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HC Elbflorenz
Zweitliga-Aufsteiger mischt die Handball-Szene auf

HC Elbflorenz 2006: Zweitliga-Aufsteiger mischt die Handball-Szene auf
Die Spieler des HC Elbflorenz feiern im April 2017 den Aufstieg. FOTO: dpa, dna
Dresden. Der HC Elbflorenz 2006 ist derzeit das wohl außergewöhnlichste Projekt im deutschen Handball. Nach ihrem Durchmarsch in die 2. Liga wollen die Dresdner schon bald die Konkurrenz aus Berlin, Magdeburg und Leipzig das Fürchten lehren.

Aufmüpfig, angriffslustig, anders: Der HC Elbflorenz 2006 mischt die Handball-Szene auf. Unterstützt von einem zahlungskräftigen Mäzen kamen die Dresdner aus dem Nichts und erfüllten sich nach gerade einmal elf Jahren Vereinsgeschichte den Traum vom Profi-Handball. Die Macher sind von ihrem Projekt überzeugt - auch wenn dem Zweitliga-Aufsteiger am Sonntagabend neun Sekunden für die ganz große Premieren-Party fehlten.

Aber das 27:27 gegen den Wilhelmshavener HV in der nagelneuen BallsportArena im Herzen der Elbmetropole darf trotz des späten Ausgleichs als Erfolg für das "Projekt Profi-Handball" gewertet werden. "Es waren mehr als 1500 Leute da, das ist für Dresden ein Meilenstein. Und die Zuschauer haben jetzt hoffentlich Appetit auf mehr", sagte Trainer Christian Pöhler.

Das "mehr" ist in Dresden klar definiert: Die 2. Liga soll für den Klub, der in seinen Grundzügen an das Fußball-Projekt von RB Leipzig erinnert, nur eine Durchgangsstation sein. Mittelfristig will Elbflorenz zur festen Größe werden und im Osten die Konkurrenz aus Berlin, Magdeburg und Leipzig das Fürchten lehren. In der Vergangenheit ging Dresden als Handball-Standort neben den prominenten Lokalrivalen unter. Die Konkurrenten waren Topadressen mit jahrelanger Tradition. Zudem drehte sich alles um die Fußballer von Dynamo.

Auch Uwe Saegling war eingefleischter Fußball-Fan - bis er das erste Elbflorenz-Heimspiel in der Oberliga miterlebte. Der frühere Weltklasse-Ruderer, der Anfang der 90er Jahre ein Unternehmen für Medizintechnik in Dresden gründete, war sofort infiziert vom Handball-Virus und wurde zum starken Mann im Klub.

2008 stieg der 51-Jährige beim HC Elbflorenz in der fünften Liga ein. Die Marschroute war klar: Bundesliga. Wie am Reißbrett wurde Dresdens Handball-Zukunft geplant. Als dieser Plan mit zwei knapp verpassten Aufstiegen zu scheitern drohte, holte Saegling Coach Pöhler ins Boot.

Unter dem neuen Trainer gelang im dritten Anlauf der Sprung ins Profi-Geschäft. Doch auch die 2. Liga soll perspektivisch nur Durchgangsstation sein, auch wenn die Verantwortlichen das nach außen nicht so offensiv kommunizieren. "Das Ziel kann nur Klassenerhalt heißen, alles andere wäre vermessen", sagte Saegling.

Der Präsident lässt lieber Taten sprechen. Für die erste Zweitliga-Saison stockte er den Etat auf 1,4 Millionen Euro auf. Damit liegt der Aufsteiger im Mittelfeld der Liga. Mit namhaften Neuzugängen wie Torhüter Mario Huhnstock vom Bundesligisten HC Erlangen und dem tschechischen Nationalspieler Roman Becvar aus Leipzig soll die Zeit der Akklimatisierung auf neuem Terrain möglichst kurz gehalten werden.

Saeglings beeindruckendster Fingerzeig für Dresdens Handballzukunft steht allerdings mitten in der Stadt: Die hochmoderne Arena, die mit dem Heimspiel gegen Wilhelmshaven ihre Feuertaufe erlebte. LED-Lampen unter einem Plexiglasboden lassen per Knopfdruck die Spielfelder im Handball, Basketball oder Volleyball aufleuchten - eine Weltneuheit.

Und so spricht nicht bloß HCE-Trainer Pöhler von einem "Ballsport-Tempel", der - natürlich - die Bundesliga-Standards übererfüllt. Die 15 Millionen Euro Baukosten? Die übernahm Saegling selbst. Für den großen Traum. Für die 1. Liga.

(sid)
 
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