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Gislason und Vranjes keine Option für Bundestrainer-Job

Handball: Alfred Gislason und Ljubomir Vranjes keine Option für Bundestrainer-Job
Kiel-Trainer Alfred Gislason würde von seinem Klub keine Freigabe erhalten. FOTO: dpa, skh fpt hjb kno
Berlin. Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist noch gar nicht weg, da ist die Debatte über seinen möglichen Nachfolger bereits voll entbrannt.

Dagur Sigurdsson ließ sich auch in der gelösten Atmosphäre der großen Bundesliga-Sause nichts zu seiner Zukunft entlocken, doch an den Tischen des Palazzo in Berlin gab es nur ein Thema: den bevorstehenden Abgang des so erfolgreichen Bundestrainers - und seinen möglichen Nachfolger. Zwei prominente Namen muss der Deutsche Handballbund (DHB) wohl von seiner geheimen Liste streichen, bevor das Coach-Casting erst richtig begonnen hat.

Die hoch gehandelten Alfred Gislason (THW Kiel) und Ljubomir Vranjes (SG Flensburg-Handewitt) würden im Falle einer DHB-Anfrage keine Freigabe von ihren Klubs erhalten. "Wenn eine Anfrage kommt, ist ganz klar: Ljubomir bleibt Trainer in Flensburg", sagte Flensburgs Manager Dierk Schmäschke dem SID. Auch Kiels Geschäftsführer Thorsten Storm erteilte Gedankenspielen, wonach Gislason seinen Landsmann nach der WM (11. bis 29. Januar 2017) beerben könnte, eine klare Absage.

"Nein. Alfred ist für uns unterwegs und wird das auch noch lange bleiben", sagte Storm. Es habe zwar noch keine Gespräche gegeben, "aber selbst wenn es die geben würde, wäre die Antwort bekannt".

DHB-Vizepräsident Bob Hanning betonte am Mittwoch, man werde in enger Absprache mit den Bundesliga-Klubs in den kommenden Wochen aus der bestehenden "Longlist" eine "Shortlist" von drei Kandidaten machen. Der Verband nehme sich bei der Suche aber Zeit. "Wir wollen allerspätestens im Juni einen neuen Trainer verpflichtet haben", sagte Hanning dem SID. Sollte Sigurdsson direkt nach der WM gehen, kann sich der DHB-Sportchef bis dahin auch eine "Interimslösung vorstellen".

Weltmeister-Torwart Hennig Fritz machte sich unterdessen für eine deutsche Lösung auf der Trainerbank stark. "Ich bin ein Freund davon, dass eine deutsche Nationalmannschaft mit einem deutschen Trainer aufläuft", sagte Fritz. Konkret nannte der langjährige Bundesliga-Keeper den früheren Spielmacher Markus Baur, zurzeit in Stuttgart unter Vertrag. "Er hat als Trainer viel Erfahrung gesammelt, auch international", sagte Fritz.

Hanning hielt sich bedeckt, Namen kommentierte der starke Mann im deutschen Handball am Mittwoch nicht. Auch bei der Frage, ob er einen deutschen Trainer gegenüber einer ausländischen Fachkraft bevorzugt, ließ er sich nicht in die Karten gucken. "Der Beste wird's, unabhängig seiner Nationalität", sagte der 48-Jährige.

Und so rückt Gudmundur Gudmundsson stärker in den Fokus. Der frühere Bundesliga-Coach der Rhein-Neckar Löwen und Sigurdsson-Landsmann, der Dänemark in Rio überraschend zu Olympia-Gold geführt hatte, hatte erst am Dienstag seinen Abschied beim dänischen Verband für kommenden Sommer angekündigt.

Trainer-Legende Vlado Stenzel geht die Nachfolge-Diskussion derweil viel zu schnell. Der Weltmeistercoach von 1978 rief zum Kampf um Sigurdsson auf. "Ich würde vorschlagen, dass die vom Deutschen Handballbund jetzt nicht den großen Mann spielen, sondern, dass Sie sagen: Bitte, bitte, bitte bleib", sagte "Magier" Stenzel.

Sigurdssons Vertrag beim DHB läuft eigentlich bis 2020, eine Option - zu ziehen bis zum 31. Dezember dieses Jahres - ermöglicht ihm allerdings den vorzeitigen Ausstieg zum 30. Juni 2017. Die Bild-Zeitung hatte am Dienstag berichtet, dass der Isländer sich bereits für ein Engagement in Japan entschieden hat. Noch im November will Sigurdsson für Klarheit sorgen.

Die Nationalspieler lassen die Spekulationen um Sigurdsson kalt. "Das Ziel würde sich auch unter einem neuen Bundestrainer nicht ändern", sagte Keeper Carsten Lichtlein, "egal, wer Bundestrainer wird: Wir werden unseren Stiefel durchziehen."

(sid)
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