| 14.02 Uhr

"Seltsame Entscheidung"
Viel Kritik an Handball-Verband nach Regenbogenfarben-Verbot

Deutscher Kapitän Steffen Weinhold kritisiert Handball-Verband EHF
DHB-Kapitän Steffen Weinhold. FOTO: dpa, pst hak
Breslau. Wirbel um eine Binde: Schwedens Kapitän Tobias Karlsson wollte bei der Handball-EM eine Armbinde in den Regenbogenfarben tragen. Die EHF hat dies untersagt. Steffen Weinhold findet das merkwürdig.

Schwedens Spielführer Tobias Karlsson darf bei der Handball-EM in Polen seine als Protest gedachte Kapitänsarmbinde in Regenbogenfarben nicht tragen. Wie der schwedische Handballverband mitteilte, hat die Europäische Handball-Föderation (EHF) dies mit Verweis auf die Bekleidungsvorschriften verboten. Danach ist es nicht erlaubt, bunte Armbinden zu tragen.

"Es ist traurig, dass uns die EHF daran hindert, zu zeigen, wie wir zu Offenheit, Mitgefühl und gleichen Werten stehen", wird Karlsson auf der schwedischen Verbandsseite zitiert. Ansonsten nahm der Rekord-Europameister seinen 34 Jahre alte Abwehrchef vor dem EM-Auftakt am Samstag in Breslau gegen Slowenien aber aus der Schusslinie, auf der offiziellen Pressekonferenz durfte Karlsson sich nicht weiter äußern.

Doch komplett schweigen konnte er nicht. "Die EHF versucht sich gegen irgendetwas zu schützen, was für mich kein Problem ist. Ich bin froh, dass Licht auf diese Geschichte kommt, und über die positiven Reaktionen", sagte Karlsson dem SID in der Lobby des Teamhotels und fügte an: "Ich werde immer weiter über das Thema reden. Jetzt mache ich aber erst einmal ein paar Tage Pause und spiele Handball. Unsere Fans werden die Geschichte für mich weiter tragen".

Die EHF stellte klar, dass die Kapitänsbinde zur Spielkleidung gehört und sie farblich dazu passen muss. Sie sollte einfarbig oder in den Landesfarben sein. "Unabhängig von unseren eigenen Ansichten zu diesem und anderen Themen ist die EHF nicht in der Position, solche Statements während der Spiele und Veranstaltungen wie der Euro zuzulassen", erklärte EHF-Präsident Jean Brihault. Er verwies darauf, das die Gleichheit aller Menschen unabhängig von Rasse, Religion oder sexueller Orientierung in den Statuten verankert sind.

Der Abwehrspezialist Karlsson hatte in den letzten fünf Testspielen die bunte Armbinde getragen. Damit wollte er für Toleranz und Offenheit gegenüber Homosexualität werben. Nach Karlssons Vorbild wollten auch der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson und der Norweger Bjarte Myrhol bei der EM mit der Regenbogenbinde auflaufen. "Dass es mehr Menschen gibt, die diese Binde tragen wollten, unterstreicht, dass es eine wichtige Botschaft ist", sagte Karlsson. Er ist Botschafter für die EuroGames, ein schwul-lesbisches Sportgroßereignis, das im vorigen Jahr in Stockholm stattfand.

Der schwedische Handballverband hatte seinen Kapitän bei der Aktion unterstützt. "Die Schwedische Handball Federation hat die Haltung, dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Sexualität oder Religionszugehörigkeit. Wir bemühen uns, offen und einladend für alle zu sein", sagte Delegationsleiter Lasse Tjernberg.

Der deutsche Mannschaftskapitän Steffen Weinhold hatte im Vorfeld Sympathie für die Aktion bekundet und reagierte verständnislos auf die Entscheidung der EHF. "Ich finde das eine etwas seltsame Entscheidung", sagte der Rückraumspieler vom THW Kiel, der in Flensburg mit Karlsson zusammengespielt hatte. Auch der verletzte Nationalspieler Patrick Groetzki kritisierte die EHF via Twitter. "Ist das ein Witz von euch, EHF???", fragte der Rechtsaußen.

Teammanager Oliver Roggisch machte Karlsson trotz des EHF-Verbots Mut: "Tobias hat mit seiner Aktion erreicht, was er erreichen wollte. Ich finde es super, wenn jemand seine Meinung sagt und etwas Positives bewegt. Ob er jetzt die Binde trägt, ist zweitrangig". Auch Polens deutscher Nationaltrainer Michael Biegler stand hinter der Aktion. "Grundsätzlich schätze ich Menschen sehr, die ein klares und offenes Weltbild haben und sich dafür auch einsetzen", sagte Biegler. DHB-Vizepräsident Bob Hanning mahnte zwar an, dass man den Sport nicht missbrauchen dürfe, um Politik zu betreiben: "Aber diese Idee fand ich großartig".

(dpa/sid)
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