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Derby-Krimi
Flensburg verschenkt Sieg in Kiel

Kiel schlägt Flensburg im Nordderby
Kiel schlägt Flensburg im Nordderby FOTO: dpa, ahe kno
Kiel/Düsseldorf. Gastgeber Kiel macht einen 8:14-Rückstand wett und übernimmt durch das 24:23 die Spitze der Handball-Bundesliga. Von Eckhard Czekalla

Anders Eggert zog sein Trikot über das Gesicht. Der dänische Nationallinksaußen hatte beim Siebenmeter den Ball zwar an Andreas Wolff vorbeigebracht, aber nur den Innenpfosten getroffen. Von dort prallte er ins Spielfeld zurück. Es war die letzte Aktion im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga, das Gastgeber THW Kiel nach 8:14-Rückstand mit 24:23 (11:14) gegen die SG Flensburg-Handewitt gewann. Das 89. Nordderby hatte gehalten, was sich die Fans versprochen hatten. "Wie oft werde ich wohl an diesen Strafwurf denken? Jedes Mal, wenn ich auf die Tabelle schaue und die zwei Punkte auf der falschen Seite sehe", sagte Eggert.

Flensburg-Handewitt war mit einer makellosen Bilanz von 18:0 Punkten nach Kiel gekommen. Die Gastgeber, die am dritten Spieltag mit 24:27 bei der HSG Wetzlar patzten, übernahmen mit nun 20:2 Punkten die Führung und machten die Meisterschaft wieder zum Vierkampf. Mit dabei sind noch Berlin (19:3) und Titelverteidiger Rhein-Neckar Löwen (18:2).

Die Gäste zeigten bis zum 14:8 (27.), warum viele glauben, dass es in dieser Saison mit dem zweiten Meistertitel nach 2004 klappen könnte. Mattias Andersson demonstrierte eindrucksvoll, dass er mit seinen 38 Jahren noch immer einer der weltbesten Torhüter ist. Der Schwede zerstörte etliche Kieler Chancen. "Wir hatten viele Möglichkeiten, haben aber einfach zu viele Fehler gemacht", sagte Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes. Der nur 1,66 Meter große Schwede, als Spielgestalter der Nationalmannschaft einer der besten seiner Zunft, musste mitansehen, wie Thomas Mogensen, Rasmus Lauge Schmidt und Johan Jakobsson nach der Pause immer wieder durch Fehlpässe die Kieler zu leichten Toren einluden und für Frust bei den rund 220 Gästefans sorgten. Dabei hatten sie vor der Pause lange Zeit mehr Freude als die gut 10.000 Kieler Anhänger in der ausverkauften Halle.

Doch auch die Gastgeber hatten einen Mann im Tor, auf den sie sich verlassen konnten: Andreas Wolff. Am Ende hatte der EM-Held von Polen jeden zweiten Wurf der Gäste abgewehrt. Die wertvollsten Paraden, weil danach für die Kieler keine Zeit mehr war, selbst aktiv zu werden, gelangen ihm Sekunden vor dem Abpfiff. Da wehrte er zunächst den Wurf von Linksaußen Eggert ab, dann den Nachwurf von Lasse Svan. Da der dänische Nationalrechtsaußen aber behindert worden war, gab es Strafwurf. Doch auch die dritte Chance, wenigstens einen Punkt mit zurück an die dänische Grenze zu nehmen, konnten die Flensburger nicht nutzen.

"Als wir mit sechs Toren zurücklagen, sah es ein bisschen düster aus. Am Ende hatten wir Glück. Es hätte auch für Flensburg ausgehen können", betonte Kiels Trainer Alfred Gislason. Mitentscheidend war der Zwischenspurt von 8:14 auf 16:15, mit dem sich die Kieler zurückgemeldet hatten.

Die jüngsten drei Derbys hatten die Kieler verloren, dabei zwei in der einst als uneinnehmbar geltenden Festung Ostseehalle. Diese Serie durchbrachen die Gastgeber nun mit viel Glück, einer sich steigernden Abwehr um Schlussmann Andreas Wolff und einem Domagoj Duvnjak, der in der Schlussphase für Akzente sorgte. In einer Woche treffen beide Mannschaften schon wieder aufeinander. Am 20. und 23. November stehen die Gruppenspiele in der Champions League auf dem Programm.

Drei Duelle in elf Tagen - eine unglückliche Terminierung. Im DHB-Pokal und in der Königsklasse könnten weitere drei Derbys in der zweiten Saisonhälfte dazukommen.

Quelle: RP
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