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Handball
Herr Peißl lädt nach Bärnbach ein

Handball: Herr Peißl lädt nach Bärnbach ein
Dietmar Peißl ist Landessportkoordinator des steirischen Handball-Verbandes. FOTO: Georg Amend
Bärnbach. Dietmar Peißl kümmert sich in der Steiermark um Handball-Mannschaften. Auch dank ihm erlebt die Region einen Boom. Von Georg Amend

Wenn Dietmar Peißl durch Bärnbach geht, wird er von allen Seiten gegrüßt. Alle hier kennen den "Didi" - das ist auch wesentlich kürzer als "Landessportkoordinator des steirischen Handball-Verbandes". Dass der 1,94-Meter-Mann für die österreichische Handball-Nationalmannschaft einst eine Waffe auf der Königsposition halblinks gewesen ist, sieht man ihm auch mit 48 Jahren noch an - anders als das Alter. Locker zehn Jahre würde man den durchtrainierten Hünen mit den offenen blauen Augen jünger schätzen. "Das sind die guten Gene. Und das hervorragende steirische Kürbiskernöl", sagt Peißl schmunzelnd.

Auf dieses Öl, das sie "schwarzes Gold" nennen, sind sie in der Steiermark stolz. Ebenso stolz wie darauf, dass Hollywood-Filmstar Arnold Schwarzenegger nur 30 Kilometer von Bärnbach geboren und aufgewachsen ist. Seinen Körper hat er im örtlichen Fitnessstudio Köflach, wo es "alte Eisen" und noch Bilder von ihm gibt, in astronomische Dimensionen geformt. Stolz sind sie auch auf den Handball, der hier eine 93-jährige Tradition hat.

Kein Zufall, dass die Region derzeit einen Boom für Teams aus dieser Sportart erlebt. Im vergangenen Jahr knackte Peißl erstmals die Marke von 1000 Übernachtungen nur durch Handballer in der West-Steiermark, und das mit rund 1500 gleich deutlich. Stammgast ist inzwischen der Bergische HC, der sich in Köflach und Bärnbach gerade im dritten Jahr in Folge darauf eingeschworen hat, die Bundesliga ebenfalls zum dritten Mal in Folge halten zu wollen. Der Kontakt zu Peißl entstand durch Viktor Szilágyi, Kapitän des BHC und der österreichischen Nationalmannschaft, doch auch der VfL Gummersbach mit dem österreichischen Linksaußen Raul Santos oder Liga-Konkurrent HBW Balingen-Weilstetten haben bereits angefragt. Die Steiermark könnte das für Handballprofis werden, was die Schweiz schon für Fußballer ist.

Daran zumindest arbeitet Peißl, und er wirbt für seine Heimat: "Handball hat hier eine irrsinnige Tradition - man nennt uns auch das größte Handball-Dorf Österreichs. Wir haben eine sehr gute Infrastruktur für die Sportart, allein im Umkreis von zehn Kilometern haben wir vier Hallen. Wir haben Hotelanlagen und die Therme, wo die Sportler ins Eisbecken können, tolle Möglichkeiten für Laufeinheiten, Radausflüge, Teambuilding, den 100 Hektar großen Golfplatz in Maria Lankowitz, und, und, und."

Peißl ist aber kein Funktionär, der nur wirbt. Er kümmert sich um die Betreuung der Teams - rund um die Uhr. "Dieses Trainingslager kommt für uns nur mit Didi infrage", sagt BHC-Trainer Sebastian Hinze. "Auch wenn wir mal kurzfristig was umstellen - er macht das möglich. Er investiert jedes Jahr schon ab den ersten Kontakten im Januar, Februar unglaublich viel für uns. Das ist nicht hoch genug anzurechnen." Für den BHC besorgte Peißl zuletzt zum Beispiel ein Ultraschall- und Stromtherapiegerät, weil Physiotherapeut Carsten Walonka diese Dinge nicht mit im Flieger transportieren konnte. "Das borgt dir nicht jeder", sagt Peißl. Doch ihm ist es gelungen, weil er mit einem prominenten Rekonvaleszenten wuchern konnte: "Damit Viktor als österreichische Legende die besten Voraussetzungen hat", erklärt der Landsmann des BHC-Kapitäns, der sich nach einem Riss einer Sehnenplatte unter dem linken Fuß im Aufbautraining befindet.

Peißl hat den Vorteil, dass er weiß, was die Spieler benötigen. Als 1977 die Halle in Bärnbach gebaut wurde, fing er mit dem Handballsport an, das örtliche Erstliga-Team hatte zuvor zwei Meisterschaften gewonnen. Im Alter von 20 Jahren wechselte der Halblinke nach Graz, das in den 80er Jahren bis 1990 sechs Meistertitel holte. 15 Jahre spielte Peißl in der österreichischen Bundesliga, acht in der Nationalmannschaft. Inzwischen ist er noch Co-Trainer der Polizei-Auswahl seines Landes. Er kennt sich bestens aus - und die Steiermark kennt ihn.

Quelle: RP
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