Gold, Geld, Gefühle: Heike Drechsler: "Genieße alles viel mehr als 1992"
zuletzt aktualisiert: 06.10.2000 - 14:36Doha/Neuss (sid). Im Dreiklang von Gold, Geld und Gefühlen geht für Heike Drechsler die schönste Saison ihrer unvergleichlichen Karriere zu Ende: "Ich genieße alles viel mehr als 1992", sagte die 35-Jährige nach ihrem Weitsprung-Sieg mit 7,07 Meter beim Grand-Prix-Finale in Doha, der ihr sechs Tage nach dem Olympiasieg von Sydney 50.000 Dollar Prämie einbrachte.
Acht Jahre nach ihrem Triumph von Barcelona meint die viermalige Europameisterin: "Die Leute zeigen noch mehr Anerkennung für die Leistung - so viele Faxe und Einladungen habe ich noch nie bekommen. Und je älter ich werde, desto bewusster nehme ich alles wahr."
Eine große Gratulationscours in Deutschland steht ihr bevor. Wenn Heike Drechsler am Montag gegen 23.00 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen landet, wartet eine Abordnung ihres Klubs ABC Ludwigshafen mit Blumen. In einer Nobelkarosse wird die Thüringerin dann in ihre Wahlheimat Karlsruhe kutschiert, wo ihr tags darauf um 12.00 Uhr vor dem Rathaus ein offizieller Empfang bereitet wird. Die Willkommensfeier in der Ludwigshafener Trainingshalle ist erst für den 17. Oktober geplant, weil Oberbürgermeister Wolfgang Schulte derzeit noch im Urlaub weilt.
In Doha flog Heike Drechsler in ihrer zurzeit grenzenlosen Euphorie auf die erste Sieben-Meter-Weite seit zwei Jahren, leider mit geringfügig zu starker Windunterstützung für die Bestenlisten: "Es war ein schönes Gefühl, wieder über sieben Meter zu fliegen. Das habe ich lange vermisst." Gedanken ans Aufhören lagen ihr danach ferner denn je: "Solange ich gesund bin und Spaß habe, setze ich mir kein Limit. Noch brennt ein großes Feuer in mir." Längst vergessen, dass sie früher sagte: "Ich möchte nicht in der Sandgrube sterben."
"Mindestens zwei Jahre" will Heike Drechsler noch dranhängen: "Die EM 2002 in München vor vollem Haus - das wäre ein Traum-Abschluss", malt die scheinbar ewig junge Weltmeisterin von 1983 die verbleibende Sportler-Zukunft in rosaroten Farben. 2001 winkt überdies die wirtschaftlich erfolgreichste Saison ihrer Karriere. "Nächstes Jahr kommt das Top-Duell Drechsler gegen Jones und dann lange Zeit nichts mehr", meint Manager Robert Wagner. Drechslers Startgagen dürften aus dem hohen vierstelligen in den mittleren fünfstelligen Berich hochschnellen.
Das Familienauskommen ist auf Jahre gesichert, die Weichen für die sportliche Zukunft gestellt: Hansjörg Holzamer löst Lebenspartner Alain Blondel als Coach ab und soll die zweimalige Weltmeisterin auf die WM 2001 in Edmonton vorbereiten. "Ich möchte Heike nur noch als meine Freundin und nicht mehr mit den Augen des Trainers sehen", erklärt Blondel.
Die Gefühle sind im Lot, und die neuen Vorlieben ihres elf Jahre alten Sohnes Toni beflügeln Heike Drechsler um so mehr: "Ich freue mich riesig, dass auch er jetzt Freude an der Leichtathletik gefunden hat und ins Training geht. Im Moment will er Zehnkämpfer werden."
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