| 18.44 Uhr

Handball
Hamburgs Finanzkrise schadet der ganzen Liga

Fragen und Antworten zum Insolvenzantrag des HSV Hamburg
Fragen und Antworten zum Insolvenzantrag des HSV Hamburg
Die Bundesliga ist sauer auf den HSV Hamburg: Nach dem Insolvenzantrag der Hanseaten wird ein Schaden für den gesamten deutschen Handball befürchtet.

Liga in Aufruhr, Stars auf der Flucht und Verwirrung um eine Millionen-Zusage: Der Pflegefall HSV Hamburg hält den deutschen Handball weiter in Atem. Nach dem Bußgang zum Amtsgericht mit Antrag auf ein Insolvenzeröffnungsverfahren (Aktenzeichen 67b IN 340/15) wundert sich Liga-Boss Frank Bohmann über "Managementfehler" und die "unsortierte Lage" in Hamburg. Die eskalierende Finanzkrise sei "nicht gut für den HSV, nicht gut für die Liga und nicht gut für den deutschen Handball", sagte Bohmann dem SID.

Bei der Hamburger Konkurrenz ist man sauer, dass die Finanzkrise an der Elbe dermaßen eskaliert ist und befürchtet einen nachhaltigen Imageschaden. "Für die Liga ist das echt eine bescheidene Situation", sagte Thorsten Storm, Geschäftsführer beim Rekordmeister THW Kiel. Auf dem Spielfeld in Hamburg habe sich "einiges getan, im Umfeld leider sehr wenig."

Sein Kollege Dierk Schmäschke von der SG Flensburg-Handewitt sprach von einem "weiteren Warnschuss. Da ist natürlich ein Schaden entstanden." Und Weltmeister-Trainer Heiner Brand sagte Sky Sport News HD: "Das ist für die Bundesliga natürlich kein Ruhmesblatt, und es bringt immer wieder Unruhe rein."

Kampf ums Überleben

Derweil kämpfen die Hamburger, immerhin Deutscher Meister 2011 und Champions-League-Sieger 2013, weiter um ihr wirtschaftliches Überleben. Die Austragung der nächsten beiden Heimspiele am Sonntag gegen den SC Magdeburg (15 Uhr) und eine Woche später gegen Frisch Auf Göppingen ist laut des bestellten Insolvenzverwalters Gideon Böhm nicht gefährdet. Wie es dann nach einem prüfenden Blick in die Bücher weiter geht, ist ungewiss. Bei einer Insolvenz drohen dem HSV bis zu zwölf Punkte Abzug, tritt die Mannschaft dreimal nicht an, muss der Spielbetrieb eingestellt werden, und der HSV stünde als Absteiger fest.

Ein Horror-Szenario, das unbedingt verhindert werden soll. Bohmann erwartet, dass der HSV die vor der Saison abgegebene Patronatserklärung (zwischen zwei und drei Millionen Euro) des Ex-Präsidenten Andreas Rudolph einfordert. "Ich weiß nicht, warum das noch nicht passiert ist", sagte Bohmann und verlangt Aufklärung aus Hamburg. Offenbar wehrt sich Rudolph juristisch gegen die Auszahlung. Neben dieser "Reserve" setzt Liga-Geschäftsführer Bohmann große Hoffnungen in Insolvenzverwalter Böhm, der nicht nur "das Feuer löschen", sondern ein "nachhaltiges Konzept" zur Gesundung des Klubs erarbeiten soll.

Labbadia wünscht sich eine Rettung

Bruno Labbadia wünscht sich eine Rettung in letzter Sekunde. "Die Handballer gehören zu Hamburg. Ich hoffe, dass sie es einigermaßen hinbekommen", sagte der Trainer der HSV-Fußballer: "Für alle Beteiligten ist es sehr traurig." Labbadia sieht in den Handballern "ein mahnendes Beispiel" für die ebenfalls finanziell angeschlagenen Fußballer.

Angesichts der prekären Lage beim HSV und zweier ausstehender Monatsgehälter planen einige Spieler bereits ihren Abschied aus Hamburg. "Da werden sicherlich schon die ersten Gespräche geführt werden. Da kann man den Spielern auch keinen Vorwurf machen", sagte Brand. So steht Rückraum-Ass Adrian Pfahl unmittelbar vor einem Wechsel nach Göppingen. Zudem sollen die Füchse Berlin an Torwart Jens Vortmann und Linksaußen Hans Lindberg interessiert sein. Der Weihnachtsschlussverkauf beim HSV Hamburg hat begonnen.

(old/sid)
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