800 Millionen Mark für Australiens Olympia-Gold: Heiße Phase der Vorbereitung hat begonnen
zuletzt aktualisiert: 14.01.2000Sydney (sid). In Australien hat neun Monate vor den Olympischen Spielen, die am 15. September in Sydney eröffnet werden, die heiße Phase der Vorbereitung begonnen. Dies gilt nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für die Aktiven, denn auf dem fünften Kontinent ist der Hochsommer angebrochen. Gastfreundschaft wird zwar in "Down under" groß geschrieben, aber gleichzeitig sind die "Aussies" geradezu siegessüchtig, sobald es um Sport geht.
1999 gab es reichlich zu feiern: den Erfolg im Daviscup, die WM-Titel im Cricket und Rugby, Weltrekorde im Schwimmen. Diese Triumphe sollen vom 15. September bis 1. Oktober fortgesetzt werden, wenn man zum zweiten Mal nach Melbourne 1956 olympischer Gastgeber ist. Damals belegte man Platz drei der Nationenwertung hinter der UdSSR und den USA.
14 Mal Gold, 15 Mal Silber und 33 Mal Bronze lautet die Prognose, die Wissenschaftler der University of South Australia in Adelaide für das eigene Team aufgrund der letzten Jahre errechnet haben - der Heimvorteil blieb dabei noch unberücksichtigt. Das olympische Vorhaben lässt sich die australische Regierung einiges kosten. Seit Atlanta 1996 (Platz sieben) investierte der Staat umgerechnet rund 800 Millionen Mark in die Förderung seiner Spitzenathleten.
Besonders hohe Erwartungen setzt die Nation in die Schwimmstars Susie O'Neill, Michael Klim, Grant Hackett oder Ian Thorpe - und in die Aborigine-Sprinterin Cathy Freeman. Die Doppel-Weltmeisterin über 400 m, spätestens seit ihrem zweiten Titel in Sevilla der Superstar des Fünften Kontinents, gilt als einer der sichersten Tipps für einen Olympiasieg. Besonders im Blickpunkt stehen auch Rudern und Hockey, wo man traditionell Weltklasse ist.
Der Run auf die Eintrittskarten hält weiter an. Nach dem Rückzieher des umstrittenen Organisationskomitees (SOCOG), das elitärer Sponsor-Kundschaft sogegannte "First-Class-Tickets" angeboten hatte, diese aber wieder frei geben musste, konnten seit November nochmals eine halbe Million Tickets abgesetzt werden. Knapp die Hälfte der fünf Millionen Karten für den heimischen Markt sind damit verkauft.
Weil das Geschäft auch außerhalb der eigenen Grenzen gut verläuft, dürfte SOCOG wohl das Etatziel aus dem Ticketverkauf erreichen. Problematischer hat sich innerhalb ihres 3,2 Milliarden Mark-Budgets der Bereich Sponsoring entwickelt - nicht zuletzt eine Folge der Ticket-Mauscheleien, aber auch des Korruptionsskandals im IOC, in den der Australier Phil Coles stark verwickelt war.
Eine der jüngsten Maßgaben des ebenso umstrittenen wie machtbewussten Olympiaministers und SOCOG-Präsidenten Michael Knight war daher die Kürzung des Etats um 125 Millionen Mark. Eine Konsequenz des finanziellen Engpasses: Die vorgesehene Verdoppelung der bislang 1.000 festen OK-Mitarbeiter erfolgt langsamer als geplant. Statt dessen sollen zunächst verstärkt Mitglieder der Regierung von New South Wales dabei helfen, die Vorbereitungen voranzutreiben. Je näher der 15. September rückt, desto größer wird der Einfluss der Regierung auf die Spiele.
Nahezu makellos präsentieren sich zu Beginn des Olympiajahres dagegen die Sportanlagen. Nachdem im Dezember als letztem Großprojekt das 45 Millionen Mark teure Olympic Tennis Centre fertiggestellt werden konnte, fehlen nur noch zwei kleinere Wettkampfstätten: Ein Becken für die Wasserballer im nordöstlichen Stadtteil Ryde und ein Baseballfeld im Olympic Park in Homebush.
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