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Handball
Jicha: Wechsel wegen Finanz-Problemen

Filip Jicha: Wechsel wegen Finanz-Problemen
Barcelona lockt Filip Jicha. FOTO: dpa, awa hpl
Kiel/Düsseldorf. Der tschechische Handballstar, seit 2007 beim THW Kiel, ist vor neun Jahren einem Finanzberater aufgesessen und zahlt noch immer für ein Immobilen-Geschäft. Der FC Barcelona lockt mit einem Vier-Jahres-Vertrag. Von Eckhard Czekalla

Filip Jicha und der THW Kiel - das passt, seit der Tscheche vor acht Jahren in den Norden Deutschlands kam. Und es schien eine Liaison bis zum Ende der sportlichen Karriere des Handballprofis zu sein. Jicha ist mit Ehefrau Hana und seinen Kindern Valeria und Vincent heimisch geworden. Er mag Kiel. Die Kieler mögen ihn. Er ist das Gesicht des Handball-Bundesligisten und hat maßgeblich an der Erfolgsstory mitgeschrieben.

Doch nun will er weg, obwohl sein Vertrag erst im Sommer 2016 ausläuft. "Ich habe im Moment nur schlaflose Nächte. In die Situation, den Verein zu verlassen, den ich so liebe, wollte ich nie kommen", sagte der 33-Jährige den "Kieler Nachrichten". Der Rückraumspieler hat finanzielle Probleme, von denen der Verein wusste. Er unterstütze ihn bei der Lösung stark.

Als Jicha vor neun Jahren in die Bundesliga zu TBV Lemgo wechselte, habe er "wie viele andere in Immobilien investiert. Ich war jung, naiv und sprach kaum Deutsch. Erst vier Jahre später habe ich erfahren, dass sich daraus für mich ein Problem entwickelt hatte", erzählte Jicha. Viel habe sich in die richtige Richtung entwickelt, dennoch müsse er jeden Monat rund 40 Prozent seines Gehalts dafür aufwenden.

Der FC Barcelona, der Superstar Nikola Karabatic an Paris St. Germain verloren hat, bot Jicha einen Vierjahresvertrag an. Er kann beim Champions-League-Sieger so viel verdienen wie in vier Jahren beim THW Kiel. Der Wechsel gäbe ihm "die nötige Sicherheit, zumal in Spanien das Gehalt auch im Krankheitsfall gezahlt wird". Auf 420 000 Euro jährlich wird sein Einkommen geschätzt. Kiel steckt in einer schwierigen Situation. Rückraumstar Aron Palmarsson war im Sommer Christian Zeitz zum ungarischen Topklub Veszprem gefolgt. Nun auch noch Jicha zu verlieren ohne adäquaten Ersatz zu haben, wäre hart und ein Risiko. Einen Spieler zu behalten, der öffentlich gebeten hat, ihn zu verkaufen, könnte auch Probleme bereiten. Trainer Alfred Gislason hatte betont, dass er fest mit Jicha plane. Das war vor dem Interview. "Man muss aber auch Verständnis für uns haben. Wir müssen die Mannschaft und den Klub im Blick haben. Wir haben auch sportliche Ziele", sagte THW-Manager Thorsten Storm.

Ein Wechsel nach Barcelona würde Jicha nicht nur mehr Geld bringen, sondern auch den körperlichen Einsatz um ein hohes Maß verringern. Die Topklubs in Frankreich, Ungarn, Spanien und Polen können locker bei den Summen mithalten, die in Deutschland gezahlt werden. Doch während in der Bundesliga selbst die Spieler des THW Kiel eine Partie beim Tabellenletzten nicht im Vorbeigehen gewinnen können, während die Profis fast zehn Monate unter Dampf stehen, herrschen in den anderen Ligen große Leistungsunterschiede. Dort setzen sich die Spitzenklubs oft auch "mit halber Lunge" souverän durch.

Seit gut einem Jahr quält sich Jicha. Ende September 2014 ließ er sich am Sprunggelenk operieren. Jetzt ist es eine Schambeinentzündung. "Ich muss aber auch sagen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Verletzungen und meinem Willen gibt, mich für die Mannschaft zu opfern. Ich habe schon lange nicht mehr verletzungsfrei gespielt, weil die personelle Situation das erforderte", sagte der Kapitän.

Jicha hofft auf eine schnelle Einigung, auch weil seine Tochter Valeria in einem Monat eingeschult werden soll. Am 3. August ist Saisonauftakt beim FC Barcelona. Am 12. August kommen die Katalanen nach Kiel zum "Hohen Norden" Cup - mit Filip Jicha?

Quelle: RP
 
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