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Düsseldorf/Köln
Handtor in Köln - Fairplay war gestern

Fotos: Andreasen trifft mit dem Arm gegen Köln
Fotos: Andreasen trifft mit dem Arm gegen Köln FOTO: Screenshot Sky
Düsseldorf/Köln. Leon Andreasen erzielt irregulär das 1:0 von Hannover 96 und schweigt. Prominente Vorbilder haben in ähnlichen Fällen anders reagiert. Von Patrick Scherer

Während Peter Stöger seinem Unmut über den Unparteiischen feien Lauf ließ, zeigte sich der Kölner Trainer dem Falschspieler gegenüber gnädig: "Ich verlange von Leon Andreasen zu null Prozent, dass er hingeht und das Handspiel zugibt." Der Däne von Hannover 96 hatte kurz zuvor das entscheidende 1:0 in der Bundesligapartie beim 1. FC Köln mit dem Arm erzielt. Für viele im Stadion deutlich erkennbar - Schiedsrichter Bastian Dankert aber gab das Tor. Nun könnte der DFB-Kontrollausschuss wegen "krass sportwidrigem Verhalten" gegen Andreasen ermitteln. 2004 wurde Oliver Neuville wegen eines Handtors für zwei Spiele gesperrt. Der Däne sah sich am Sonntag als Opfer: "Ich weiß nicht, wieso ich hier stehen und mich entschuldigen muss." Vielleicht, weil es schon Vorbilder für Fairplay gab.

März 2014 Aaron Hunt, damals noch in Diensten von Werder Bremen, sinkt in der 75. Minute beim Gastspiel in Nürnberg im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Manuel Gräfe entscheidet auf Foulelfmeter. Hunt, der zuvor nicht vom Gegenspieler berührt worden war, geht zu Gräfe und gesteht seine Schwalbe. Der Unparteiische nimmt daraufhin seine Entscheidung zurück. Hunt wird dafür vom DFB mit der Fairplay-Medaille gewürdigt. Da Bremen in der Partie bereits mit 2:0 führte, wurde die Frage gestellt, ob der Fußballprofi auch beim Stand von 0:0 so reagiert hätte. Aber auch dafür gibt es positive Beispiele.

Übersicht: Umstrittene Tor-Entscheidungen in der Geschichte FOTO: Screenshot/Twitter

September 2012 Miroslav Klose, Stürmer von Lazio Rom, erzielt im Spiel gegen den SSC Neapel nach drei Minuten das 1:0. Schiedsrichter Luca Banti zeigt zur Mittellinie, will das Tor anerkennen. Doch Klose überredet Banti, Freistoß für Neapel zu geben, da er den Ball mit der Hand berührt hatte. Lazio verliert die Partie mit 0:3, Klose wird von Gegenspielern, Fans und den Medien gefeiert. Sein Trainer Vladimir Petkovic sagt: "Sein Verhalten ist für den ganzen Fußball ein Beispiel."

Dass Klose ein Vorbild ist, hatte er bereits zuvor in der Bundesliga bewiesen. Im April 2005 steht er als Angreifer für Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld auf dem Platz. Schiedsrichter Herbert Fandel zeigt beim Stand von 0:0 nach einem vermeintlichen Foul am Nationalstürmer auf den Elfmeterpunkt. Der gebürtige Pole gibt bei Fandel aber an, von Bielefelds Torhüter Mathias Hain im Strafraum regelkonform vom Ball getrennt worden zu sein. Der Schiedsrichter nimmt seine Entscheidung zurück. Bremen gewinnt 3:0 und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) überreicht Klose die Fairplay-Trophäe.

April 2012 In der 2. Liga trifft der FC St. Pauli auf Union Berlin. Marius Ebbers erzielt in der 80. Minute das 2:1 für die Hamburger, geht aber zu Schiedsrichter Tobias Welz und sagt ihm, er habe das Tor mit der Hand erzielt. St. Pauli gewinnt durch ein Tor in der Nachspielzeit und ausgerechnet Fifa-Präsident Joseph Blatter twittert: "Großartiges Beispiel von Marius Ebbers. Das zeigt, dass Fairplay im Fußball immer noch möglich ist und dich auch nicht vom Gewinnen abhält."

Pressestimmen: "Fohlen tanzen durch die Liga" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
Quelle: RP
 
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