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Handball-EM in Polen
Trainer Sigurdsson ist Deutschlands Trumpf

Das ist Dagur Sigurdsson
Das ist Dagur Sigurdsson FOTO: dpa, arn lof
Hamburg. Dagur Sigurdsson jammert nicht. "Ich sehe keinen Grund, warum wir eine schlechte EM spielen sollten", sagt der Bundestrainer mit Blick auf das bevorstehende Turnier in Polen. Lamentieren gehört nicht zu seinem Repertoire, die Personalsorgen lassen ihn kalt. "Wir sind alle zuversichtlich, was Polen betrifft", so Sigurdsson, der zum großen Hoffnungsträger der deutschen Handballer aufgestiegen ist.

Mit isländischer Akribie und einem ordentlichen Schuss Gelassenheit führte Sigurdsson das deutsche Team in den letzten anderthalb Jahren wieder in die Spur – doch nun steht er bei der EM in Polen vor seiner bislang kniffligsten Mission. Vor einem Millionenpublikum bei ARD und ZDF will das deutsche Team den Aufwärtstrend nach Platz sieben bei der WM vor Jahresfrist in Katar bestätigen.

Der Druck ist da, das spürt Sigurdsson. Trotz vier verletzter Stammkräfte, darunter Stars wie Kapitän Uwe Gensheimer und Youngster Paul Drux, ist die Erwartungshaltung groß. Dabei wäre das Erreichen der Hauptrunde angesichts der ungemein starken Vorrundengruppe C schon ein kleiner Erfolg. Mit dem Auftaktspiel gegen den Mitfavoriten Spanien am Samstag (18.30 Uhr/Live-Ticker), der Partie gegen Rekord-Europameister Schweden (18. Januar, 20.30/Live-Ticker) und Slowenien (20. Januar, 17.15/Live-Ticker) warten richtig dicke Brocken.

Größter Trumpf der deutschen Mannschaft dürfte bei den Spielen in Breslau der Teamgeist werden. Sigurdsson gelang es in der neu formierten DHB-Auswahl im Eiltempo, ein Klima des Vertrauens entstehen zu lassen. Untereinander – und in die eigene Stärke. "Dagur vertraut uns, und deswegen glauben wir an uns", sagte Rückraumspieler Steffen Fäth, einer der Senkrechtstarter unter Sigurdsson. Auch Shootingstar Christian Dissinger macht das "Vertrauen des Trainers" als maßgebliche Ursache des positiven Trends aus.

"Dann kann auch der Tisch kaputt gehen"

Sigurdsson ist der komplette Gegenentwurf zu seinen Vorgängern, strahlt an der Seitenlinie stets Ruhe aus, wirkt distanzierter und ein Stück weit professioneller. Seine unaufgeregte Art kommt bei den Spielern an. "Man sieht, dass er sehr genau und sehr präzise arbeitet. Er gibt uns eine gewisse Ruhe, auch in brenzligen Situationen", sagt Neu-Kapitän Steffen Weinhold. Und Rechtsaußen Tobias Reichmann bestätigt in der ARD: "Er ist schon sehr ruhig. Aber wenn er dann mal auf den Tisch haut, dann kann auch der Tisch kaputt gehen."

Dass Sigurdsson auch anders kann, bewies er bei der Kader-Nominierung im Dezember. Völlig überraschend rasierte er die bisherige Nummer eins Silvio Heinevetter, immerhin sechs Jahre sein Vereinstorwart bei den Füchsen Berlin und prominentestes Gesicht des DHB-Teams, und strich ihn aus seinem vorläufigen EM-Kader. "Keiner ist größer als die Mannschaft", sagte Sigurdsson der ARD: "Manchmal trifft das Leute, die gute Freunde sind und lange bei mir im Team waren."

Im Verband genießt Sigurdsson die volle Rückendeckung. DHB-Vize Bob Hanning stellte ihm kurz vor der EM ein hervorragendes Zeugnis aus und gab ihm eine "glatte Eins. Er hat er ein gutes Klima in der Nationalmannschaft geschaffen, sodass jeder Spieler sehr gerne zum Team kommt", sagte Hanning: "Mit seinen taktischen Varianten, die wir auch schon bei der WM in Katar gesehen haben, hat er der Mannschaft wieder neues Leben eingehaucht und ihr auch das nötige Selbstbewusstsein eingeimpft, um wieder sportlichen Erfolg zu haben."

Auch Weltmeister-Trainer Heiner Brand bescheinigte Sigurdsson "eine sehr gute Arbeit" und nannte ihn schon in seiner Füchse-Zeit ein leuchtendes Vorbild. "Dagur Sigurdsson hat Spieler wie Paul Drux und Fabian Wiede ins kalte Wasser geworfen", sagte Brand den "Stuttgarter Nachrichten": "Dazu gehört Mut und eine gewisse Philosophie."

(sid)
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