| 22.14 Uhr

Handball-Bundesliga
Löwen verwandeln ersten Matchball zur Meisterschaft

Fotos: Löwen schlagen Kiel und sind Meister
Fotos: Löwen schlagen Kiel und sind Meister FOTO: dpa, ua fpt
Göppingen. Titel verteidigt, Mannheim steht Kopf: Die Rhein-Neckar Löwen sind erneut deutscher Handball-Meister. Die Mannschaft von Trainer Nikolaj Jacobsen sicherte sich die Schale durch einen deutlichen 28:19 (11:10)-Erfolg gegen den THW Kiel am 32. Spieltag vorzeitig.

Das Team kann angesichts von fünf Punkten Vorsprung in den verbleibenden zwei Saisonspielen nicht mehr abgefangen werden. Verfolger SG Flensburg-Handewitt hatte zuvor bei Frisch Auf Göppingen mit 27:31 (15:14) verloren.

"Wir haben gerade erst gegen Flensburg gespielt, da ging es um alles - und drei Tage später sind wir Meister. Ich kann es noch gar nicht glauben", sagte Jacobsen. Auch seine Spieler waren vom Triumph überrascht. "Natürlich haben wir uns überlegt, dass das heute passieren kann. Jeder denkt natürlich dran, aber unser Wille war heute so groß", sagte Nationalspieler Patrick Groetzki bei Sport1. Der schwedische Rückraumstar Kim Ekdahl Du Rietz, der nach der Saison seine Karriere beendet, habe laut Groetzki als Orakel fungiert: "Es war unerwartet, aber Kim Ekdahl Du Rietz sagt seit zwei Wochen, dass wir heute Meister werden."

Zweiter nationaler Titel

Für die Löwen ist es nach dem Coup im Vorjahr der zweite nationale Titel in ihrer Vereinsgeschichte. 2014 und 2015 waren die Löwen noch zwei Mal Vizemeister hinter Rekordmeister Kiel geworden.

Beim Triumph in der SAP Arena präsentierten sich die Löwen vor allem in ihrem Gegenstößen wesentlich druckvoller als der norddeutsche Kontrahent. Wenn Kiel durch die robuste Abwehr der Gastgeber kam, war meist beim überragenden Löwen-Keeper Mikael Appelgren Schluss. Besonders im zweiten Durchgang lief Mannheims Spielmacher Andy Schmid heiß und führte sein Team mit einer grandiosen Leistung zum Titel.

Der Gast aus Schleswig-Holstein wirkte in der entscheidenden Phase mental und physisch unterlegen und ergab sich seinem Schicksal. Durch die Niederlage geraten die drittplatzierten Kieler im Kampf um die Champions-League-Teilnahme weiter unter Druck, auch wenn Verfolger Füchse Berlin überraschend gegen den VfL Gummersbach mit 27:28 (15:19) unterlegen war.

Löwen gewannen Spitzenspiel in Flensburg

Entscheidender Weichensteller für den erneuten Gewinn der Meisterschaft war für die Löwen der 23:21-Auswärtssieg am vergangenen Wochenende bei Flensburgern gewesen. Mit dem Erfolg gegen Kiel, dem zwölften Liga-Sieg hintereinander, beseitigten die Mannheimer nun alle verbliebenen Restzweifel.

Dabei galten die Löwen vor der Saison keineswegs als Top-Favorit auf den Titel. Viele in der Szene hatten Flensburg stärker eingeschätzt, und auch der Abgang von Gallionsfigur Uwe Gensheimer nach Paris sprach nicht unbedingt für eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Doch die Mannen von Coach Jacobsen ließen sich nicht beirren. Selbst die Tatsache, dass der Klub noch vor einigen Wochen binnen zehn Tagen sowohl in der Champions League als auch im DHB-Pokal vorzeitig gescheitert war, brachte die Löwen nicht von seinen Weg ab. Während die Konkurrenten aus Kiel und Flensburgern schwächelten, zogen die sie ihr Ding gnadenlos durch. Die erfolgreiche Titelverteidigung in der Liga wiegt alles auf.

Noch beim Final Four Anfang April in Hamburg war der Ex-Meister von der dänischen Grenze mehr als eine Nummer zu groß für die Löwen gewesen. Mit 23:33 wurde man seinerzeit im Halbfinale förmlich deklassiert, auch im zehnten Anlauf griff die Jacobsen-Truppe am deutschen Handball-Pokal vorbei.

Die diesmal besiegten "Zebras" entpuppten sich in der Champions League als Stolperstein. 25:24 hatten die Mannheimer das Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse in der Halle an der Ostsee gewonnen, vor eigenem Publikum indes verlor man mit 24:26. Flankiert von Vorwürfen, der deutsche Rekordmeister angeblich sicher ausfallende Spieler plötzlich doch eingesetzt, der Begriff vom "Flunker Gate" machte die Runde.

(sid)
 
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