieses Gefühl des Miteinanders zu entwickeln", sagte Hanning: "Dass jeder deutlich mehr einzahlt, als er sich persönlich rausnimmt."

(old/sid)
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