Leichtathletik-DM: Deutsche Athleten bereits in EM-Form: Heike Drechsler und Heike Henkel beherrschten ihr Disziplinen
zuletzt aktualisiert: 12.02.2000Sindelfingen (dpa). Mit drei nationalen Jahresbestleistungen haben die deutschen Leichtathleten zwei Wochen vor den Hallen- Europameisterschaften in Gent ansteigende Form nachgewiesen. Am ersten Tag der deutschen Titelkämpfe beeindruckten am Samstag vor allem Heike Drechsler (Ludwigshafen/Foto) und Heike Henkel (Leverkusen), die der Jugend einmal mehr das Nachsehen gaben. Die 35-jährige Heike Drechsler gewann den Weitsprung mit 6,72 m, die gleichaltrige Heike Henkel meisterte im Hochsprung als erste Deutsche die EM-Norm von 1,91 m. Die dritte Bestmarke setzte Weltmeister Charles Friedek (Leverkusen) mit 16,97 m im Dreisprung.
Gute 7,55 Sekunden lief Falk Balzer trotz eines schmerzhaften Blutergusses im Sprunggelenk als Sieger über 60 m Hürden. Anschließend sorgte der Weltcupsieger für Misstöne. Wegen eines Zitats in der Fachzeitschrift "Leichtathletik", in dem sein Name im Zusammenhang mit den des Dopings verdächtigen Dieter Baumann (Leverkusen) und Merlene Ottey (Jamaika) gebracht wurde, drohte er rechtliche Schritte an. "Das war der einzige Grund für mich, im Finale zu laufen, um das als Sieger ansprechen zu können. Es kann nicht sein, dass der Name Balzer so in den Dreck gezogen wird", meinte Balzer erregt. Anschließend einigten sich die Beteiligten auf eine korrigierende Veröffentlichung in der nächsten Ausgabe, und Balzer zog die Androhung juristischer Konsequenzen zurück.
Trotz seiner guten sportlichen Verfassung ließ Balzer, der mit 7,52 Sekunden die deutsche Jahresbestzeit hält, seinen möglichen EM- Start ebenso offen wie Heike Drechsler und Heike Henkel. "Wenn ich da starten wollte, müsste ich unter 7,50 Sekunden laufen", setzte sich Balzer als Anspruch, "ich denke, ich vergebe mir was, wenn ich dann dort nur Dritter werde." Ähnlich äußerte sich auch die vierfache Weitsprung-Europameisterin: "Ich entscheide mich noch nicht, ob ich nach Gent fahre." Erst wolle sie noch die Starts in Madrid und Birmingham in der nächsten Woche abwarten. "Wenn es da konstanter wird mit der Tendenz zu 6,80 m fahre ich nach Gent", erklärte sie.
Heike Henkel hingegen tendiert auf Rat ihres Trainer Gerd Osenberg eher zu einem EM-Verzicht. "Herr Osenberg hat gesagt, dass ich nicht zur EM fahren soll. Er trifft immer weise Entscheidungen", meinte sie. Dagegen freut sich einer der "Verlierer" um so mehr auf die Titelkämpfe vom 25. bis 27. Februar in Belgien. Florian Schwarthoff (Ludwigshafen) wurde im Finale über 60 m Hürden zwar lediglich Dritter in 7,64 Sekunden, überraschte aber im Zwischenlauf mit 7,57 Sekunden. "Ich bin schon optimistisch für die Hallen-EM und freue mich, dort laufen zu können", sagte der deutsche Rekordhalter.
Ohne Nominierungsquerelen für die EM wird es diesmal bei den Stabhochspringern zugehen. Nach der Grippe bedingten Absage von Andrej Tiwontschik (Mainz) und Danny Ecker (Leverkusen) wurde Tim Lobinger (Köln) mit 5,70 m Meister. Mitfavorit Michael Stolle (Leverkusen) blieb ohne gültigen Versuch. Den Titel im Kugelstoßen holte sich souverän Vize-Weltmeister Oliver-Sven Buder (Wattenscheid) mit 20,15 m. Die 60 m der Frauen gewann Caren Sonn (Mannheim) in 8,15 Sekunden und über 3 000 m war Luminita Zaituc (Braunschweig) in 9:09,89 Minuten Schnellste.
Ergebnisse vom Samstag:
Männer:
60 m Hürden: 1. Falk Balzer (TuS Jena) 7,55 Sekunden; 2. Ralf Leberer (SSV Ulm) 7,61; 3. Florian Schwarthoff (ABC Ludwigshafen) 7,64; 4. Ivo Burkhardt (SV Halle) 7,71; 5. Jerome Crews (MTG Mannheim) 7,72; 6. Jan Schindzielorz (LAC Quelle Fürth/München) 7,80
Kugelstoßen: 1. Oliver-Sven Buder (TV Wattenscheid) 20,15 m; 2. Michael Mertens (LG Göttingen) 19,63; 3. Andy Dittmar (LG Ohra-Hörsel) 19,50; 4. Gunnar Pfingsten (LG Eintracht Frankfurt/Main) 19,25; 5. Ralf Bartels (SC Neubrandenburg) 19,12; 6. Detlef Bock (SCC Berlin) 18,79
Stabhochsprung: 1. Tim Lobinger (ASV Köln) 5,70 m; 2. Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) 5,60; 3. Richard Spiegelburg (TSV Bayer Leverkusen) 5,55; 4. Ralf Schmidt (LAZ Zweibrücken) 5,50; 5. Christof Gross (TSV Bayer Leverkusen) 5,40; 6. Michael Kühnke (TSV Bayer Leverkusen) 5,30
Dreisprung: 1. Charles Friedek (TSV Bayer Leverkusen) 16,97 m (deutsche Jahresbestleistung); 2. Karsten Richter (TSV Bayer Leverkusen) 16,36; 3. Hrvoje Verzi (LAC Quelle Fürth/München) 16;16; 4. Tobias Pöss (LAC Quelle Fürth/München) 15,76; 5. Thomas Riethmüller (LC Paderborn) 15,67; 6. Rudolf Helpling (LC Jugend Bergheim) 15,61
Frauen:
60 m Hürden: 1. Caren Sonn (MTG Mannheim) 8,15 Sekunden; 2. Juliane Sprenger (LG Kindelsberg Kreuztal) 8,21; 3. Sabine Braun (TV Wattenscheid) 8,24; 4. Jennifer Komoll (Team Niederrhein) 8,35; 5. Annika Mayer (TK Hannover) 8,38; 6. Ulrike Schlechtweg (TSG Gießen-Wieseck) 8,45
3 000 m: 1. Luminita Zaituc (LG Braunschweig) 9:09,89 Minuten; 2. Melanie Krauss (TSV Bayer Leverkusen) 9:12,47; 3. Sylvia Nussbeck (TSV Bayer Leverkusen) 9:12,95; 4. Jana Franke (SCC Berlin) 9:20,81; 5. Laura Franzis Suffa (LAC Quelle Fürth/München) 9:30,92; 6. Melanie Schulz (SV Creaton Großengottern) 9:33,21
Weitsprung: 1. Heike Drechsler (ABC Ludwigshafen) 6,72 m (deutsche Jahresbestleistung); 2. Sofia Schulte (LAG Siegen) 6,43; 3. Bianca Kappler (Halstenbeker TS) 6,40; 4. Ulrike Holzner (USC Mainz) 6,16; 5. Korinna Fink (SC Neubrandenburg) 6,16; 6. Katja Keller (LAC Erdgas Chemnitz) 6,13
Hochsprung: 1. Heike Henkel (TSV Bayer Leverkusen) 1,91 m (deutsche Jahresbestleistung); 2. Sophia Sagonas (LG Seligenstadt) und Amewu Mensah (OSC Berlin) je 1,85; 4. Miriam Bielert (LBV Phoenix Lübeck) 1,85; 5. Alina Astafei (MTG Mannheim) und Birgit Kähler (TSV Bayer Leverkusen) 1,82
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