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Handball
Terminchaos - Löwen müssen zwei Spiele gleichzeitig bestreiten

Handball: Rhein-Neckar Löwen müssen Champions League abschenken
Nikolaj Jacobsen, Trainer der Rhein-Neckar Löwen. FOTO: dpa, ua
Mannheim. Durch den eskalierten Terminstreit zwischen Bundesliga und Champions League müssen die Rhein-Neckar Löwen am Samstag zwei Spiele fast gleichzeitig bestreiten. Das Achtelfinale der Königsklasse haben sie bereits abgeschenkt, der Fokus liegt auf der Liga. 

Das Handy von Andre Bechthold steht dieser Tage kaum noch still. Schließlich ist der Trainer der zweiten Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen seit der Eskalation im Terminstreit um die Champions League plötzlich ein gefragter Mann. Während die Profis am Samstag (18.10 Uhr/ARD) im Bundesliga-Spitzenspiel beim THW Kiel ihre "Mission Titelverteidigung" fortsetzen, muss die von Bechthold und Michel Abt betreute Reserve im Achtelfinale der Königsklasse fast zeitgleich beim polnischen Serienmeister KS Vive Kielce antreten - ein Himmelfahrtskommando.

Die Aussicht, mit seiner Drittliga-Auswahl auf dem größtmöglichen internationalen Parkett anzutreten, habe er "zunächst für einen Scherz gehalten", erzählte Ex-Profi Bechthold zuletzt. Doch weil beim deutschen Meister aus Mannheim das Liga-Topspiel inklusive Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Priorität besitzt, wurde aus dem vermeintlichen Spaß schnell bitterer Ernst. Die Zahl der Anrufe und Nachrichten in den vergangenen Tagen und Wochen sei daraufhin "extrem gestiegen", berichtet Bechthold.

Während die Verantwortlichen und Spieler der ersten Mannschaft sich ganz auf das Gastspiel in Kiel konzentrieren, steht nämlich nun auch die Zweitvertretung im Fokus. "Für unsere Spieler freuen wir uns", gibt Bechthold deshalb zu: "Auf der anderen Seite ist es aber eine Katastrophe für unsere erste Mannschaft." Sein Trainer-Kollege Abt kündigte an, man werde ganz getreu dem Vereinsnamen "kämpfen wie die Löwen, damit wir uns am Ende als Team nichts vorzuwerfen haben".

Erwartet wird von der Mischung aus A-Jugendlichen und weiteren Nachwuchsspielern allerdings nichts. Auch intern gilt eine Niederlage mit rund 20 Toren Unterschied als einkalkuliert, das Rückspiel am Ostersonntag (1. April) verkommt damit zu einer Farce. Die Champions League, eigentlich doch der prestigeträchtigste Klub-Wettbewerb, wird vom vermeintlich aussichtsreichsten deutschen Kandidaten also aufgrund von Verbandsstreitigkeiten einfach abgeschenkt.

Die Löwen mussten die Champions League abschenken

Der Image-Schaden für den gesamten Sport ist gewaltig. "Für den Handball ist das eine Katastrophe", sagte Löwen-Sportchef Oliver Roggisch der Welt: "Wir mussten uns entscheiden: Was ist realistischer - wieder Meister zu werden oder die Champions League zu gewinnen?"

Also konzentrieren sich die Löwen auf die Bundesliga, wo sie als Tabellenführer auf bestem Weg zum dritten Titelgewinn in Serie sind. Nach zuletzt elf Siegen hat die Mannschaft von Nikolaj Jacobsen trotz eines Spiels weniger derzeit zwei Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierte SG Flensburg-Handewitt. Die Norddeutschen treten am Samstag (18.00 Uhr) zum Champions-League-Achtelfinale bei den Schweden von IFK Kristianstad an.

Rekordmeister Kiel hatte im Vorfeld einem Termintausch zugestimmt - und ist damit gut gefahren. Die Kieler gewann das Achtelfinal-Hinspiel gegen das ungarische Spitzenteam Pick Szeged mit 29:22 (14:14) und erarbeiteten sich eine gute Ausgangsposition für das zweite Duell am 1. April (17.00 Uhr) in Szeged.

Der unrühmliche Doppelspieltag der Löwen ist das Ergebnis einer peinlichen Posse im Streit zwischen der Handball-Bundesliga (HBL) und der Europäischen Handball-Föderation (EHF). Die HBL hatte das Spiel ohne Rücksicht auf die Champions League angesetzt, auch weil sie sich durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote verspricht. Mehrere Kompromissversuche scheiterten, das Ergebnis kennt eigentlich nur Verlierer. Und das bevor beide Partien überhaupt angepfiffen sind.

(sid)
 
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