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Hannover
Handballer verpatzen EM-Generalprobe

Das ist Dagur Sigurdsson
Das ist Dagur Sigurdsson FOTO: dpa, ah hak nic
Hannover. Knapp eine Woche vor Beginn des Turniers in Polen, unterlag die deutsche Mannschaft mit 24:27 gegen Island. Hoffnungsträger Christian Dissinger zog sich eine Blessur an der Wade zu. Von Eckhard Czekalla

Kleine Schilder mit der Aufschrift "Suche Karten" und die auf dem Weg zur Arena oft gehörte Frage "Karten übrig?" zeigten, dass die Männernationalmannschaft durchaus noch ihre Fans hat. Beim Handball-Supercup in Kiel, Hamburg und Flensburg Anfang Oktober waren die Hallen teilweise nur zur Hälfte gefüllt. Die drei Tests vor der EM in Polen gegen Tunesien in Stuttgart (6050), gegen Island in Kassel (4300) und zum Abschluss in Hannover (10.050) fanden dagegen in ausverkauften Sportstätten statt. Nach Siegen in den beiden ersten Spielen (zunächst 37:30, dann 26:25) gab es in Hannover eine 24:27 (12:15)-Niederlage gegen Island.

"Natürlich ist das ein Dämpfer. Wir wären gerne mit einem Erfolgserlebnis zur EM gefahren", sagte Torhüter Carsten Lichtlein (Gummersbach). Kapitän Steffen Weinhold nannte die Schwächen bei der Generalprobe. "Die Passqualität muss besser werden. Die Chancen müssen wir nutzen und in der Abwehr bissiger sein", betonte er. Der Kieler Rückraumspieler ließ seinen fünf Treffern vom Vortag erneut fünf folgen und war damit hinter Linksaußen Rune Dahmke (Kiel/6) erfolgreichster Werfer seines Teams.

Der gegen Tunesien und im ersten Island-Duell mit jeweils acht Treffern beste deutsche Werfer, Christian Dissinger (Kiel), musste schon Mitte der ersten Halbzeit auf die Bank. Eine Verhärtung der Wade ließ die Verantwortlichen auf Sicherheit gehen. Als nach 45 Minuten in Steffen Fäth ein wurfgewaltiger Spielgestalter mit einer Rückenprellung ausgewechselt werden musste, vertieften sich die Sorgenfalten im deutschen Lager.

Nach einem freien Tag heute trifft sich die Auswahl morgen in Berlin, ehe sie am Donnerstag nach Breslau reist. Dort wartet am Samstag (18.30 Uhr) das spanische Team als erster Gegner in der Vorrunde, in der es noch gegen Schweden (Montag, 20.30) und Slowenien (Mittwoch, 17.45) geht. "Hätten wir nur die Hälfte unserer hundertprozentigen Chancen genutzt, hätten wir den Gegner unter Druck gesetzt", kritisierte Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach der Niederlage gegen seine Landsleute. Wie schon in der Partie gegen Tunesien kamen die deutschen Profis nur schwer in die Gänge. Doch anders als gegen den mehrmaligen Afrikameister gelang es nicht, den Hebel umzulegen.

"Die Isländer haben auch aus dem ersten Spiel gelernt", sagte Torhüter Lichtlein. Und der Gegner hatte zwei Spieler, die diesmal den Unterschied ausmachten. Torwart Björgvin Pall Gustavsson, beim Bundesligisten Bergischer HC unter Vertrag, zerstörte zahlreiche gute Chancen. Aron Palmarsson, der im vergangenen Sommer die vergleichsweise entspannende Arbeit in der ungarischen Liga jener in der "mörderischen" Bundesliga vorgezogen hatte und von Kiel nach Veszprem gewechselt war, düpierte mit seinen Schlag- und Hüftwürfen die deutsche Abwehr. Der Rückraumspieler war mit sieben Toren erfolgreichster Werfer der Begegnung.

Was am Samstag in Kassel noch geklappt hatte, missglückte diesmal zu oft. Abspiele erreichten den Teamkollegen nicht. Gute Angriffe wurden nicht veredelt, weil auch frei vor dem isländischen Tor Spieler den Ball zu oft nicht an Gustavsson vorbei brachten, die Abwehr bekam die Isländer zu selten unter Kontrolle. 5:9, 8:13, 10:15 waren Stationen auf dem Weg zum Halbzeitstand (12:15). Diese Drei-Tore-Hypothek schleppten Weinhold und Co. durch das ganze Treffen. Mehr noch. Die Isländer, die in Kassel nach einem 6:1-Lauf zum 24:23 sogar noch den Sieg vor Augen hatten, spielten diesmal die Partie locker nach Hause, führten in der zweiten Halbzeit stets mit mindestens vier Toren und lagen kurz vor Schluss mit 26:20 vorn.

"Jeder hat gesehen, woran er noch zu arbeiten hat", sagte Kapitän Weinhold. "Wenn jeder noch ein bisschen an seiner Stellschraube dreht, können wir zuversichtlich ins Spanien-Spiel gehen", ergänzte Lichtlein, mit 35 Jahren der Senior im Team. Nun heißt es erstmal: abwarten und schauen, wer fit für die EM ist.

Quelle: RP
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