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EM-Qualifikation
Schweizer Handballer ärgern DHB-Team

Deutschland siegt mit Mühe in der Schweiz
Deutschland siegt mit Mühe in der Schweiz FOTO: dpa, el sbi sam
Zürich/Düsseldorf. Gegen den Außenseiter tut sich der Europameister in Zürich schwer. Am Ende reicht es zum 23:22-Erfolg – dem zweiten Sieg im zweiten EM-Qualifikationsspiel. Die Hoffnungen, dass Bundestrainer Sigurdsson bleibt, schwinden. Von Eckhard Czekalla

Dagur Sigurdsson hielt lange an Torhüter Andreas Wolff fest. Nach 47 Minuten wechselte er Silvio Heinevetter ein. Der Berliner kassierte direkt den Treffer zum 19:20. Es war die erste Führung des Außenseiters Schweiz, der in Zürich die Profis des Handball-Europameisters Deutschland ärgerte, und das vor der größten Kulisse (10.040 Zuschauer) bei einem Länderspiel seit Verbandsgründung im Jahr 1974. Als Lukas Maros fünf Sekunden vor Spielende den Ball knapp neben das deutsche Tor warf und den möglichen Ausgleich zum 23:23 verpasste, war die Erleichterung bei den Gästen groß.

"In diesem Spiel hat jeder gemerkt, dass wir in diesem Jahr durch den Titelgewinn bei der EM und Platz drei bei den Olympischen Spielen mehr Selbstvertrauen haben. Wir haben es einfach durchgezogen, auch wenn es spielerisch nicht so toll war", lautete Wolffs treffende Analyse. Von der Leichtigkeit, mit der die deutsche Auswahl drei Tage zuvor in Wetzlar gegen Portugal den Auftakt der EM-Qualifikation mit 35:24 gewonnen hatte, war nichts zu sehen. Die Schweizer verstanden es, das vom Gegner angestrebte schnelle Spiel zu unterbinden. Fast jeder Angriff war Schwerarbeit gegen intensiv zupackende Schweizer, deren Torhüter Nikola Portner eine starke Partie lieferte. "Am Ende war es purer Kampf. So richtig mit System haben wir da nicht mehr gespielt", sagte Rechtsaußen Tobias Reichmann.

Das 29. war eines der schwächeren Länderspiele in diesem Jahr, aber der 22. Erfolg (bei sieben Niederlagen) zeigte, wie abgezockt und nervenstark die Spieler in den gut zwei Jahren unter Bundestrainer Dagur Sigurdsson geworden sind. Er hat Erfolg, er trifft in den Spielen oft genug die richtigen Entscheidungen. Eine seiner nächsten könnte die Zukunft des Deutschen Handballbundes (DHB) betreffen. Der Isländer wird bis Monatsende mitteilen, ob er die Ausstiegsklausel zieht und im Sommer den eigentlich bis nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio datierten Vertrag beendet.

"Er leistet sehr gute Arbeit. Er kann sehr gut mit der Mannschaft. Wenn er gehen sollte, werden wir ihn vermissen, aber trotzdem in der Weltspitze verbleiben", sagte Torhüter Wolff. Bob Hanning, DHB-Vizepräsident und Manager des Bundesligisten Berlin, hatte Sigurdsson als Bundestrainer durchgesetzt. Er ist skeptisch, dass der Isländer, den er vor sieben Jahren nach Berlin holte, weitermachen wird. "Jeder Wechsel bietet auch Chancen", sagt der Essener, der von Sigurdssons Gedankenspielen schon länger weiß und eine Liste möglicher Nachfolger angefertigt hat. Von den 15 Namen sollen am Ende drei übrig bleiben. Nach intensiven Gesprächen mit Verbands- und Bundesliga-Vertretern will er dann entscheiden - falls Sigurdsson ihn dazu zwingt.

In Zürich schienen die Deutschen beim 8:4 auf einem guten Weg. Als dann Bundesligaprofi Andy Schmid, vier Tage zuvor beim 27:32 in Slowenien wegen eines viralen Infekts nicht dabei, eingewechselt wurde, gewann das Spiel der Gastgeber an Qualität. "Es war nicht leicht, die Schweiz zu bremsen", lobte Sigurdsson den Gegner, dem er eine gute Zukunft voraussagte. Seine Jungs wird der 43-Jährige Ende Dezember versammeln, wenn die Vorbereitung auf die WM vom 11. bis 29. Januar in Frankreich beginnt. Vielleicht ist das Turnier Sigurdssons Abschied als DHB-Coach.

Quelle: RP
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