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Handball-EM
Hanning: "Wer für Deutschland spielt, ist ein Star"

Handball-EM: Bob Hanning im Interview
Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, glaubt an eine gute EM der deutschen Mannschaft. FOTO: Hans Jazyk (Archiv)
Düsseldorf. Der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes über Einstellung, Niederlagen und die Nationalmannschaft als Visitenkarte. Von Eckhard Czekalla

Am Samstag startet die Männer-Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen den Mitfavoriten Spanien in die EM-Endrunde in Polen. In Kapitän Uwe Gensheimer, Paul Drux, Patrick Wiencek und Patrick Groetzki fehlen vier Spieler, die vor einem Jahr bei der WM in Katar (Platz sieben) wichtige Rollen spielten, nun aber verletzt oder noch nicht fit sind. Für Bob Hanning, seit September 2013 neben seinem Job als Manager des Bundesligisten Füchse Berlin auch Vizepräsident Leistungssport im DHB, ist dies kein Grund zu jammern – im Gegenteil.

Wie viel Spaß macht es, das Produkt Nationalteam anzubieten?

Bob Hanning Mir macht es immer Spaß, wenn man sieht, was die Jungs vorhaben, welche hohe Bereitschaft sie haben, sich weiter zu entwickeln und für den deutschen Handball etwas zu tun. Es macht viel Freude, Teil des Ganzen sein zu können.

Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Polen?

Hanning Dass wir eine gute Visitenkarte in Form von Körpersprache und maximaler Leistungsbereitschaft abgeben. Ich bin mir aber auch bewusst, dass selbst drei gute Leistungen in den Spielen gegen Spanien, Schweden und Slowenien nicht reichen müssen, um in die Zwischenrunde zu kommen.

Gibt es ein Szenario, das sie als enttäuschend bezeichnen würden?

Hanning Ja, wenn wir Gruppenletzter werden würden und keine Leidenschaft an den Tag gelegt hätten. Und wenn wir keine weiteren Erkenntnisse aus dem Turnier ziehen könnten, wer uns in den nächsten Jahren weiterhelfen kann.

Dänemark, Spanien, Frankreich, Kroatien - immer werden die üblichen Verdächtigen genannt, wenn es um Titelaspiranten geht. Kann die deutsche Mannschaft in diesen Kreis vorstoßen?

Hanning Ich glaube, dass wir auf gar keinen Fall weit davon entfernt sind, wenn wir in Bestbesetzung spielen können und alles passt. Die europäische Spitze ist sehr breit. Wir haben ja ein langfristiges Ziel (2020 die führende Handballnation sein/Anm. der Red.). Wir haben 16 Stars dabei. Wer für Deutschland spielt, ist ein Star. Jeder trägt Verantwortung. Es wird sich zeigen, wer wirklich zur Weltspitze taugt.

Ist die EM nur eine große Chance oder auch ein Risiko?

Hanning Eine Chance. Bei uns sind vier Spieler der Stammsechs verletzt. Das ist etwa so, als ob die Fußball-Nationalmannschaft nur mit drei aus der ersten Elf starten würde. Die EM bietet die Chance für einen Johannes Sellin, Tobias Reichmann, Steffen Häffner, Rune Dahmke und und und, sich zu zeigen.

Neben der EM stehen noch die Olympia-Qualifikation, die WM-Playoffs und - vielleicht - die Olympischen Spiele. 2016 - kein normales Jahr für den Handball?

Hanning Nach diesem Jahr dürften wir sehr gut wissen, was uns auf dem Weg zu 2020 noch alles fehlt.

Die Spiele am Wochenende gegen Island zeigten, wie fragil das Gebilde Nationalmannschaft ist. Am Samstag überzeugend, 24 Stunden später enttäuschend. Ist das normal?

Hanning Die Partien haben zwei Dinge gezeigt. Wenn wir mit dieser Mannschaft nicht am Optimum spielen, können wir gegen jede Mannschaft verlieren. Und wir haben im zweiten Spiel nicht alles investiert und uns zum Teil im Abschluss nicht nationalmannschaftsreif verhalten. Das wissen die Spieler auch. Ohne eine hundertprozentige Einstellung sind wir mit dieser Besetzung maximal mittelmäßig. Das ist eine Erkenntnis, und die ist viel wichtiger, als Spiele zu gewinnen.

Von Januar 2012 bis Januar 2015 hat der DHB rund 50.000 Mitglieder verloren. Was kann man tun?

Hanning Einige Zahlen sind bereinigt worden, weil die Landesverbände so genannte Karteileichen entfernt haben. Fakt ist: Sportlicher Erfolg ist zwingend notwendig. Und das Aushängeschild ist das Nationalteam, weil es für einen Verband federführend ist als Visitenkarte. Eine funktionierende Liga gehört dazu. Die haben wir. Alle Landesverbände, DHB und Liga sind eins. Das muss auch so begriffen werden.

Was ist bei der EM möglich?

Hannig Ich habe ein gutes Gefühl. Aber was ich will, ist nicht entscheidend, sondern was die Jungs wollen. Deshalb: Warten wir mal ab.

Wer wird Europameister?

Hanning Auch wenn die Vorbereitung durch Verletzungen holprig war, ist Weltmeister Frankreich der Topfavorit.

Quelle: RP
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