German Open: Hingis hat Trennung überwunden
zuletzt aktualisiert: 13.05.2001 - 13:23Berlin (rpo). "Die Trennung von meiner Mutter war und ist die richtige Entscheidung", sagte Martina Hingis nach ihrer 6:3, 0:6, 4: 6-Niederlage gegen die Französin Amelie Mauresmo im Halbfinale der German Open in Berlin.
Die beste Tennisspielerin der Welt bleibt sieglos und selbstbewusst. Mit trotzigem Blick und einer nur ganz kleinen Unsicherheit in der Stimme verteidigte die 20-jährige Schweizerin die längst fällige Abnabelung von ihrer Mutter und Trainerin Melanie Molitor und den Schritt in ein unabhängiges und eigenständiges Leben.
Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite. "Nicht ohne meine Mutter" - so könnte Martina Hingis ihre sportlichen Erfolge seit der Trennung vor vier Wochen zusammenfassen, denn ohne Melanie Molitor auf der Tribüne gewann die Weltranglistenerste kein Turnier mehr. Anfang April in Amelia Island verlor sie im Viertelfinale gegen Arantxa Sanchez (Spanien), eine Woche später im Finale von Charleston gegen Jennifer Capriati (USA) und nun gegen Amelie Mauresmo. Überhaupt hat Martina Hingis lange keine Trophäe mehr gewonnen, zuletzt Ende Februar in Dubai. Bei Grand-Slam-Turnieren war der Triumph bei den Australian Open 1999 ihr bis dato letzter.
An der Seite von Martina Hingis reist seit einem Monat der in Tampa lebende 29-jährige Australier David Taylor um die Welt. Er war ursprünglich als Sparringspartner eingestiegen und bleibt vorerst bis zu den French Open in Paris (28. Mai bis 10. Juni) ihr Coach. Taylor hat ein vielseitiges Trainingskonzept ausgearbeitet, das vor allem darauf ausgerichtet ist, die oft bemängelte körperliche Fitness der Weltranglistenersten zu verbessern.
Auf das gute Verhältnis zwischen Martina Hingis und David Taylor hat die Berliner Niederlage keinen Einfluss. "Es funktioniert gut mit uns", sagte sie vor der Abreise nach Rom, wo sie in dieser Woche ihr letztes Turnier vor den French Open spielt. Eine Rückkehr der Trainerin Melanie Molitor schließt Martina Hingis aus, mit der Mutter Melanie Molitor telefoniert sie täglich: "Sie ist nach wie vor für mich da, daran hat sich nichts geändert. Ich kann mit ihr über alles reden, aber sie soll nicht mehr alles für mich machen. Ich will mein Leben selbst in die Hand nehmen."
Dennoch wird man Melanie Molitor möglicherweise schon bald wieder auf der Tribüne sehen, allerdings nicht als Betreuerin der Tochter. Die als Expertin anerkannte gebürtige Slowakin hat einige Anfragen aus Spielerkreisen vorliegen. Während ihre Tochter in Berlin spielte, trainierte Melanie Molitor im heimischen Trübbach mit der 17-jährigen Russin Lina Krasnorutskaja, immerhin schon die Nummer 72 der Weltrangliste.
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