| 08.21 Uhr

Handball
Die Liga berät "Fall Hamburg" am Mittwoch

HSV Hamburg: Von der Meisterschaft zur Insolvenz
HSV Hamburg: Von der Meisterschaft zur Insolvenz
Düsseldorf. Bis Ende des Monats gibt sich Gideon Böhm Zeit. Doch der Jurist verbreitet keine große Zuversicht. "Ich gehe davon aus, dass ich das in Kürze tun muss", sagte der Insolvenzverwalter auf die Frage, ob er den Handball-Erstligisten HSV Hamburg vom Spielbetrieb abmelden muss.

Am kommenden Mittwoch trifft sich die Lizenzierungskommission der Bundesliga (HBL). Ihre Mitglieder hatten die Unterlagen des HSV vor der Saison für gut befunden. Allerdings wussten sie nicht, dass die geforderte Sicherheitserklärung über 2,5 Millionen Euro von Mäzen Andreas Rudolph hinterlegt war, der Unternehmer aber mit einer am selben Tag ausgestellten Zusatzvereinbarung diese massiv eingeschränkt hatte. Ob Rudolphs Einstellung, nicht zahlen zu müssen, richtig ist, wird wohl vor Gericht geklärt. Zu spät für den Klub, der eine Lücke von zwei Millionen Euro für diese Saison sehr schnell schließen muss.

Das Wort "Betrug" macht die Runde. Sollte die HBL den Hamburgern die Lizenz entziehen, würden sie am Saisonende in die Dritte Liga zurückgestuft. Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden acht Punkte abgezogen. Weitere vier kommen hinzu, weil die Verbindlichkeiten in den vergangenen drei Jahren nicht abgebaut wurden. Mit 29:11 Punkten und Platz vier steht der HSV unerwartet gut da. Trotz des Punkte-Abzugs scheint der Klassenerhalt möglich.

Doch die Frage ist: Mit welchen Spielern? Zwei Monate lang haben sie wie andere Angestellte des Klubs kein Geld bekommen, haben Gehaltskürzungen zugestimmt. Dennoch betragen die Kosten für die Profis zuletzt noch rund 300.000 Euro pro Monat. Die Arena hat angeblich angeboten, die Hallenmiete von bis zu 56.000 auf 12.000 Euro pro Spiel zu reduzieren - doch ohne neue Geldquellen läuft nichts. Hamburgs U23-Auswahl steht als souveräner Spitzenreiter der Oberliga auf dem Sprung in die Dritte Liga. Aus ihr Spieler hochzuziehen, ist ein Plan. Ob er sportlich Sinn macht, ist eine andere Sache.

Bis zum 15. Februar können die Profis ohne Ablöse wechseln. Adrian Pfahl (Göppingen), Ilija Brozovic (Kiel) und Torhüter Jens Vortmann (Leipzig) sind schon weg. Die Zukunft von Pascal Hens, Johannes Bitter, Hans Lindberg und Co. ist ungewiss. "Ich bin stinksauer, enttäuscht, traurig, fassungslos", schrieb der Däne, der derzeit bei der EM aktiv ist, bei "Twitter".

Zieht Hamburg seine Mannschaft zurück, werden alle Ergebnisse gestrichen. Am 10. Februar steht das erste Auswärtsspiel in diesem Jahr an. Die Halle in Flensburg ist mit 6300 Fans ausverkauft. Fällt die Partie aus, fehlen einkalkulierte Einnahmen. Kein Wunder, dass die anderen Klubs nicht gerade gut auf den HSV zu sprechen sind.

(cze)
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