| 20.19 Uhr

Rhein-Neckar Löwen verteidigen Titel
Und plötzlich ist man Meister

Bierdusche für Löwen-Trainer Jacobsen
Bierdusche für Löwen-Trainer Jacobsen FOTO: dpa, ua
Düsseldorf. Die Rhein-Neckar Löwen haben sich mit einer Gala-Vorstellung gegen Rekordmeister THW Kiel zum zweiten Mal die Meisterschaft in der Handball-Bundesliga gesichert.  Von Eckhard Czekalla

Etliche Fans des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen müssen den kommenden Mittwochabend anders gestalten. Sie werden dies gerne tun. Eigentlich wollten sie das letzte Auswärtsspiel in dieser Saison gegen Wetzlar beim Public Viewing in der Mannheimer Arena erleben, doch nun zeigt der TV-Sender Sport 1 lieber eine Partie aus dem Abstiegskampf.

Die gekauften Tickets werden die Fans mit Freude zurückgeben, denn seit zwei Tagen steht die Mannschaft von Trainer Nicolaj Jacobsen als alter und neuer Deutscher Meister fest. "Andere Mannschaften wurden höher gehandelt. Aber wir haben den Titel", sagte der Däne voller Stolz. Innerhalb von vier Tagen hatten seine Spieler die Meisterschaft perfekt gemacht – erst mit dem 23:21 beim ärgsten Verfolger Flensburg-Handewitt, dann in eigener Halle mit dem 28:19 (11:10) gegen den in der zweiten Halbzeit chancenlosen THW Kiel.

Fotos: Löwen schlagen Kiel und sind Meister FOTO: dpa, ua fpt

"Wir sind nicht richtig darauf vorbereitet", sagte Spielgestalter Andy Schmid während der Spontanparty. Gejubelt wurde in der Halle bereits, nachdem auf dem Videowürfel die letzten zwei Minuten der fast zwei Stunden früher angepfiffenen Partie gezeigt wurden, in denen Göppingen mit dem Sieg gegen Flensburg den "Löwen" die Beute präsentierte. Schmid und Co. wussten: Mit einem Sieg war der Triumph vor den beiden letzten Spieltagen perfekt.

Schmid ist der Kopf der Mannschaft. Der Schweizer ist der perfekte Spielgestalter, weil er nicht nur seine Mitspieler einsetzen, sondern auch Tore erzielen kann. Auch der Schwede Mikael Alf Appelgren im Tor war erneut eine Stütze dieses Teams, dessen große Stärke der Zusammenhalt ist und das über mehrere Spieler verfügt, die den Unterschied machen können.

Sei es Rückraumwerfer Alexander Petersson (Island), der in einem Monat 37 Jahre alt wird, Kreisläufer Hedrik Pekeler,  der in der kommenden Saison in Kiel spielen wird, Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson (37/Island), der seinen siebten Meistertitel feierte (2001: Akureyri/Island;  2012: AG Kopenhagen; 2013 und 2014: THW Kiel, 2015 und 2016: FC Barcelona, 2017: Rhein-Neckar) oder  Rechtsaußen Patrick Groetzki  -  sie alle sind Teil  einer starken Auswahl

Den  Wechsel von Nationallinksaußen und Kapitän Uwe Gensheimer nach Paris verkraftete die über Jahre gewachsene Einheit wie auch die sportlichen Rückschläge seit Ende März. In der Champions League kam nach dem 25:24 in Kiel der Achtelfinal-K.o. durch das 26:24 in eigener Halle, im Pokal-Halbfinale in Hamburg wurde man von Flensburg mit 33:23 vorgeführt.

Vergessen, abgehakt. Noch während der improvisierten Titelparty wurden Flüge und ein Hotel gebucht. Gestern Morgen ging es für drei Tage auf die Insel Mallorca. Am Montag wird wieder trainiert. Mit dabei ist dann noch Kim Ekdahl du Rietz (27), der die Klubverantwortlichen mit seinem Wunsch, den Vertrag bereits einen Jahr vor Ablauf aufzulösen, überrascht hatte.  Der Rückraumspieler, seit 2012 im Verein, beendet seine Karriere. "Handballprofi ist für mich kein Traumberuf mehr", betonte der Schwede im Februar.

Am Mittwoch aber erfüllte sich für ihn noch ein Traum. Aber auch andere glücklich machen – das möchte der Noch-Profi. Deshalb spendet er für das von Unicef betriebene Programm "Be the change agent" die Summe von 20.000 Euro. Den selben Betrag überweist sein Landsmann und Klubkollege Mikael Appelgren.  Unterstützt wird damit ein Projekt, das Jugendlichen in den Slums der liberanischen Hauptstadt Monrovia eine Perspektive geben soll.  Es ist die "letzte Geste" zum Abschied aus dem Leistungssport.

 
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