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Champions League der Handballer
Paris St. Germain – Debütant mit Siegchancen

Köln. Paris St. Germain ist zum ersten Mal beim Final 4 der Handballer in Köln. Dank der Geldspritzen aus Katar ist das Team um Superstar Nikola Karabatic der Favorit auf den Gewinn der Champions League. Kiel bleibt die Außenseiter-Rolle. Von Eckhard Czekalla

Als Ungarns Meister Veszprem als Gegner feststand, gab es mit seinem Kollegen Zsolt Sevinger einen kurzen Händedruck. Anschließend folgten Fotos mit den Repräsentanten der Teams aus Paris und Kielce, die am 28. Mai in Köln den zweiten Teilnehmer am Finale der Champions League im Handball ermitteln. Die Abläufe sind für Thorsten Storm nicht neu. Dennoch war es nicht selbstverständlich, dass der Manager des THW Kiel bei der Auslosung dabei war. "Nicht jeder hat uns hier erwartet. Aber wir haben es verdient", betonte Storm.

Der Bundesligist, durch eine Rekordzahl an Verletzten in eine schwierige Saison gezwungen, schaltete im Viertelfinale sensationell den Titelverteidiger FC Barcelona aus. 29:24 in eigener Halle, 30:33 auswärts - das waren zwei Kraftakte, die wenige den Kielern zugetraut hatte. Eine Leistung, die aber die Qualität und Mentalität der Kieler Profis dokumentierten. "Wir sind hier und werden versuchen, den Pokal zu gewinnen", sagte Storm. Wer Barcelona schlägt, braucht sich nicht vor Veszprem, Paris oder Kielce zu verstecken. Doch Kiel ist nicht der Favorit. Der deutsche Rekordmeister spielt die Rolle des gefährlichen Außenseiters.

Erster Anwärter auf die Trophäe ist die Mannschaft, die erstmals beim seit 2010 in Köln ausgetragenen Final 4 dabei ist: Paris St. Germain. Seit die Qatar Sports Investment Group im Jahr 2012 den Klub kaufte, wollen die Scheichs um Nasser Ganim Al-Khelafi sportliche Erfolge. Im Fußball klappte es ungeachtet von Investitionen von fast 400 Millionen Euro noch nicht. Auch diesmal scheiterte das Team um den schwedischen Superstar Zlatan Ibrahimovic im Viertelfinale der Champions League.

Nun sollen es die Handballer schaffen in einer Sportart, in der Erfolge schneller und billiger zu erreichen sind. Auf 15 Millionen Euro wird der Etat geschätzt. Davon kann man eine Mannschaft mit Weltklassespielern finanzieren, angeführt von den Welthandballern Nikola Karabatic, Daniel Narcisse, Mikkel Hansen und Thierry Omeyer. Wie der FC Barcelona, wo Fußballer, Handballer und Basketballer die europäische Vereinskrone gewonnen haben, wollen auch die Kataris mit Paris St. Germain auf mehreren Bühnen glänzen.

Dafür machten sie im vergangenen Jahr geschätzte zwei Millionen Euro locker, um Superstar Nikola Karabatic aus dem Vertrag in Barcelona herauszukaufen. Trainer Philippe Gardent, der es nicht schaffte, eine Ansammlung von Topspielern zu einer starken Einheit zu formen, wurde durch Noka Serdarusic ersetzt. Der ehemalige Kieler Erfolgscoach, der mit Führungsspieler Karabatic drei seiner nationalen Meisterschaften und den Gewinn der Champions League 2007 feierte, löste die Aufgabe - auch wenn die Krönung in Köln noch aussteht.

Geldgeber wie die Kataris in Paris oder den holländische Unternehmer Bertus Servaas in Kielce hat Kiel nicht. Ebenso fehlt die staatliche Unterstützung wie in Veszprem, wo eine Bank für den Etat geradesteht. "Wir finanzieren uns durchs Handballgeschäft", sagte Manager Storm. Viele Sponsoren decken den Etat, der knapp zehn Millionen Euro beträgt. "Auch unsere 10.000 Dauerkarten-Inhaber gehören dazu", ergänzt Storm. Er verweist stolz darauf, dass auch für die Begegnungen in der Champions League schon 7000 Dauerkarten verkauft sind.

In der neuen Saison geht der Umbruch im Team weiter. Torhüter Andreas Wolff (25) kommt aus Wetzlar, Linksaußen Raul Santos (23) aus Gummersbach. Der in Tunis geborene Nikola Bilyk (19) und Lukas Nilsson (19) verlassen ihre Heimat Österreich und Schweden - alle Nationalspieler. "Es geht nicht immer nur ums Geld. Manche sind auch stolz, für den THW zu spielen, in einer immer ausverkauften Halle und in einer Stadt, die für den Handball lebt. Das interessiert vielleicht auch, wenn man auf seine Karriere zurückblickt, jedenfalls die richtigen Spieler", sagt Storm. Doch er kennt das Problem "Es wird schwer, Spieler zu halten", räumt er ein - wenn Veszprem, Kielce oder Paris locken

Quelle: RP
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