"Leute ohne Ahnung vom Tennis": Hoffnungsträger Haas attackiert DTB
zuletzt aktualisiert: 13.01.2002 - 12:09Melbourne (rpo). Kurz vor dem Beginn der Australien Open in Melbourne hat Tommy Haas erneut Kritik am Verband geübt: "Beim DTB sitzen leider die falschen Leute, die vom Tennis keine Ahnung haben. Auch von Präsident von Waldenfels bin ich enttäuscht. Da kann man schon verzweifeln", sagte Haas.
Der Hamburger schilderte, nach einer Sitzung mit den Spielern habe ein DTB-Funktionär Daviscup-Spieler Rainer Schüttler nach dessen Namen gefragt. Schüttlers Trainer Dirk Hordorff bestätigte den Vorfall am Sonntag. Haas sagte ferner, er kenne keinen Spieler, der das vorliegende Angebot des DTB für den Daviscup unterschrieben habe. Schüttler hatte schon vor längerer Zeit angekündigt, seine Prämie - in welcher Höhe auch immer - für die Nachwuchsarbeit des Hessischen Tennisverbandes zu spenden.
Haas zeigte sich erneut verbittert darüber, dass ihm der Verband die Bezahlung seines Physiotherapeuten verweigere, obwohl er nie gefördert worden sei und im Daviscup 1999 gegen Rumänien den Abstieg mitverhindert habe. Dem DTB warf der 23-Jährige vor, das Geld zu verpulvern: "Die fliegen Business-Class zu irgendwelchen Turnieren und bauen am Rothenbaum ein Dach für über 10 Millionen Euro, das keiner braucht. Und wo ist der Nachwuchs?"
Haas sieht Schüttler vorn
Der deutsche Hoffnungsträger in Melbourne stellte zudem klar, nach dem derzeitigen sportlichen Stand komme "ganz klar" Schüttler für das zweite Einzel beim Daviscup-Auftakt in Kroatien in vier Wochen in Frage. Bei den Australian Open 2001 war Haas schon in Runde zwei vom Australier Lleyton Hewitt gestoppt worden. "Aber ich weiß, dass ich hier gewinnen kann", meinte der Halbfinalist von 1999 in der "Bild am Sonntag". Und: "Es hängt alles vom Start ab, da muss es gut laufen." Nicolas Kiefer, gegen Schüttler zuletzt in Sydney klar unterlegen, räumte generell ein: "Ich muss tief stapeln."
Der Holzmindener griff bereits in der Nacht zum Montag gegen den Tschechen Jiri Novak in die Australian Open ein. Nach dem zweiten Ermüdungsbruch im Handgelenk binnen eines Jahres fehle ihm derzeit vor allem der spielerische Feinschliff, sagte Kiefer. Außerdem musste Michael Kohlmann, einer von drei deutschen Qualifikanten, gegen den Russen Jewgeni Kafelnikow antreten, 1999 Sieger des Turniers. Haas startet am Dienstag gegen Kafelnikows Landsmann Andrej Stoljarow. Insgesamt sieben deutsche Herren und acht Damen spielen um die 8,6 Millionen Dollar (9,6 Millionen Euro) Preisgeld mit.
Der Sieger der vergangenen beiden Auflagen, Andre Agassi, scheint für die Titelverteidigung gerüstet, auch wenn er im Finale des Einladungsturniers im Kooyong-Club 6:7 (6:8), 7:6 (8:6), 3:6 gegen Pete Sampras verlor. "Ich bin bereit, einen Gang hochzuschalten", sagte der 31 Jahre alte Amerikaner. Auch der zweimalige Melbourne- Champion Sampras legte sich fest: "Er hat zwei Mal in Folge gewonnen, er ist der Favorit."
Agassi entspannt
Während sich Lokalmatador Hewitt nach seiner Windpocken- Erkrankung hermetisch vor Fragen nach seiner Fitness abgeschirmen lässt, gibt sich Agassi entspannt. Nach seiner Niederlage in der 33. Auflage des Klassikers gegen Sampras scherzte der Ehemann von Steffi Graf: "Dafür kann meine Frau viel besser Tennis spielen als seine."
Bei den Damen ist Titelverteidigerin Jennifer Capriati durch den Rückzug der mittlerweile am Knie operierten Lindsay Davenport ab Montag wieder die Nummer 1 der Welt. Mit Blick auf die Blessuren an beiden Hüften meinte die Amerikanerin, sie fühle sich zu 90 Prozent fit. Serena Williams trainierte am Sonntag dagegen nicht und ließ offen, ob sie nach ihrer in Sydney erlittenen Knöchelverletzung überhaupt antreten kann.
Wieder gut in Schwung nach ihrer Knöcheloperation ist Martina Hingis. Die Schweizerin verteidigte beim Vorbereitungsturnier in der Olympia-Stadt ihren Titel und gewann nach elf Monaten wieder ein Turnier. "Ein legendärer Tag. Das hat meine eigenen Erwartungen übertroffen", sagte die ehemalige Weltranglistenerste. Der Erfolg ihres Landsmannes Roger Federer in der Herren-Konkurrenz sorgte für ein Novum in der 106-jährigen Schweizer Tennisgeschichte.
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