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Leipzig
Hingis paart Leichtigkeit mit Erfolg

Leipzig. Als Martina Hingis zu ihrem ersten Profiturnier in Zürich antrat, war sie gerade einmal 14 Jahre alt. Im Jahr darauf gewann sie bereits, angetrieben von ihrer strengen Mutter, die Doppel-Konkurrenz beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon. Und im Frühjahr 1997 wurde sie mit 16 Jahren und sechs Monaten die jüngste Nummer eins der Weltrangliste. Nun ist sie 35 Jahre alt und gehört im Doppel immer noch zur absoluten Weltspitze. Bei den Australian Open in Melbourne gewann sie an der Seite der Inderin Sania Mirza ihren 123. Titel in diesem Wettbewerb, den 21. bei einem Grand-Slam. Die beiden sind bereits seit 36 Partien ungeschlagen. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Und auch gestern feierte sie an der Seite von Belinda Bencic den entscheidenden Sieg.

Die Karriere von Hingis ist auf vielen Ebenen erstaunlich. Als junge Spielerin war sie besessen von dem Sport. Sie hat ihm alles untergeordnet und sich dabei irgendwann selbst vergessen. Im Februar 2003, mit nur 22 Jahren, gab sie ihren Rückzug bekannt. Zwei Jahre später folgte das Comeback. Doch dann, im November 2007, gab sie bekannt, bei einer Dopingkontrolle während Wimbledon positiv auf Kokain getestet worden zu sein. Sie bestritt die Vorwürfe vehement, wurde allerdings für zwei Jahre gesperrt. Viele dachten, damit sei ihre Laufbahn auf sehr unrühmliche Weise endgültig beendet.

Doch vielleicht brauchte sie diese Brüche, um sich von alledem zu befreien, was nicht sie selbst war. Sie hat hernach vieles ausprobiert und drohte zu einer Lachnummer zu werden. Zu einer, die sich nur über ihren Sport definiert hat und sich jetzt nicht im echten Leben zurechtfindet. Vor drei Jahren entschloss sie sich, noch einmal einen Anlauf zu unternehmen. Sie spielte wieder Doppel, zunächst an der Seite von Sabine Lisicki. Und schon beim zweiten Turnier in Miami waren die beiden erfolgreich.

Doch diesmal ist alles ganz anders. Hingis hat die Leichtigkeit in ihrem Leben gefunden. Tennis ist für sie keine Qual, sondern nur Leidenschaft. Sie genießt, was sie macht. Die Reisen, das Leben auf der Tour. Sie betreut als Trainerin unter anderem Bencic, die zuvor acht Jahre in der Tennisschule von Hingis' Mutter ausgebildet wurde. Die Prioritäten haben sich verschoben. "Ich genieße jeden Tag viel intensiver", sagt Hingis. "Und ich trinke in einer Turnierwoche auch schon mal ein Glas Wein. Das wäre früher undenkbar gewesen."

(gic)
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