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Sport1-Chefredakteur Seemann
"Handball ist die klare Nummer zwei"

Handball bei Sport1 "klare Nummer zwei"
FOTO: SPORT1/Nadine Rupp
An den Fußball reicht der Handball nicht heran, doch für SPORT1 ist er ein Leuchtturm im Angebot. 240.000 sehen im Schnitt die Bundesligaspiele – Chefredakteur Dirc Seemann erwartet eine deutliche Steigerung.

Aber auch Online- und Mobile-Angebote werden immer gefragter und sind fast so wertvoll wie ein erfolgreiches TV-Programm.

Welchen Stellenwert hat der Handball bei SPORT1?

Dirc Seemann Handball  ist in unserem Angebot ein Highlight, ein absoluter Leuchtturm. Das war aber auch schon nach dem EM-Triumph 2004 und vor dem WM-Erfolg 2007 der Fall. Für uns ist das nichts Neues. 

Wie groß ist denn die Resonanz bei den Übertragungen?

Seemann Bei normalen Spielen haben wir im Schnitt um die 240.000  Zuschauer. In der Spitze geht das bei interessanten Partien über 400.000 bis an eine halbe Million heran. Für unseren Sender ist das ein respektables Ergebnis. Das hat zwar nicht die Dimensionen, wie sie die Zweite Liga oder die Europa League im Fußball erreichen (in der Europa League in dieser Saison sind es durchschnittlich 2,06 Millionen Zuschauer/Anm. der Redaktion), aber im Vergleich mit anderen Sportarten  steht der Handball besser da. 

240.000 - stellt die Zahl SPORT 1 zufrieden?

Seemann Es läuft in dieser Saison besser, auch weil sie spannender ist. Handball hat allerdings eine regional sehr unterschiedliche Geschichte. Ich denke, wenn unsere Quote nur für Norddeutschland ausgewiesen würde, stünden wir noch viel besser da. Im Osten und Westen der Republik ist Handball auch noch gut vertreten, aber südlich von Mannheim wird es ja schon  ein bisschen dünn. Doch wir haben in dieser Saison auch viel mehr Spiele, die im Fokus sind. Das führt dazu, dass für uns die Vermarktung spannender wird.

Was bedeutet das?

Seemann Ein für uns sehr interessanter Aspekt ist, dass wir Online und in unserer App viele gute Bewegtbilder haben, die zu Klicks führen.  Mit Clips, die viele verrückte Szenen, tolle Tore und spektakuläre Aktionen zeigen, haben wir das Interesse am Handball verzehnfacht. Das kommt riesig an bei den Leuten  -  und so führen wir ein neues Publikum an die Sportart heran. 

Ist die Nationalmannschaft lukrativer?

Seemann Wichtige Partien wie Qualifikationsspiele oder bedeutende Turniere laufen da tendenziell besser. Um diese Übertragungsrechte bemühen wir uns ja auch. Dabei hatten wir zuletzt nicht immer Glück, aber es muss ja auch passen. Wir setzen den Schwerpunkt im Handball allerdings nicht so sehr auf den Adler, sondern auf die Liga. 

Weshalb?

Seemann Das ist unser Dauergeschäft. Wir sind nun mal ein 24/7-Sportmedium. Da sind  Sonderveranstaltungen zwar klasse, doch sie  helfen uns dann mal zwei Wochen im Programm oder online in der Berichterstattung. Danach wäre  der Fernseher wieder schwarz.

Wie groß ist der Aufwand bei Übertragungen im Vergleich zum Fußball?

Seemann Der Produktionsaufwand ist ähnlich. Das betrifft auch unsere Mannschaft vor Ort. Wie in der Zweiten Fußball-Liga haben wir in der Regel eine Moderatorin, einen Kommentator und einen Experten  - und da haben  wir in  Daniel Stephan und Stefan Kretzschmar zwei Topleute.  

Wie steht es mit den Kosten? Verdient Sport1 mit den Übertragungen Geld, und muss sich die HBL an Kosten beteiligen?

Seemann Wir haben ein Arrangement mit der Liga. Der Lizenzvertrag läuft noch bis Sommer 2017. Wir sind in sehr guten Gesprächen. Wir sind gewillt, die Zusammenarbeit fortlaufen zu lassen, weil es eine sehr erfolgreiche Partnerschaft ist. Wir bewerten nicht: Kostet die Sendung die Summe X und bekommen wir an dem Tag genauso viele Werbeblöcke verkauft? Man muss das im Gesamtzusammenhang sehen. Und da  sind wir im absolut wirtschaftlichen Rahmen gewillt, das für diese Programmfarbe zu investieren.

Wo steht der Handball im Vergleich zu Fußball oder Wintersport?

Seemann Wenn wir die ganze Saison sehen, ist Handball ganz klar die Nummer zwei hinter dem Fußball. Es gibt Sonderevents, etwa die Eishockey- oder Darts-WM. Die sind dann besser aufgestellt.  

Was erwarten Sie noch für die kommenden Monate?

Seemann Im Handball rechnen wir noch einmal mit absoluten  Quoten-Highlights,  und ich denke,  dass ich mich beim bisherigen Saisonverlauf nicht allzu weit aus dem Fenster lehne. Wenn der Titelkampf am 33. und 34. Spieltag  noch spannend ist und Spiele dann zeitgleich stattfinden, wollen wir  eine Konferenz anbieten. Dann können die Handballkrimis, die es dann hoffentlich gibt, bei uns gelebt werden können.  

Sport1 hat auch mal die Champions League im Handball übertragen. Nun ist die Königsklasse nicht mehr im Free-TV zu sehen.

Seemann Ein anderes Haus bemühte sich da maßgeblich. Es war wie immer eine sehr spezielle Abwägung. Das ist der natürliche Weg,  weil auch wir ein privat finanziertes Haus sind,   in dem die Verantwortlichen beim Erwerb von Lizenzrechten nach finanziellen Kosten und Nutzen schauen müssen. Das ist uns in den letzten Jahren  exzellent gelungen,  und wir werden so weiterfahren.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit der HBL?

Seemann Es funktioniert in dieser Saison so reibungslos wie noch nie. Daran sieht man auch die Professionalität der Handballliga, die den Medienpartnern  entgegenkommt. Wie haben jetzt mit dem Mittwochabend und dem Sonntag  klare Sendezeiten und Termine gefunden. Das ist für uns, aber auch für die Liga und deren Klubs, vor allem aber auch für die Fans ein Fortschritt,  weil es für alle die Planungen erleichtert.

War es schwer, dies zu schaffen?

Seemann Der Wechsel der Spieltage war ja nicht allein der Liga geschuldet, sondern zum Teil   auch unser Wunsch. Da gab es in unserem Haus ebenfalls ein Umdenken.

Wie wertvoll kann  der EM-Triumph für die Sportart Handball sein?

Seemann Die Vereine müssen erkennen, dass dies kein Selbstläufer ist. Sie müssen sich geeignete Marketing- und  PR-Maßnahmen einfallen lassen, ihre Helden zu präsentieren. Wir machen das natürlich auch gerne, und es hat ja auch bereits funktioniert. Wir hatten ja schon Nationaltorhüter Andreas Wolff und Bundestrainer Dagur Sigurdsson, der zwar kein Mann der Liga ist, beim Volkswagen Doppelpass. Die Vereine müssen erkennen, dass sie dort vor einem Millionenpublikum Riesenmöglichkeiten haben. Wenn dann auch noch Olympia erfolgreich wird, dann geht  der Schwung nicht automatisch weiter. Dann muss man daran arbeiten - wir genauso wie die HBL mit ihren Vereinen. 

Sind Sie mit Vereinen direkt im Gespräch, unterstützt Sport 1 die Klubs bei ihrer Arbeit?

Seemann Wir sind gerne ansprechbar für die Vereine. Es gibt da aber kein Gremium. Wir sind im regen Austausch, dabei aber hauptsächlich mit der Liga.  

Wie wichtig ist die Figur Kretzschmar für den Erfolg?

Seemann Er hat, glaube ich, eine  besondere Position im Handball im Rahmen seiner Erfahrung. Neben seinem besonderen Auftritt, der auch schon mal in Erinnerung bleibt, weil er eine eigene Marke ist, ist Stefan Kretzschmar immer exzellent informiert. Er hat noch immer ein sehr großes Verständnis vom Handballspiel.

Wie stark ist das Internet  als Konkurrenz, etwa sportdeutschlandtv?

Seemann Gerade im Segment Handball hatte sportdeutschlandtv ja sein absolutes Highlight im Januar mit den Übertragungen von der EM in Polen. Im Alltagsgeschäft des Handballs und in anderen Sportarten ist das jetzt für TV noch keine wirklich spürbare Konkurrenz. Aber es ist ein weiterer Player auf dem Markt, der möglicherweise einmal  auch für Lizenzthemen infrage kommt. Für den Sport kann das  nur wünschenswert sein, wenn sich jemand findet, der bestimmte Sportarten absetzt. Das hat sich dieser Anbieter ja im Rahmen seiner Ausrichtung an den Deutschen Olympischen Sportbund ja auf die Fahne geschrieben. Wir haben im Moment da nicht so viele Überschneidungspunkte. 

Was steht demnächst an? Wie will SPORT1 seinen Platz behaupten oder gar ausbauen?

Seemann Wir bemühen uns natürlich sehr um das Thema Fußball-Bundesliga. Im Rahmen unserer Möglichkeiten und mit unserer Positionierung als Deutschlands führende Multimedia-Sportplattform wollen wir  den Status quo zumindest. Weiter werden wir im Fußball die nationalen Ligen im Fokus haben. In diesem Sommer setzen wir auf den  Motorsport. Wir sind noch in Rechteverhandlungen mit verschiedenen Serien, aber  wir werden versuchen, uns an den Wochenende auch als Home of Racing zu präsentieren. 

Welches sind die großen Herausforderungen?

Seemann Bei uns muss man stets besonders sehen, das Bewegtbild-Inhalte im Netz sehr gut funktionieren. So kaufen wir auch derzeit TV-Rechte ein für andere Veranstaltungen. Es geht immer darum, alles ideal zu verknüpfen. Man kann nicht mehr alleine nur den TV-Aspekt  sehen. Dazu gehört auch ein beachtlicher Online- und Mobile-Auftritt, den wir ja haben. Das ist mittlerweile fast so wertvoll wie ein erfolgreiches TV-Programm. Die perfekte Kombination ist unheimlich wichtig.

Eckhard Czekalla führte das Interview.

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