Bayer-Trainer Augenthaler tobt: Hoffenheim-Pleite: "Auge" kündigt Konsequenzen an
zuletzt aktualisiert: 03.12.2003 - 11:37Hoffenheim (rpo). Sie schlichen vom Platz wie geprügelte Hunde - und dann gab's vom Trainer noch einen verbalen Rundumschlag obendrauf. Nach der peinlichen 2:3 (0:2)-Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den Süd-Regionalligisten TSG Hoffenheim hat Klaus Augenthaler Konsequenzen angekündigt.
"Die Leistung meiner Mannschaft war unterirdisch", schimpfte Klaus Augenthaler und kündigte an: "Das wird Konsequenzen haben." Welche, wollte der 46-Jährige nicht verraten: "Ich werde mir die Spieler in den nächsten Trainingseinheiten genau anschauen." Derweil feierten die Hoffenheimer und Augenthalers früherer Bayern-Kollege Hansi Flick den größten Erfolg ihrer 104- jährigen Vereinsgeschichte.
Die 3300-Einwohner-Gemeinde bei Heidelberg rückte mit dem Einzug ins Viertelfinale auf die Fußball-Landkarte. "Jetzt ist Hoffenheim endgültig bekannt und berühmt geworden", freute sich TSG- Geschäftsführer Dag Heydecker. Die Badener knüpften an die Pokal- Überraschungen dreier Clubs aus der Region an: Der VfB Eppingen warf vor 29 Jahren den Hamburger SV raus, der FV Weinheim 1990 den FC Bayern und der SV Sandhausen 1995 den VfB Stuttgart.
Profi-Fußball angestrebt
Für die Hoffenheimer soll der Coup gegen Leverkusen jedoch keine Eintagsfliege sein: Mit dem finanzkräftigen SAP-Gründer Dietmar Hopp im Hintergrund strebt die TSG den Profi-Fußball an. Hopps Traum ist, dass bei der WM 2006 ein Spieler seines Heimatclubs in der Nationalmannschaft steht. Und nach der 2:0-Führung zur Halbzeit sangen die 6400 Zuschauer im Dietmar-Hopp-Stadion begeistert: "Ruuudi Völler, Ruuudi Völler - hast du das gesehen?"
Nicht nur Augenthaler rieb sich verwundert die Augen. Die pfiffigen Amateure legten die Tore von Stephan Sieger (7./Foulelfmeter) und Heiko Throm (30.) vor. Lucio (55.) und Dimitar Berbatov (67.) glichen zwar aus, doch dann sahen Abwehrchef Jens Nowotny und Torhüter Jörg Butt beim 3:2-Siegtreffer von Kai Herdling (77.) ganz alt aus.
"Dass man nach dem Ausgleich so ein billiges Tor bekommt, das verstehe ich nicht", ärgerte sich Augenthaler und kritisierte, dass seine in der Bundesliga seit zehn Begegnungen ungeschlagene Mannschaft mit angezogener Handbremse gespielt habe. "Wenn wir weiterhin so spielen, werden wir keine einzige Partie mehr gewinnen. Vielleicht geht's bei uns dem einen oder anderen zu gut."
Wenigstens einsichtig
Wenigstens gaben sich die Leverkusener einsichtig. "Was wir heute abgeliefert haben, war nicht einmal einer Regionalliga-Mannschaft würdig", räumte Kapitän Nowotny ein. "Die Jungs haben super gefightet", freute sich hingegen Hoffenheims Coach Flick über eine "große Portion Frechheit und Entschlossenheit" seiner Spieler.
Torschütze Sieger kündigte unmittelbar nach dem Schlusspfiff für die Siegesfeier an: "Das Clubhaus steht heute nicht mehr lange." Jetzt, jubelte Torhüter Thomas Hillenbrand, "weiß jeder, wo Hoffenheim liegt". Am Walldorfer Kreuz die A 6 Richtung Heilbronn, Ausfahrt Sinsheim. Dort, wo Bayer Leverkusen im hohen Bogen aus der Erfolgsspur flog.
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