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Düsseldorf
Handballer proben den WM-Ernstfall
Düsseldorf. Bundestrainer Martin Heuberger hat nur wenig Zeit, seine Mannschaft auf die Endrunde in Spanien vorzubereiten. Er setzt dabei – nicht ganz freiwillig – auch auf junge Spieler. Das Achtelfinale ist das Minimalziel. Von Eckhard Czekalla

Von einem Kader mit Perspektive spricht Martin Heuberger, und der Handball-Bundestrainer wagt die Prognose: "Mit ihren jungen Leuten wird die Mannschaft auf Jahre hinaus eine große Qualität haben." Gestern, beim 26:20 im WM-Test in Växjö gegen Gastgeber Schweden, zeigten die Spieler gute Ansätze. "Für die Mannschaft war es wichtig, damit sie an sich glaubt und gut reingekommen ist in die heiße Phase", sagte Heuberger.

Die Zeit drängt. Die Nationalspieler müssen schnell wieder positive Resultate liefern. Von einem Coup wie 2007, als im eigenen Land alles passte und die Gastgeber auf dem Weg zum unerwarteten WM-Triumph eine ganze Nation mit dem Handballvirus infizierten, wagt keiner zu träumen. Der Zauber von einst ist längst vorbei. Wenn am 11. Januar in Spanien die WM-Endrunde beginnt, hoffen die Fans aber, dass nach den Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit (2010 EM-Zehnter, 2011 WM-Elfter; 2012 Olympia-Teilnahme verpasst) endlich wieder Freude statt Frust angesagt ist. Brasilien, Tunesien, Argentinien, Montenegro und Titelverteidiger Frankreich sind vom 12. bis 18. Januar die Gegner in der Vorrunde. Mindestens Gruppenplatz vier ist das erste Ziel, soll statt der Achtelfinal-Teilnahme, die als Pflicht gilt, nicht die Heimreise anstehen.

"Jeder weiß, dass eine riesige Aufgabe vor uns liegt", sagt Oliver Roggisch. Wie Dominik Klein, Michael Haaß und Carsten Lichtlein war er 2007 dabei, doch nur er, der Abwehrchef, spielte damals eine Rolle. Heuberger, Diplomverwaltungswirt aus dem beschaulichen Schutterwald im Schwarzwald, hat im Juli 2011 den Handball zum Beruf gemacht. Damals wurde er Nachfolger von Heiner Brand. Nun setzt er den Umbruch fort, schneller als geplant und auch nicht ganz freiwillig.

Pascal Hens, Johannes Bitter und Christian Sprenger hatten schon vor Längerem ihren Rücktritt erklärt. Uwe Gensheimer, Lars Kaufmann und Holger Glandorf sind nicht fit oder fühlen sich nicht fit. Sven-Sören Christophersen, Rückraumspieler wie Kaufmann und Glandorf, hat nach seiner Knieverletzung erst vor wenigen Tagen mit dem Mannschaftstraining begonnen. Sechs der 16 Spieler sind erstmals bei einem großen Turnier dabei. Linksaußen Kevin Schmidt feierte gestern sein Debüt im A-Team.

Als 19. Bundesligamannschaft bezeichnete Thorsten Storm, Manager des Erstliga-Spitzenreiters Rhein-Neckar Löwen, das Nationalteam. Spielt es erfolgreich, hilft dies auch der Liga. Dennoch reizte diese die Möglichkeiten aus. Laut internationalem Reglement dürfen zwei Wochen vor einer WM oder EM keine Spiele mehr stattfinden, aber am 23. und 26. Dezember wurden noch 13 Erstligapartien ausgetragen.

Vom 27. bis 30. Dezember hatte Heuberger seine Spieler in der Sportschule Steinbach. Am Mittwoch traf sich die Auswahl zur Abreise nach Växjö, heute zieht sie weiter nach Hamburg, wo die Schweden morgen erneut Gegner sind. Vom 7. bis 9. Januar wird in Stuttgart gearbeitet mit der Partie gegen Rumänien als Abschluss. Tags darauf reist das Team nach Granollers. Perfekte Bedingungen einer Vorbereitung sehen anders aus.

"In den Tests geht es darum, dass wir im Wettkampf umsetzen, was wir uns im Training erarbeitet haben", sagt Heuberger. Der 48-Jährige baut auf die jungen Leute wie Kevin Schmidt (24), Patrick Groetzki (22), den in Duisburg geborenen Patrick Wiencek (23) und Steffen Fäth (22), die 2009 unter Trainer Heuberger die U21-WM gewonnen hatten, sowie Tobias Reichmann (beide 24). "Stress sind sie aus der Liga gewohnt. Da haben sie schon den Sprung geschafft", betont Heuberger. Er weiß aber auch, dass es ohne die Alten, Erfahrenen nicht geht.

"Wir brauchen eine starke Leistung in der Abwehr und sehr gute Torhüter", nennt Heuberger zwei elementare Säulen des Erfolgs. Aber auch im Angriff muss vieles effektiver laufen als zuletzt in der EM-Qualifikation, als zu Hause gegen Montenegro verloren und mit Mühe bei den nicht als Handball-Großmacht bekannten Israelis gewonnen wurde. "In unserer Mannschaft können alle Handball spielen", sagt Teamkapitän Roggisch, "das müssen wir uns klarmachen."

Vor allem aber den Gegnern.

Quelle: RP
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