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Nach Tod des Vaters
Sigurdsson wartet auf ein Signal von Gensheimer

Handball-WM 2017: Dagur Sigurdsson wartet auf ein Signal von Uwe Gensheimer
Uwe Gensheimer hat kurz vor der WM seinen Vater verloren. FOTO: dpa, hpl
Kassel . Trotz des Kantersieges im letzten Test gegen Österreich fahren die deutschen Handballer mit einigen Sorgen zur WM nach Frankreich. Routinier Holger Glandorf bleibt zunächst zu Hause, der Einsatz von Kapitän Uwe Gensheimer ist fraglich.

Die Fans feierten ihre Helden um Rückkehrer Holger Glandorf bis in den späten Abend, doch Dagur Sigurdsson war so gar nicht nach Party zumute. Die imponierende WM-Generalprobe seiner Handballer hatte der Bundestrainer ganz schnell abgehakt. "Ich bin immer positiv", knurrte Sigurdsson, "aber ich warne die Leute, weil alle jetzt irgendwie oben schweben."

Während seine Spieler nach dem glanzvollen 33:16 gegen Österreich noch lange fleißig Autogramme schrieben, hatte der Isländer längst in den WM-Modus geschaltet. Klar, sei der letzte Test vor dem deutschen Turnierauftakt am Freitag (17.45 Uhr/handball.dkb.de) ein "schönes Spiel" gewesen, dennoch wollte er den Kantersieg nicht überbewerten. "Emotionen und Lauferei werden bei der WM nicht reichen gegen eine Mannschaft wie Ungarn, die körperlich stärker ist und viel mehr Erfahrung hat", sagte Sigurdsson: "Unsere Chancen stehen 40 zu 60. Dabei bleibe ich."

"Uwe kommt zurück, wenn er sich danach fühlt"

Zumal der Einsatz von Kapitän Uwe Gensheimer wegen eines Trauerfalls in der Familie weiter auf der Kippe steht. Ob der Linksaußen bei der Abfahrt des Teams am Mittwoch (12.30 Uhr) aus Kamen-Kaiserau gen Rouen im Bus sitzt, ließ Sigurdsson offen. "Er kommt zurück, wenn er sich danach fühlt", sagte der 43-Jährige mit ernster Miene. Gensheimer hatte das DHB-Lager nach dem unerwarteten Tod seines Vaters bereits vor dem Österreich-Spiel verlassen.

Beim WM-Auftakt definitiv fehlen wird Glandorf. Trotz seines überzeugenden Comebacks plant Sigurdsson in Frankreich zunächst ohne den Linkshänder, er ist lediglich als Edeljoker vorgesehen. "Wir schauen erst mal, wie es läuft", sagte Sigurdsson und bezeichnete Glandorf als "Notnagel" für das Turnier. "Wenn Not am Mann ist", werde der Routinier nachrücken.

Dass der Weltmeister von 2007 für die neu formierte deutsche Mannschaft auf der Medaillen-Mission durchaus zu einem entscheidenden Faktor werden könnte, bewies er mit einem bärenstarken Auftritt gegen Österreich. Erst kurzfristig nominiert, präsentierte sich der 33 Jahre alte Rückraumspieler auf Anhieb in WM-Form und sprühte bei seinem 20-minütigen Einsatz (3 Tore) vor Energie und Spiellaune. "Es war ein Supergefühl, mal wieder ein Länderspiel zu machen. Das macht einen auch ein bisschen stolz", sagte Glandorf nach seinem ersten Auftritt im DHB-Trikot seit über zweieinhalb Jahren und betonte: "Ich bin da, wenn der Trainer mich braucht."

Vieles spricht für eine Nachnominierung Glandorfs im Laufe des Turniers. So plant Sigurdsson, zunächst mit 15 Spielern in die WM zu gehen. Für seinen erfahrensten Spieler (168 Länderspiele) wäre noch ein Platz frei. "Ich glaube, er hat Spaß daran, wieder dabei zu sein. Aber wir wissen auch, dass er keine zehn WM-Spiele in drei Wochen machen kann", sagte der Coach.

Handballerisch besteht wenige Tage vor dem Turnier-Auftakt keinerlei Grund zur Sorge, gegen Österreich trumpfte der Europameister im Stile eines Mitfavoriten auf. Im Tor lief Andreas Wolff zur Höchstform auf und unterstrich seine Ambitionen als deutsche Nummer eins im Duell mit dem zuletzt ebenfalls starken Silvio Heinevetter. Und im Feld bestach das deutsche Team mit Tempo, Spielwitz und vielen Toren. Alle Feldspieler trugen sich in die Torschützenliste ein.

"Wir haben eine herausragende Mannschaftsleistung gezeigt. Das wird bei der WM unser Faustpfand sein", sagte Wolff. Und Torjäger Julius Kühn stellte zufrieden fest: "Wir konnten noch einmal so richtig viel Selbstvertrauen tanken. Jetzt fahren wir mit viel Rückenwind nach Frankreich."

(sid)
 
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