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Handball-Bundesliga
Kiel und Flensburg straucheln – Liga spielt verrückt

THW Kiel verzweifelt an sich selbst
Kiel-Trainer Alfred Gislason ist nach der höchsten Bundesliga-Pleite in seiner Amtszeit enttäuscht. FOTO: dpa, dan kno nic
Hamburg. Die Handball-Bundesliga spielt verrückt: Nach einer denkwürdigen Pleite in Göppingen drohen dem THW Kiel schon früh die Felle davonzuschwimmen. Auch Flensburg strauchelte erneut.

Alfred Gislason war restlos bedient. Während die Göppinger Altstars Michael Kraus und Lars Kaufmann ausgelassen ihren 29:21-Überraschungscoup gegen den deutschen Rekordmeister feierten, stapfte der Trainer des THW Kiel missmutig vom Parkett. Nach der höchsten Bundesliga-Niederlage in seiner mehr als siebenjährigen Kieler Amtszeit drohen dem Titelverteidiger schon früh die Felle davonzuschwimmen.

"Ich bin über viele Sachen sehr enttäuscht bei uns", sagte Gislason nach dem neuerlichen Gruselauftritt seiner Stars mit finsterer Miene – der Gigant wankt: Nach sieben Spieltagen beträgt der Rückstand auf den souveränen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen inzwischen vier Punkte. Schon in der Champions League hatte der Branchenprimus in der Vorwoche einen bösen Fehlstart (22:29 in Zagreb) erlebt.

Baustelle Rückraum

Die Partie in Göppingen legte die größte Baustelle des Serienmeisters der vergangenen Jahre schonungslos offen: Vor allem im Rückraum läuft es nach den Abgängen von Kapitän Filip Jicha (FC Barcelona) und Spielmacher Aron Palmarsson (MKB Veszprem) nicht rund. Spieler wie Ex-Welthandballer Domagoj Duvnjak, EM-Torschützenkönig Joan Canellas und Weltklasse-Linkshänder Marko Vujin können ihr Potenzial zurzeit nicht regelmäßig abrufen, sie kamen in Göppingen zusammen auf gerade einmal drei Feldtore.

"Das war unglaublich schlecht", sagte THW-Kapitän Rene Toft Hansen bei Sport1: "Unser Angriff war eine Katastrophe. Wir haben zu viele einfache Fehler und Göppingen die ganze Zeit Gegenstoßtore gemacht." Gislason zählte nach dem "sehr behäbigen" Auftritt bei seinem Team zwölf technische Fehler und "über 20 Fehlwürfe". Es dauerte bis zur 14. Minute, bis der THW sein zweites Tor erzielte. "Ich habe keine Ahnung, was da los war", sagte Toft Hansen konsterniert.

Im Lager der SG Flensburg-Handewitt herrschte am Donnerstag dagegen Erleichterung. Trotz des dritten Spiels in Folge ohne Sieg überwog nach dem 30:30 gegen die Füchse Berlin die Freude über den Ausgleich in letzter Sekunde. "Man kann sagen, dass wir einen Punkt gewonnen haben", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes: "Wir können es besser, aber Berlin hat es auch wirklich gut gemacht."

Vier Tage nach dem Traumstart in der Champions League gegen Mitfavorit Paris St. Germain (39:32) war Flensburg lange einem Rückstand hinterher gelaufen. 45 Sekunden vor dem Spielende stand es 28:30, dann trafen die Dänen Lasse Svan (59:29) sowie Henrik Toft Hansen (60:00) und verhinderten die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge.

Trotz des späten Ausgleichs zeigt die Formkurve der Füchse steil nach oben. Nach der Auftaktniederlage in Melsungen (20:23) blieb der Hauptstadt-Klub zum fünften Mal in Serie ungeschlagen. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning freute sich "sehr über diese Sensation in Flensburg".

(sid)
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