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Schwerer Vorwurf
Sexuelle Diskriminierung bei Handball-WM?

Fotos: Deutschland feiert Kantersieg gegen Südkorea
Fotos: Deutschland feiert Kantersieg gegen Südkorea FOTO: afp, jnk ej
Die ehemalige deutsche Schiedsrichterin Jutta Ehrmann-Wolf erhebt den Vorwurf der Diskriminierung bei der Handball-WM der Frauen. Nach ihrer Aussage ist sie wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht als Delegierte nominiert worden.

Die ehemalige deutsche Schiedsrichterin Jutta Ehrmann-Wolf wirft der Internationalen Handball-Föderation (IHF) sexuelle Diskriminierung vor. Sie sei aufgrund ihrer Homosexualität nicht als Delegierte für die gerade abgeschlossene Handball-WM der Frauen in Dänemark nominiert worden, sagte sie.

Sie habe einen Hinweis erhalten, dass der Grund für ihre Nicht-Berücksichtigung in ihrem privaten Umfeld liege. "Ich war dann ziemlich geschockt und habe gedacht, es kann ja nicht der Ernst sein, dass mich im Jahr 2015 meine sexuelle Orientierung daran hindert, diese Tätigkeit zu machen", sagte die 52-Jährige am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Zuvor hatte der dänische Fernsehsender TV3 auf seiner Internetseite über den Fall berichtet. Jutta Ehrmann-Wolf ist seit 2008 mit Trainerin Renate Wolf vom Bundesligisten Bayer Leverkusen verheiratet. Als Schiedsrichterin bildete sie mit Susanne Künzig ein Gespann und leitete unter anderem 115 Spiele für die Europäische Handball-Föderation (EHF) und die Internationale Handball-Föderation (IHF).

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"Ich kann nur sagen, dass sie nicht nominiert worden ist. Offiziell gibt es dafür keinerlei Begründung", sagte Manfred Prause, Chef der IHF-Regel- und Schiedsrichterkommission, der dpa. Sein Gremium habe gemeinsam mit der Wettbewerbskommission lediglich ein Vorschlagsrecht. Die Entscheidung über die Delegierten trifft nach Aussage von Prause die IHF-Exekutive. Für eine Stellungnahme war zunächst keiner der IHF-Entscheider am Montag zu erreichen.

Jutta Ehrmann-Wolf erklärte, ein hoher Verbandsfunktionär habe ihr die Ablehnung wegen ihrer sexuellen Orientierung bestätigt. "Man hätte eben konservative Leute, und vor allem auch der Präsident hätte damit ein Problem. Das wäre zwar nicht gut, aber das wären eben die Fakten", gab sie den Gesprächsinhalt wieder.

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Aus dem gleichen Grund wie sie sei auch die Spanierin Carmen Manchado als Delegierte abgelehnt worden. "Wir sind beide verheiratet, leben in geordneten Verhältnissen, aber wir sind nun mal mit dem gleichen Geschlecht verheiratet", sagte Ehrmann-Wolf und fügte an: "Es geht um das Generelle, dass wir eindeutig diskriminiert werden. Das geht gegen die Grundsätze, die Olympia und der Sport generell vorgeben."

(dpa)
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