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Handball-Bundestrainer
Geht Sigurdsson nach Japan?

Geht Dagur Sigurdsson nach Japan?
FOTO: dpa, kes kno
Hamburg. Der drohende Abgang von Bundestrainer Dagur Sigurdsson versetzt die Handball-Szene in Aufruhr. Die Spekulationen über die Zukunftspläne des Isländers sind im vollen Gange.

Wohin zieht es Dagur Sigurdsson? Wer könnte ihn als Bundestrainer beerben? Und was wird aus dem deutschen Handball? Angesichts des drohenden Abgangs des Erfolgscoaches ist die Szene in Aufruhr, doch Sigurdsson schweigt. Vieles deutet darauf hin, dass der Isländer nach der bevorstehenden WM wohl ein neues Projekt in Angriff nehmen wird.

Sigurdsson sollen hochkarätige Angebote aus dem Ausland vorliegen. Die Bild-Zeitung berichtete am Donnerstag über ein mögliches Engagement beim schwerreichen französischen Top-Klub Paris St. Germain, wo Sigurdsson rund 600.000 Euro jährlich und damit mehr als doppelt so viel wie beim DHB verdienen könnte. Der Vertrag von Noch-Coach Noka Serdarusic läuft an der Seine nach dieser Saison aus.

Nach SID-Informationen könnte Sigurdssons Zukunft aber auch in Japan liegen. In Fernost suchen sie auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 im heimischen Tokio einen starken Mann an der Seitenlinie, und Sigurdsson gilt seit seiner Zeit (2000 bis 2003) als Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima als glühender Japan-Fan.

Japanischer Trainer hospitierte bei Sigurdsson

Im Herbst vergangenen Jahres hospitierte mit Manabu Todoroki bereits ein Gesandter aus dem Trainerstab der japanischen Männer-Nationalmannschaft, deren großes Ziel ein erfolgreiches Abschneiden 2020 ist, beim DHB und nahm die Arbeit Sigurdssons genau unter die Lupe. "Wir wollen genau wissen, wie er und sein Trainerstab arbeiten", sagte Todoroki seinerzeit. Interessant: Der Kontakt zum DHB kam damals über Sigurdsson zustande, der sich in Japan noch immer größter Bekanntheit erfreut.

Handball-Ikone Heiner Brand lassen die Spekulationen um Sigurdssons Zukunft unterdessen kalt, Sorgen um die Zukunft des Nationalteams macht er sich nicht. "Die Mannschaft wird das verkraften", sagte der Weltmeister-Coach von 2007 dem SID. Das große Ziel Olympiasieg 2020 sieht er keinesfalls in Gefahr. "Ich sehe keinen Grund, die Ziele deswegen zu reduzieren", sagte Brand: "Wir haben eine sehr gute junge Generation, die unabhängig von der Person Sigurdsson weiter ganz vorne im Welthandball mitmischen wird."

Die mögliche freiwillige Demission Sigurdssons kommt für Brand allerdings "sehr überraschend. Es wäre sehr schade, da er sehr gute Arbeit geleistet und sehr gut mit der Mannschaft harmoniert hat", sagte der 64-Jährige. Aber man müsse die Entscheidung akzeptieren, "es bringt jetzt nichts, sich darüber aufzuregen und traurig zu sein". Die personelle Situation im deutschen Handball sei schließlich so gut, wie "wir sie in den letzten 20 Jahren nie hatten".

Sigurdssons Ära als Bundestrainer, in der er die Bad Boys sensationell zum Europameister-Titel und im Sommer zu Olympia-Bronze führte, könnte trotzdem schon bald zu Ende sein. Es zeichnet sich ab, dass der Isländer die Ausstiegsklausel in seinem bis 2020 datierten Vertrag zieht und bis zum 31. Dezember dieses Jahres zum Sommer 2017 kündigt.

Beim Deutschen Handball-Bund (DHB) will man auf alles vorbereitet sein: die Planungen für eine Alternativlösung zu Sigurdsson laufen nach SID-Informationen bereits auf Hochtouren.

(sid)
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