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TV-Kritik zum Finale
Die ARD kann Handball

Die TV-Quoten der Spiele des DHB-Teams
Die TV-Quoten der Spiele des DHB-Teams
Düsseldorf. Es wird ja viel herumkritisiert an der ARD. Dass Aufwand und Ertrag gerade bei Sportübertragungen nicht in einem vernünftigem Verhältnis stehen. Dass die Reporter nichts taugen. Dass zur falschen Zeit die falschen Akzente gesetzt haben. Was das erste Programm aber beim Finale der Handball-Europameisterschaft bot, war jeden Gebühren-Euro wert. Von Martin Beils

Die ARD hat im "wichtigsten der wichtigsten Spiele" fast einen so guten Job gemacht, wie Torwart Andreas Wolff, der Urheber dieses Zitats. Gratulation!

Der im Handball wie im Radsport und beim Fußball bewährte Reporter Florian Nass hat den richtigen Ton getroffen: für die vielen Handball-Fachleute, die das Spiel vor den Bildschirmen begleitet haben, wie auch für die Millionen von Laien, die alle Jubeljahre mal reinzappen, wenn Handball läuft. In den Spielen der Vor- und Hauptrunde waren ein paar Mal die Gäule mit ihm durchgegangen. Bei aller gerechtfertigten Begeisterung klang das dann manchmal zu chauvinistisch. Das Endspiel aber begleitete er auf emotionale, aber gleichzeitig auf wohltuend faire Art.

Glücksgriff wäre die falsche Bezeichnung für Stefan Kretzschmar als Experte. Denn man weiß ja, was er kann. Bei Sport1 zeigt er seine Klasse ja Woche für Woche. Analytisch stark, dazu eine spitze Zunge und immer wieder schöne Gesten (der Knicks vor Wolff zum Beispiel) - "Kretzsche" ist längst aus der Rolle des Berufsjugendlichen des deutschen Sports herausgewachsen. Er ist ein ernst zunehmender Experte der Marke Mehmet Scholl. Wenn er nicht so nuscheln würde, wäre ihm eine große Karriere als Sportmoderator beschieden. Etwa so wie sie der frühere Fußballer Gary Lineker in England beschritten hat.

Twitter-Reaktionen: Wolff wird zum Neuer – und der Geißbock steht Kopf!

Das Beste aber, was sie ARD beim Endspiel geboten hat, war das Nachspiel zum Finale in Krakau. Sie ließ die Bilder sprechen. Aus der Kabine. Und von der Platte, wie die Handballer das Spielfeld nennen. Diese Augenblicke brauchten keine Inszenierung, sie sprachen für sich. So macht man Sportübertragungen, wenn etwas wirklich Großes passiert.

Blöd nur, dass das übernächste Handball-Großereignis vermutlich wieder irgendwo im Pay-TV landet. Wie 2015 bei der WM in Katar so haben die Öffentlich-Rechtlichen auch bei der WM im Januar 2017 in Frankreich keine Rechte. Vielleicht lässt sich ja noch irgendetwas machen. Aber zunächst einmal geht der Blick nach Rio de Janeiro. Liebe ARD, mach's bei Olympia im August doch genauso wie jetzt in Polen.

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