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Neustart in der dritten Liga
Hamburgs neue Handball-Liebe

HSV Hamburg: Von der Meisterschaft zur Insolvenz
HSV Hamburg: Von der Meisterschaft zur Insolvenz
Düsseldorf. Im Januar musste der HSV Handball Insolvenz anmelden und zog seine Mannschaft aus der Bundesliga ab. In der dritten Liga startet der neue Anlauf. Der Zuspruch ist groß, die Erwartungen sind es auch. Von Eckhard Czekalla

Am 30. August kommt der THW Kiel wieder nach Hamburg. Ein Handball-Duell, das viele Jahre die Fans begeisterte. Auch diesmal werden sich viele auf das Spiel freuen, das aber nicht mehr in der 12.000 Zuschauer fassenden Arena stattfindet. Denn der Eindruck täuscht. Es ist ein Spiel unter neuen Vorzeichen. Während der Rekordmeister am 4. September beim TVB Stuttgart in die Bundesliga-Saison startet, kämpfen die Hamburger zwei Tage zuvor bei der DHK Flensborg um die ersten Punkte in der dritten Liga. Zum ersten Heimspiel kommt der SC Magdeburg, allerdings die zweite Mannschaft.

Abgekürzt ist der Handball Sport Verein Hamburg noch immer der HSV, doch damit endet die Gemeinsamkeit mit dem Verein, der 2002 in die Hansestadt verpflanzt worden war. Die Lizenz war vom damaligen Zweitligisten Bad Schwartau abgekauft worden. Unternehmer Andreas Rudolph, bis zum unrühmlichen Ende des Klubs der starke Mann beim HSV, pumpte angeblich bis zu 30 Millionen Euro in die Mannschaft. Deutscher Meister 2011 und Champions-League-Sieger 2013 - das waren die Höhepunkte. Die gerade noch abgewendete Lizenzverweigerung 2014 und die Abmeldung der Bundesliga-Mannschaft am 26. Januar 2016, gut einen Monat nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens, die Tiefschläge.

"Der Handball Sport Verein Hamburg hat sich neu aufgestellt und ein ebenso starkes wie ambitioniertes Konzept vorgestellt, das uns gleich überzeugt hat", sagte Jens Binek. Er ist Geschäftsführer des Sportartikelherstellers hummel. Die dänische Firma wird in den kommenden fünf Jahren alle Mannschaften des Vereins mit Trainingssachen und Freizeitequipment ausstatten. Die 15 Punktspiele in der Sporthalle Hamburg (4600 Plätze) überträgt der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gegründete Online-Sportsender Sportdeutschland.TV im Internet.

Nur ein Profi ist Hamburg auch in der harten Zeit treu geblieben. Stefan Schröder hat in der Schlussphase der Saison schon in der Regionalliga-Mannschaft ausgeholfen, die den Aufstieg schaffte. Der Rechtsaußen ist auch das Gesicht des Teams, das um fünf Talente aus der A-Jugend, die in der Bundesliga spielt, und fünf erfahrene Spieler erweitert wurde.

Die Stars stehen nicht auf dem Spielfeld. Martin Schwalb, jahrelang Coach des HSV, ist im Vorstand für Sport und Kommunikation zuständig. Torsten Jansen, beim WM-Triumph 2007 der effektivste Spieler, ist nach einem Jahr in Kiel zurückgekehrt. Der ehemalige Linksaußen, der wegen einer Verletzung beim Rekordmeister kaum spielte, betreut die A-Junioren und unterstützt Cheftrainer Jens Häusler. Schwalb spricht gerne von seinem "Baby. Wie groß es wird und was wir eines Tages von ihm erwarten dürfen, wird sich zeigen".

Auch optisch starten die Handballer einen Neuanfang. Nach Ende der Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Fußballern besteht das Logo aus dem zur Hälfte blau eingefärbten Hamburg-Wappen und einem Handball davor. "Es soll für die Verbundenheit zur Stadt, aber auch für Substanz und Verlässlichkeit stehen", sagte der Textilunternehmer und neue Klubchef Marc Dieter Evermann.

Nur ausgeben, was auch eingenommen wird, lautet die lobenswerte, für verantwortungsvolle Funktionäre eigentlich aber selbstverständliche Devise. Über 1500 Dauerkarten wurden bereits verkauft. Für Schlagzeilen will man auch sorgen - diesmal allerdings für positive. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kehren die Handballer in die Arena zurück. Zum Rückrunden-Auftakt gegen Flensborg soll der Zweitligarekord (bislang knapp 4000 Besucher) gebrochen werden.

Am vergangenen Sonntag testete der neue HSV Handball gegen einen alten Bekannten aus Bundesligazeiten. Gegen MT Melsungen verkauften sich die Gastgeber recht gut. 2747 Zuschauer waren bei der 32:37-Niederlage in der Halle. Eine ermutigende Zahl. "Wir werden uns keinen Tabellenplatz zum Ziel setzen", betont Martin Schwalb, "allerdings wollen wir den maximalen Erfolg. Jeder in der Halle soll merken, dass wir ein Verein sind, der sich weiterentwickeln will." Zum Etat werden keine Angaben gemacht. Doch was zuletzt ein Topstar verdiente, dürfte nun zur Finanzierung der Saison reichen.

Quelle: RP
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