Sprinter mit zwei Streckensiegen von Hildegart Müller: Hartes Duell Niemann - Pechstein
zuletzt aktualisiert: 29.12.2000 - 17:44Inzell (dpa). Die Favoriten haben sich bei den deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Eisschnellläufer in Inzell auf keine Experimente eingelassen. Weltmeisterin Monique Garbrecht-Enfeldt und ihr Berliner Trainingsgefährte, der Titelverteidiger Michael Künzel, haben bei den Sprintern mit zwei Streckensiegen nach Halbzeit der Rennen die Führung übernommen. Bei den Allroundern liefern sich Weltmeisterin Claudia Pechstein (Berlin) und ihre Vorgängerin Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt; Foto) ein Kopf-an-Kopf-Duell. Beide gewannen je eine Strecke und liegen nach zwei Strecken nur 0,056 Punkte auseinander.
Die im Vorjahr wegen einer Krankheit verhinderte Monique Garbrecht unterstrich bei nicht optimalen Bedingungen auf der Freiluftbahn in Inzell gleich zum Auftakt mit einem Bahnrekord ihre Titel-Ambitionen. Im 500-m-Rennen der Sprinterinnen markierte die Berlinerin mit 38,58 Sekunden einen neuen Bahnrekord. Die alte Bestmarke wurde von der Russin Swetlana Shurowa (39,14) gehalten. Über 1 000 Meter blieb sie bei leichtem Schneefall in 1:17,66 Minuten nur 0,06 Sekunden über der Bahn-Bestmarke und nahm der Titelverteidigerin Sabine Völker (Erfurt) gleich zwei Sekunden ab. "Das war ein guter Auftakt. An den Bahnrekord war eigentlich gar nicht zu denken. Ich baue langsam die Form für die Sprint-Weltmeisterschaft auf, muss aber noch viel zulegen", urteilte die dreimalige Weltmeisterin aus dem Vorjahr selbstkritisch.
Eine gute Vorstellung gab die einheimische Anni Friesinger. Die Ausdauer-Athletin startet einen Ausflug in den Sprint-Bereich und will sich für die WM am 20. und 21. Januar in ihrem Heimat-Ort qualifizieren. Nach dem ersten Tag rangiert sie in der Gesamtwertung noch vor Titelverteidigerin Sabine Völker. "Meine Zukunft liegt aber weiter auf den langen Strecken. Nur hier in Inzell möchte ich schon gern dabei sein", erklärte sie ihren erfolgreichen "Ausflug" zu den Sprintern.
Trotz des Termins alle Athleten am Start
Ihre Abwesenheit reduzierte den Titelkampf bei den Ausdauerläuferinnen auf einen harten Zweikampf zwischen der Titelverteidigerin Claudia Pechstein und "Dauerbrennerin" Gunda Niemann-Stirnemann, die knapp in Führung liegt. "Gefreut habe ich mich vor allem über die Leistung auf der kurzen Strecke, obwohl Claudia da schneller war.
Die Meisterschaft ist ein guter Test mit Blick auf die internationalen Aufgaben der kommenden Wochen." Aber auch ihre Kontrahentin zeigte sich vollauf zufrieden. "Der erste Tag war gut, vor allem die 500 Meter", freute sich die Berlinerin, die nach einem Infekt mit Zweifel in das Meisterschaftsgeschehen gestartet war.
Bei den Männern gewann Titelverteidiger Michael Künzel im Sprint-Mehrkampf in 36,61 Sekunden über 500 und in 1:13,86 Minuten über 1.000 m und führt damit im Zwischenklassement mit 73,540 Punkten vor dem Erfurter Andreas Behr (36,86).
Alle Titel werden am Samstag vergeben
Vorerst nur Vierter nach zwei Rennen ist Titelverteidiger Frank Dittrich (Chemnitz) bei den Allroundern. Der Olympia-Fünfte über 5.000 m gewann in seiner Paradedisziplin in 6:46:50 Minuten und liegt 0,995 Punkte hinter dem führenden Christian Breuer.
Der Grefrather hatte zuvor die 500 m in 37,35 Sekunden vor dem Berliner Sven Joesten (37,64) und Lokalmatador Jan Friesinger (37,89) gewonnen. Breuer liegt damit vor dem zweiten Tag mit 78,185 Zählern vor Friesinger (79,601) und Joesten (79,609) vorn.
Im Gegensatz zu den Jahren zuvor gab es trotz des ungünstigen Termins kurz vor dem Jahreswechsel keine Absagen der Spitzen- Athleten. Dafür haben erstmals zugesagte Startgelder gesorgt, so dass auch die bereits für Europa- und Weltmeisterschaften gesetzten Läufer ihre Start-Chancen wahr nahmen. Alle Titel werden am (morgigen) Samstag vergeben.
Deutsche Mehrkampfmeisterschaften der Eisschnellläufer in Inzell, 1. Tag:
Sprintvierkampf:
Frauen: 500 m: 1. Monique Garbrecht-Enfeldt (Berlin) 38,58 Sekunden (Bahnrekord); 2. Sabine Völker (Erfurt) 39,38; 3. Anni Friesinger (Inzell) 39,74 1 000 m: 1. Garbrecht-Enfeldt 1:17,66 Minuten; 2. Friesinger 1:17,90; 3. Völker 1:19,65 Stand nach zwei Strecken: 1. Garbrecht 77,410 Punkte; 2. Friesinger 78,690; 3. Völker 79,205
Männer: 500 m: 1. Michael Künzel (Berlin) 36,61 Sekunden; 2. Jan Waterstradt (Berlin) 36,83; 2. Andreas Behr (Erfurt) 36,86 1 000 m: 1. Künzel 1:13,86 Minuten; 2. Behr 1:13,94; 3. Georg Taubenrauch (Erfurt) 1:14,36 Stand nach zwei Strecken: 1. Künzel 73,540 Punkte; 2. Behr 73,830; 3. Waterstradt 74,230
Großer Vierkampf:
Frauen: 500 m: 1. Claudia Pechstein (Berlin) 40:24 Sekunden; 2. Gunda Niemann-Stirnemann (Erfurt) 40,69; 3. Daniela Anschütz (Erfurt) 41,12 3 000 m: 1. Niemann-Stirnemann 4:11,25 Minuten; 2. Pechstein 4:14,35; 3. Anschütz 4:20,77 Stand nach zwei Strecken: 1. Niemann-Stirnemann 82,565 Punkte; 2. Pechstein 82,621; 3. Anschütz 84,581
Männer: 500 m: 1. Christian Breuer (Grefrath) 37,35 Sekunden; 2. Sven Joesten (Berlin) 37,64; 3. Jan Friesinger (Inzell) 37,89 5 000 m: 1. Frank Dittrich (Chemnitz) 6:46,50 Minuten; 2. Alexander Baumgärtel (Berlin) 5:50,26; 3. Rene Taubenrauch (Erfurt) 6:52,13 Stand nach zwei Strecken: 1. Breuer 78,855 Punkte; 2. Friesinger 79,601; 3. Joesten 79,609; 4. Dittrich 79,850
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