Vorschau auf die 50. Vierschanzentournee: Hannawald soll Malysz stoppen
zuletzt aktualisiert: 27.12.2001 - 14:20Oberstdorf (rpo). Er ist der große Flieger und gleichzeitig die große deutsche Hoffnung bei der 50. Vierschanzentournee - Sven Hannawald. Der 27-Jährige soll die Siegesserie von Adam Malysz stoppen.
Statt des dreimal in Folge gescheiterten Champions Martin Schmitt gilt diesmal Hannawald als Geheimfavorit auf den ersten deutschen "Grand-Slam-Triumph" seit Jens Weißflog vor sechs Jahren. Hannawald, der theoretisch bis zu 500.000 Mark verdienen könnte, glaubt an seine Chance bei dem am 30. Dezember in Oberstdorf beginnenden Spektakel.
"Wenn ich einen Lauf habe, ist alles möglich. Ich bin so gut in Form - die Chance darf ich nicht vorbeigehen lassen. Ich muss angreifen", sagte Hannawald dem Sport-Informations-Dienst (sid). Kämpferische Worte, die Bundestrainer Reinhard Heß gern hören wird. Der Chefcoach fordert den sensiblen Springer aus Hinterzarten nämlich eindringlich auf, "Stärke zu demonstrieren": "Hanni ist in Topform, aber er muss das psychisch stabiler rüberbringen. Er ist nicht der Topfavorit - das ist Adam Malysz - aber ich erwarte zumindest Podestplätze von ihm."
Doch Hannawald könnte nach den Tournee-Gesamtplatzierungen zwei (1997/1998) und vier (1999/2000 und 2000/2001) diesmal reif für den ganz großen Coup sein. Nach dem vorzeitigen Saison-Aus im vergangenen Winter wegen völliger Erschöpfung machte er gleich zweimal einen Kraftaufbau durch und legte zumindest drei Kilo Gewicht zu - die Magersucht-Gerüchte sind längst verstummt. Vor der Saison wechselte er zur Skimarke von Schmitt ("Rossignol") und sagte dem Weltmeister den Kampf an: "Ich will die Nummer eins im Team werden."
Gewachsene Nervenstärke präsentierte er mit seinem Triumph über Malysz beim Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt - einen Tag nachdem er wegen einer fehlenden Plombe am Sprunganzug disqualifiziert worden war. "Ich bin gewappnet und freue mich auf die deutschen Fans bei der Tournee. Ich versuche, schön locker zu bleiben", sagt Hannawald. Nach einem ruhigen Weihnachtsfest daheim ("Ich habe die Füße hochgelegt und Kuchen gegessen") wurde noch mal am Skischliff gefeilt, um die Nachteile bei der Anfahrtsgeschwindigkeit zu minimieren.
Hannawald ist nicht der einzige deutsche Trumpf im Kampf gegen den schier übermächtigen Malysz. Der Titelverteidiger reist mit der eindrucksvollen Bilanz von sechs Siegen in bisher neun Weltcups zur Tournee. "Ich habe Martin Schmitt nicht abgeschrieben. Wenn er ein Erfolgserlebnis hat, wird er angreifen", meint Heß. Die Ärzte gaben Schmitt erst nach einem Komplettcheck grünes Licht: "Ich bin topfit und will für eine Überraschung sorgen." Große Hoffnungen ruhen auch auf Newcomer Stephan Hocke (18). "Ich will ihn als Tournee-Neuling nicht überfordern, aber ich bin überzeugt, dass er ein Tourneespringer ist", sagt der Heß.
Hocke, überraschender Gesamtweltcup-Dritter, bleibt entspannt: "Ich sehe mich nicht als Mitfavorit, zumal ich die Schanzen nicht kenne. Aber ich freue mich, bei dieser sensationellen Stimmung zu springen." Neben dem Vorflieger-Trio, das die Heß-Zielsetzung "mindestens drei unter den Top 15" umsetzen muss, soll sich der Anschlusskader mit den Team-Weltmeistern Alexander Herr (Rohrhardsberg) und Michael Uhrmann (Rastbüchl) steigern: "Wenn wir in Oberstdorf einen guten Einstieg schaffen, ist alles möglich."
Klarer Favorit für den Triumph beim Grand Slam in Oberstdorf (30. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) ist für den Bundestrainer jedoch Adam Malysz: "Der setzt aerodynamische und physikalische Gesetze außer Kraft."
Auf Malysz und seine Kollegen warten bei der Tournee ein Preisgeld von 450.000 Mark sowie eine Nobelkarosse (Gesamtsieg). Hannawald könnte zusätzlich zu den 160.000 Mark (40.000 für jeden Einzelsieg) und dem Audi A4 avant theoretisch noch 300.000 Mark an Prämien vom Deutschen Skiverband (DSV) mitnehmen: Für jeden Einzelerfolg gibt es 50.000 Mark, der Gesamtsieg bringt 100.000.
Das deutsche Aufgebot:
Martin Schmitt (Furtwangen), Sven Hannawald (Hinterzarten) Stephan Hocke (Oberhof), Christof Duffner (Schönwald), Alexander Herr (Schonach), Michael Uhrmann (Rastbüchl), Georg Späth (Oberstdorf), Hansjörg Jäkle (Schonach), Frank Löffler (Oberstdorf), Jörg Ritzerfeld (Oberhof), Kai Bracht (Oberhof), Michael Neumayer (Berchtesgaden), Maximilian Mechler (Isny), Roland Audenrieth (Partenkirchen), Michael Möllinger (Hinterzarten), Dirk Else (Oberwiesenthal), Leif Frey (Lüdenscheid), Stefan Pieper (Winterberg)
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











