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THW Kiel geht leer aus
Die Titellosen

Kiel verliert Halbfinal-Thriller gegen Veszprem
Kiel verliert Halbfinal-Thriller gegen Veszprem FOTO: dpa, mb nic
Köln. Erstmals seit 2003 beendet der THW Kiel eine Saison ohne Titelgewinn. Die Handballer scheitern im Halbfinale der Champions League in Köln an MVM Veszprem. Als Grund führen die Verantwortlichen das Verletzungspech an. Von Eckhard Czekalla

Die Geste der norwegischen Schiedsrichter Oyvind Togstad und Rune Kristiansen ist eindeutig. Zeitspiel droht und damit ein Freiwurf für den Gegner. Christian Dissinger, gerade erst nach einer Oberschenkelblessur in die Mannschaft des THW Kiel zurückgekehrt, versucht es mit einem Distanzwurf. Der Handball-Nationalspieler verfehlt das Tor. Da sind noch 33 Sekunden zu spielen, und der deutsche Rekordmeister führt mit 25:24 gegen MVM Veszprem.

Noch ist das Finale der Champions League greifbar. 15:12 für die Kieler steht es zur Pause. Dann erzielen sie 8:20 Minuten kein Tor (15:17), kämpfen sich wieder zurück. Nun fehlen nur noch wenige Augenblicke, um den Traum vom vierten Sieg in der Königsklasse nach 2007, 2010 und 2012 am Leben zu halten.

Doch sechs Sekunden vor Schluss trifft Rechtsaußen Gasper Marguc zum 25:25. In der Verlängerung fehlt die Kraft gegen einen Kontrahenten, der sich in der Abwehr steigert und bei dem die ehemaligen Kieler Rückraumspieler, Momir Ilic (8 Tore) und Aron Palmarsson (4) wehmütige Erinnerungen wachrufen. Am Ende bleiben nur Tränen, Enttäuschung und ausgepumpte Spieler zurück.

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Erstmals seit 2003 beenden die Kieler eine Saison ohne Titel. "Das ist bitter, aber keine Überraschung", sagt Trainer Alfred Gislason. Der Isländer ist unzufrieden mit einigen Entscheidungen, die "wir in der Schlussphase getroffen mit denen wir Veszprem in die Verlängerung eingeladen haben." Er meint damit nicht nur Dissinger. Gislason ist aber bei allem Frust auch stolz auf seine Mannschaft. "Es war und ist eine schwierige Saison mit unglaublich viel Bastelarbeit", sagt er. Immer wieder musste er auf Stammspieler verzichten. 13 Verletzungen hatten er zu verkraften, und damit sind nicht kleinere Blessuren gemeint. Sechs Spieler hat der Klub während der Saison zusätzlich verpflichtet für seinen Kader, in dem die Nationalspieler am Ende fast 80 Partien absolviert haben. Gislason: "Manchmal hatte ich nur noch fünf Leute auf der Bank, die es gerade schafften, sich aufs Spielfeld zu schleppen. Dann ist irgendwann mal die Grenze erreicht."

Beim Halbfinale in Köln gegen Veszprem fehlt - als vorerst Letzter einer unglaublichen Verletztenliste - Nationalspieler Steffen Weinhold. Der Rückraumspieler hat sich die Mittelhand gebrochen. Kapitän Rene Toft Hansen kann sich nach Abpfiff nur in der Rolle des Trostspenders versuchen. Der Kreisläufer und Abwehrspezialist hatte sich im Dezember ein Kreuzband gerissen.

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"Bei diesen Voraussetzungen ist es unglaublich, dass wir bis drei Wochen vor Saisonschluss noch um die deutsche Meisterschaft spielten, in der Champions League den Titelverteidiger Barcelona ausschalteten und hier dabei sind", unterstrich Gislason. In der Partie um Platz drei vertraute er auch jenen Spielern, die sonst nicht so viele Einsatzzeiten erhalten. Am Ende gab es eine 27:29-Niederlage gegen Paris St. Germain im Duell der Enttäuschten.

Das Team aus Frankreich hatte überraschend mit 26:28 gegen Polens Meister Kielce verloren. Dabei erzielte Mikkel Hansen neun Tore in der ersten Halbzeit (16:16). Dann aber ließ ihn Trainer Noka Serdarusic, beim THW Kiel erfolgreicher Vorgänger von Gislason, fast die gesamte zweite Halbzeit auf der Bank. Das Kielce-Team bedankte sich.

Auch gegen Paris, das gestern auf seinen Superstar Nikola Karatic verzichtete, lieferten die Kieler großes Kino. Zur Pause mit 11:15 zurück, führten sie plötzlich mit 22:20 (45.),blieben aber in den letzten vier Spielminuten (27:27) ohne Torerfolg. Zwei Spiele noch hat der THW Kiel in der Bundesliga. Am Mittwoch in Eisenach, am Sonntag gegen Stuttgart. "Wir wollen den dritten Platz verteidigen", betonte Gislason in Köln. Verfolger Melsungen liegt nur einen Zähler zurück.

Gislason war neben allem Stolz in Köln auch verärgert. Mit Blick auf die mit keiner anderen europäischen Liga vergleichbaren Belastungen in Deutschland forderte er, dass endlich 16 statt bislang 14 Spieler pro Begegnung eingesetzt werden dürfen. "Ich hoffe, dass die Liga das kapiert und ihre Mannschaften schützt, die im Europapokal aktiv sind", betonte der Isländer.

Quelle: RP
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