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Handball-Nationalmannschaft
Gute Zukunft auch ohne Sigurdsson

So jubeln die "Bad Boys" über Bronze
So jubeln die "Bad Boys" über Bronze FOTO: dpa, moa
Düsseldorf. Sollte der Isländer im Sommer als Handball-Bundestrainer aufhören, hinterlässt er eine starke Mannschaft mit viel Potenzial. Von Eckhard Czekalla

Dagur Sigurdsson hat als Bundestrainer nur elf von 52 Länderspielen verloren, aber 39 Siege gefeiert. Eine stolze Bilanz. Der Isländer hat in diesem Jahr mit dem Gewinn des EM-Titels und Platz drei bei den Olympischen Spielen in Rio das Interesse am Männerhandball neu geweckt und stark befeuert. Der Olympiasieg 2020 in Tokio war das Fernziel der Arbeit, die am 20. September 2014 mit dem 32:26-Erfolg in Göppingen gegen die Schweiz ihr erstes Ergebnis hatte. Dennoch, daran lassen die jüngsten Äußerungen kaum Zweifel, wird der Erfolgscoach seine am Jahresende auslaufende Option ziehen und sich ab Juli 2017 anders orientieren.

"Es gibt immer Situationen, in denen man einen anderen Weg einschlagen kann, manchmal auch muss", sagte Bob Hanning. Der 48Jährige, in Personalunion Manager des Bundesligisten Füchse Berlin und als Vizepräsident des Deutschen Handball Bundes (DHB) für den Leistungssport zuständig, hatte vor zwei Jahren seinen Klubtrainer "abgegeben". Ein Jahr diente Sigurdsson noch zwei Herren, dann konzentrierte er sich auf den DHB.

Am kommenden Mittwoch beginnt gegen Portugal die EM-Qualifikation. Im Januar wartet mit der WM in Frankreich das nächste große Turnier auf die Mannschaft. Sie hat als eine der im Altersschnitt jüngsten in der Weltspitze eine ausgezeichnete Perspektive. Das liegt auch an der Einführung des Jugendzertifikates, das seit 2008 die Profiklubs erhalten, die Nachwuchsspielern herausragende Rahmenbedingungen schaffen, wie die Ausbildung in Jugendakademien.

Sigurdsson ist in seiner Amtszeit unaufgeregt und konsequent seinen Weg gegangen. Er hat seinen Spielern deutlich gemacht, was er von ihnen erwartet. Dass er erfolgreich war, hat ihm die Arbeit erleichtert, denn nichts überzeugt Sportler mehr als der Erfolg. Zudem hat der Isländer, wie schon in seiner Berliner Zeit, auf junge Spieler gesetzt, sie gefördert und gefordert.

Ob Sigurdsson - wie spekuliert wird - das japanische Team auf die Olympischen Spiele im eigenen Land vorbereitet oder zu einem Topklub wechselt, wo er täglich mit den Spielern arbeiten und dazu erheblich mehr Geld verdienen kann, oder aber er etwas ganz anderes plant - sein Nachfolger (Markus Baur?) kann aus dem Vollen schöpfen.

"Es wäre schade, wenn Sigurdsson aufhört, da er sehr gute Arbeit geleistet und mit der Mannschaft harmoniert hat", sagte Heiner Brand. Der Gummersbacher betreute Anfang des Jahrtausends eine starke Auswahl , die 2007 mit dem Gewinn des WM-Titels im eigenen Land ihr Meisterstück lieferte. "Die Mannschaft wird das verkraften. Wir haben eine sehr gute junge Generation", betonte der 64-Jährige. Daniel Stephan, einer der Brand-Jungs und einstiger Welthandballer, ist es um die Zukunft auch nicht bange. Es wäre ein "großer Verlust, wenn Sigurdsson wechselt", und vermutlich "wird es schwieriger, die gesteckten Ziele zu erreichen".

Allerdings: Als Dagur Sigurdsson anfing, hofften auch nur die kühnsten Optimisten auf diese Erfolgsgeschichte.

Quelle: RP
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