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Handball-Champions-League
Wenn Handball zur Arbeit wird

Skopje schlägt Paris im Finale
Skopje schlägt Paris im Finale FOTO: dpa, mb soe
Meinung | Köln. Das Top Four der Champions League in Köln lebte vor allem von der Spannung, Handball-Leckerbissen waren für die Fans eher nicht dabei. Handball muss wieder mehr gespielt werden. Und da sind zunächst die Schiedsrichter gefordert. Von Eckhard Czekalla

Das achte Final Four im Handball ist Geschichte. Vardar Skopje war als Debütant nicht gekommen, um zu lernen, sich an die besondere Atmosphäre zu gewöhnen. Der Meister aus Mazedonien krönte eine Saison, in der er natürlich die nationalen Trophäen einsammelte.

Doch auch in der Seha-Liga, in der insgesamt zehn Klubs aus Kroatien, Serbien, der Slowakei, Sloweniens, Ungarn,  Weißrussland, Montenegro und Bosnien-Herzegowina  sich messen, weil in der Heimat die Anforderungen zu gering sind, siegte die Mannschaft von Trainer Raul Gonzalez Gutierrez. Im Finale setzte man sich gegen Veszprem, das in Köln Platz drei belegte, durch.

Skopjes Erfolg gegen die mit Weltstars gespickte Auswahl von Paris Saint-Germain war glücklich, aber auch verdient. Die Halbfinals und das Endspiel an den beiden Tagen in der mit jeweils 19.750 Zuschauern ausverkauften Halle lebten von der Spannung, waren allerdings nichts für Fans, die sich nicht sattsehen können an gelungen Angriffen, trickreichen Würfen, schön herausgespielten Toren.

Schiedsrichter lassen sehr viel zu

Köln zeigte einmal mehr, dass die Abwehr das Sagen im Handball hat. Und das hängt auch damit zusammen, dass die Schiedsrichter im sogenannten Männersport sehr viel zulassen. Körperkontakt gehört zum Spiel, nicht aber das Ziehen und Zerren an Trikots, das Schlagen und Stoßen. Der Abwehrspieler genießt derzeit einen Vorteil. Zerstörer haben Hochkonjunktur, Angreifer laufen oft Gefahr, unsanft in ihrer Entfaltung gestört zu werden.

Handball, das hat Köln gezeigt, ist auf diesem Niveau, in dem nahezu gleichwertige Athleten aufeinander treffen, aktuell viel zu selten geprägt von spektakulären Szenen. Handball wird nicht mehr gespielt, Handball wird gearbeitet. Angriffe über mehrere Stationen, bei denen dann ein Mitspieler in Wurfposition gelangt, waren in Köln selten. Die Athletik war Trumpf. Gewiss, auch diese Art des Spiels kann faszinieren. Auf Dauer aber sind Gewaltwürfe, bei denen der Fan auf der Tribüne um die Gesundheit der Torhüter bangt, nicht ausreichend.

Handball soll gespielt und nicht gekämpft werden. Und da sind zunächst die Schiedsrichter gefordert.

 
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