England verliert gegen Ecuador: Hohn und Spott nach Daviscup-Fiasko - Henman verlor die Fassung
zuletzt aktualisiert: 17.07.2000 - 12:32London (dpa). Als der Abstieg aus der Daviscup-Weltgruppe mit der 2:3-Pleite gegen Ekuador besiegelt war, verlor Tim Henman auf dem heiligen Rasen von Wimbledon endgültig die Beherrschung. Der 25- jährige aus der Universitätsstadt Oxford machte seiner Enttäuschung Luft und polterte gegen den britischen Tennis-Verband LTA. "Die Schuld an dieser Niederlage müssen wir Spieler uns zwar selber zuschieben, aber an der Spitze des Verbandes muss sich nun einiges ändern - und zwar drastisch", sagte der beste Spieler seines Landes, der immerhin seine beiden Einzel gegen Giovanni und Nicolas Lapentti klar gewonnen hatte.
Henman moserte nicht nur ("ich habe dem Verband geholfen, wo es geht, aber ich habe mir wohl selber was vorgemacht"), sondern stellte sogleich konkrete Forderungen. Es müsse professioneller gearbeitet werden und dafür stehe der vor einem Jahr geholte Patrice Hagelauer als Technischer Direktor der Lawn Tennis Association. "Er sollte allein für das britische Tennis zuständig sein", meinte der Weltranglisten-Vierzehnte, der sich ohne jede Unterstützung der LTA in die Weltelite gekämpft hatte. "Ich habe versucht, positiv zu bleiben. Ich versuche ständig, mein Spiel zu verbessern, nun soll ich auch noch das britische Tennis retten", sagte Henman und schüttelte fast verbittert den Kopf.
Das Debakel hatte sich schon am ersten Spieltag abgezeichnet. Zuerst verlor der gebürtige Kanadier Greg Rusedski sein Einzel gegen Nicolas Lapentti in fünf Sätzen, dann zog sich der von den Briten ungeliebte Spieler wegen einer Knöchelverletzung zurück. Damit musste Arvind Parmar ran. Doch der 147. der ATP-Weltrangliste erlitt zusammen mit Henman eine vorentscheidende und klare Dreisatz- Niederlage im Doppel, und im seinem Einzel folgte die endgültige Schmach für das britische Tennis: Trotz einer Führung von 2:0 Sätzen verlor Parmar gegen Giovanni Lapentti, den 959. der ATP- Weltrangliste.
In den britischen Zeitungen wurden Henman & Co. am Montag kübelweise mit Kritik und Häme übergossen. Der seriöse "Guardian" bezeichnete die Niederlage als "ein weiteres britisches Sportdesaster", und die "Times" schrieb: "Daviscup: Das Ende der Welt." Die Boulevardmedien griffen dagegen vor allem die Tatsache auf, dass Giovanni Lapentti als Tennis-Nobody für Ekuadors Sieg im letzten und entscheidenden Einzel gesorgt hatte. "Zu Boden gebracht von einem 17-jährigen Grasneuling" schrieb der "Daily Express", und in der "Daily Mail" hieß es: "Großbritannien wurde auf die Abfallgrube des Welttennis geschickt - von einem Knaben, der noch nicht einmal mit dem Rasieren begonnen hat."
Vor der Partie hatten alle an eine Pflichtaufgabe auf dem Rasen von Wimbledon gedacht. Kapitän David Lloyd machte die Überheblichkeit besonders deutlich. "Sogar eine Blindenschule kann Ecuador schlagen", meinte er. Doch Hochmut kam wieder einmal vor dem Fall, was der "Guardian" auf der Titelseite mit einer Prise Zynismus quittierte: "Die Zuversicht ist groß vor dem nächsten Spiel gegen Usbekistan."
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